Herz-Jesu-Kloster Freiburg | Brief des Rektors


Verehrte Leser, Freunde und Wohltäter!

Pater Konrad Flatau SCJ

Wir feiern am dritten Freitag nach Pfingsten das Herz-Jesu-Fest. Es ist das Patronatsfest unserer Ordensgemeinschaft. Der Theologe Hans Urs von Balthasar wagte das kühne Wort: «Am Herz-Jesu-Fest feiern wir den letzten und entscheidenden Beweis dafür, dass Gott nichts anderes ist als Liebe – in einem uns weit übersteigenden, absoluten und unbegreiflichen Sinn.»

Mit der Herz-Jesu-Verehrung werden wichtige heilsgeschichtliche Aussagen gemacht, die das Gottesbild, die Weltsicht und unser Menschenbild betreffen. Paulus schreibt an Titus: „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes unseres Heilandes“.

Gott selbst ist diese innerste Mitte des Menschen. Er ist dem Menschen näher als dieser sich selbst nahe sein kann. Das Herz ist nach Karl Rahner der „Punkt, an dem das Geheimnis des Menschen übergeht in das Geheimnis Gottes“. Das Herz ist im Menschen die Kreuzung zwischen Horizontale und Vertikale. Sein Herz wurde deswegen offen gelegt, auf dass alle, die dieses Herz gläubig anschauen, wissen: Dieses Herz hat alle geliebt, ja es liebt alle, selbst diejenigen, die es ablehnen, sich lieben zu lassen.

Wir sind in einen neuen Lebensraum gestellt. Es steckt Sinn im Menschen, er trägt eine Würde in sich, die ihm keiner  im Letzten nehmen kann. „Es geht mit jedem Menschen ein Bild Gottes und mehr als das durch die Welt“ (P. A. Delp). Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ist eine Erhellung unseres Daseins geschehen ist. Dieser neue Lebensraum, geprägt von der Zuwendung, von der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist unsere Aufgabe, das Wirken für eine „Kultur der Liebe“.

Der Mensch hat viele schwache Seiten und die Zerrissenheit und der Widerspruch gehen mitten durch den Menschen hindurch. C. G. Jung sagt einmal: „Man wandelt nur das, was man annimmt“.

So müssen die schwachen Seiten, die Schatten erst einmal angenommen werden, damit sie gewandelt werden können. Auf dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Missbrauch an Jugendlichen und Kindern durch Kirchenvertreter bekommen diese Gedanken eine besondere Aktualität.

Mit dem Blick auf das Kreuz erscheint der Mensch als ein Wesen mit Sinn und mit einer Verheißung. Wir sind mit dieser Botschaft vom durchbohrten Herrn in Pflicht genommen, die Ehrfurcht, die Gott vor jedem Menschenleben hat, auch untereinander zu schenken.

Wir haben in diesem Jahr zum Herz-Jesu-Fest die besondere Freude, dass unser Mitbruder Diakon Christoph Kübler am 22. Mai 2010 in unserem Wallfahrtsort Maria Martental in der Eifel  zum Priester geweiht wurde. Hier in Freiburg feierten wir die Primiz in seiner Heimatpfarrei Herz-Jesu am 30. Mai 2010 und in unserem Kloster feiern wir mit ihm den Gottesdienst im Zusammenhang mit dem Einkehrtag für die Freunde und Wohltäter am 9. Juni 2010 um 10.00 Uhr.

Ich danke Ihnen für Ihre Verbundenheit

P. Konrad Flatau SCJ

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