Gespräch der Religionen | Pater Ernst-Otto Sloot SCJ über das Verhältnis von Islam und Christentum

"Niemand ist nur mehr Zuschauer"

Man empfand zwar eine gewisse Kränkung, dass der Nahe Osten in der Neuzeit plötzlich technisch und wissenschaftlich abgehängt wurde. Schließlich war man bis in das Spätmittelalter die modernste Kultur der bekannten Welt und stolz auf seinen zivilisatorischen Fortschritt in den Geisteswissenschaften und in der Medizin. Doch trotz dieser Kränkung sah man keine Notwendigkeit, etwas an den Verhältnissen entscheidend ändern zu müssen.

Die Eliten bauten auf den Islam als gemeinsame Werteordnung und konnten weiter regieren. Oft wurden sie dabei gestützt durch den vom Öl abhängigen Westen. In diesen Regionen sind Staatsordnung und Religion ein und dasselbe, religiös begründet durch das Vorbild der Stadt des Propheten Mohammed: Medina.

Von all diesen Fakten und Gegebenheiten war in Europa lange Zeit wenig bekannt. Das Interesse am Islam bestand lediglich als ein Produkt der Kolonialpolitik: Die orientalistischen Fakultäten der westlichen Universitäten betrieben in den letzten beiden Jahrhunderten ihre Studien der Religion und der Kultur des Nahen Ostens hauptsächlich im Hinblick auf die notwendige Verständigung mit den Kolonien.

Schließlich verlangten die Wirtschaftsinteressen eine gewisse Rücksicht auf kulturelle Gegebenheiten. Die theologischen Fakultäten beschäftigten sich dagegen nahezu gar nicht mit dem christlich-islamischen Dialog. Die Vertreter der beiden Religionen waren nur bedingt an einem Austausch interessiert. Es gab seit dem Ende der kriegerischen Konflikte (Kreuzzüge, Reconquista) und dem Ende gegenseitiger Missionierungsversuche keinen Grund, der zum Dialog zwang. Er war schlichtweg keine Notwendigkeit. Bis zu einem markanten Datum: dem 11. September 2001.
Seit den Anschlägen auf das World Trade Center hat sich diese Situation geändert. Jetzt herrscht wieder ein kriegerischer Konflikt. Plötzlich ist allen klar, dass als Alternative zum Krieg gegen den Terrorismus nur der Dialog der Weg zum Frieden sein kann.

Der Krieg in Afghanistan, der auch deutsche Soldaten und deren Familien betrifft, dauert mit all seiner Vorgeschichte bereits länger als der Zweite Weltkrieg. Und dieser Krieg hat nur bewiesen, dass er die Probleme nicht lösen wird.

Es gibt keine Alternative zum Dialog. Nur: Wer soll mit wem den Dialog führen?
Die Antwort ist so kompliziert wie einfach. Alle! Bisher brauchte niemand den Dialog. Jetzt brauchen ihn alle. Und alle müssen daran mitwirken. Politik und Wirtschaft auf ihrer Ebene, Hilfsorganisationen und nicht-staat-liche Einrichtungen auf ihrer. Vor allem aber sind natürlich die Religionen selber gefragt – und damit nicht zuletzt  jeder Einzelne privat für sich. Bei einem solchen Dialog werden diese Themen im Zentrum stehen:

• Gewaltlosigkeit und Achtung vor dem Leben,
• Solidarität unter den Mitmenschen und gerechte Wirtschaftsordnung,
• Toleranz und Wahrhaftigkeit,
• Gleichberechtigung und Partnerschaft zwischen Mann und Frau.

Der Dialog muss dringend stattfinden, damit diese Themen endlich auf den Tisch kommen. Niemand kann sich rausreden, er kenne keinen Muslim und müsse sich deshalb nicht mit dem Islam beschäftigen. Gleichzeitig nämlich dient der Nachbarssohn in Afghanistan als Soldat, hilft der Bekannte als Zivi Palästinensern in Israel. Niemand ist nur mehr Zuschauer einer politischen Weltbühne.

Die genannten Themen begegnen uns natürlich auch im Privaten immer wieder: Bei der Frage, ob muslimische Frauen einen Christen heiraten dürfen. Bei der Verständigung mit türkischen Nachbarn, im Umgang mit sozialen Brennpunkten. Und bei Festen, die man gemeinsam feiern könnte: Weihnachten, Zuckerfest, Opferfest oder auch Ostern. Wir können diese Feste zusammen feiern – allerdings ohne dabei die kulturellen Unterschiede auszublenden. Integration heißt hier: sich durch neue Kulturen bereichern zu lassen. Es geht nicht darum, eine andere Kultur an unsere anzugleichen. Dialog kann nur Austausch sein.

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ

"Koran und Kaaba, Bibel und Bethlehem": Seite 1 des Essays von Pater Ernst-OttoSloot SCJ über den interreligiösen Dialog

Die Kommentare der User von scj.de


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von katarina

am Mittwoch, 2. September 2009

was ist das ich brauche doch n n ur eine antwort

 
 

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