Wege zum Heil | Das Christentum als therapeutische Religion

Heil und Heilung

Man kann sein „Heil in der Flucht suchen“ oder auch ein „heilsames Erlebnis“ haben. Doch wirkliches, ganzes Heil gibt es nur bei Gott - Pater Heinz Lau SCJ über die Sehnsucht des Menschen und die Aufgabe des Christentums

Fragt man Menschen nach dem kostbarsten Gut, dann meinen viele: „Gesundheit“. Dahinter steht für viele eine tiefe Dankbarkeit für das gesunde Leben und die Unfähigkeit, Gesundheit kaufen zu können. Für die aber, die krank sind, steht dahinter das tiefe Verlangen nach einem erfüllten, gesunden, heilen Leben und eine schier unglaubliche Sehnsucht, ja fast Verzweiflung, Heilung zu erlangen. Viele Menschen würden alles dafür hergeben, wieder gesund zu werden.

"Ich war so verzweifelt und habe um Gottes Hilfe gebettelt"

Es gibt viele Beobachtungen dazu, ich möchte einige mit Ihnen teilen. Eine Ärztin einer Uni-Klinik hat mir einmal erzählt, wie oft sie von schwerkranken Patienten angefleht wird: „Bitte heilen Sie mich!“ Die Ärztin erzählte von ihrer tiefen Betroffenheit. Sie sage dann immer: „Ich werde mein Bestes versuchen! Ich werde tun, was medizinisch möglich ist. Ich kann aber nur Anwendungen machen, ‚herumdoktern‘. ‚Heilen‘ aber kann ich nicht – das kann nur ein ganz anderer.“

Mir selber begegnet dieses Thema zum Beispiel, wenn Menschen zu mir kommen und um Wiederaufnahme in die Kirche bitten. Ich frage dann oft: „Warum sind Sie aus der Kirche ausgetreten?“ Die Antwort ist so oft die gleiche: „Ich war so verzweifelt und habe um Gottes Hilfe gebettelt. Doch ich habe keine Hilfe, keine Heilung erfahren! Deshalb dachte ich: ‚Auch Gott hilft nicht.“

Eine ganz andere Facette lernte ich dann in den elenden Hütten in Indien kennen. Wenn ich durch die Straßen zu der primitiven Kirche hinging, dauerte es nur einige Minuten, und Scharen von jungen Eltern und Großmüttern kamen und drückten mir ihre neugeborenen Kinder in die Arme – mit nur einer einzigen Bitte: „Bitte Pater, segnen Sie unsere Kinder.“ Ich fragte mich: „Was müssen diese Menschen ein tiefes Vertrauen in Gottes Segen haben! Ihr Leben ist so ungesichert.“

Und wenn ich dann gläubige Menschen von einer Wallfahrt zurückkommen sah und sie bekennen hörte: „Gott hat wunderbar geholfen“ – dann weiß ich, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist. Niemand konnte diesen Menschen helfen, und jetzt sind sie geheilt. Gott war da, Gott hat uns nicht enttäuscht – er wird es auch nie tun. Denn immer wieder sehen wir in der Geschichte: Gott hat wunderbar geholfen. Und dieses Bewusstsein ist so wichtig. Vor allem ist das rechte Verständnis von „Heil“ wichtig.

Was haben die Nazis dieses Wort nicht auf das Schlimmste missbraucht, um tiefste menschliche Sehnsüchte ansprechen zu wollen mit dem Schlachtruf. Und wie zwiespältig erleben wir in diesem Punkte unsere Gesellschaft: zum einen so viele Krankheiten, auf der anderen Seite ein „Gesundheitswahn“ in allen Variationen – Fitnesscenter, Wellness-Bäder, aber auch eine unübersehbare Palette der Therapieformen.

"In unsere heile Zukunft mit Gott": Seite 1 über die tiefe Sehnsucht des Menschen

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