Leben mit Gott
Bilder der Erlösung
Zu Beginn des Advents besuchte ich in einem Altenheim eine ältere Dame. Sie war an diesem Tag nicht sehr zufrieden. Alles störte sie, ständig schimpfte sie. Vor allem aber war sie enttäuscht, dass ihre Familie sie nicht jeden Tag besuchte.
Auf einem kleinen Tisch lagen zwei Fotoalben. Wir begannen darin zu blättern. Jedes Foto eine Geschichte. Angefangen haben wir mit dem Foto ihres Verlobten, der zu ihrem Ehemann wurde. Dann die Hochzeitsbilder und die Aufnahmen von ihren Kindern im Kinderwagen. Es folgten Bilder aus der Schule, Bilder von der Erstkommunion und so weiter. Die Dame blickte die Fotos mit einer Andacht an, als ob sie sie nach einer langen Zeit zum ersten Mal wieder sehen würde. Während sie die Bilder betrachtete, wurde sie immer ruhiger. Ihre Stimme verlor die Aggressivität. Das Gesicht hellte sich auf und wurde friedlich.
Als wir das Album durchgesehen hatten, schaute sie mich an und sagte ruhig: „Eigentlich müsste ich zufrieden sein. Die Familie hält bis heute zusammen.“
Die Betrachtung ihrer Fotos hatte die alte Dame verändert. Die Erinnerung an schöne Stunden hatte ihr Gemüt aufgehellt. Sie zog plötzlich eine positive Bilanz.
Was hat das mit dem Advent zu tun? So wie die Frau eine Reise durch ihr Leben unternommen hatte und am Ende sagte: „Eigentlich müsste ich zufrieden sein“, so ist der Advent die Erinnerung an die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk.
Es gibt kein heilvolleres Eingreifen in die Geschichte als Christi Geburt
Hinter dem Begriff „Heilsgeschichte“ steckt die große Botschaft der Kirche: Gott geht einen Weg mit der ganzen Menschheit über Generationen hinweg – und mit mir persönlich durch mein ganzes Leben. Und: Gott ist kein teilnahmsloser Zuschauer am Rande des Weges. Immer wieder hinterlässt er Spuren in der Geschichte. Denn Gott greift aktiv in die Geschichte ein. Er ist unser Stock auf einem oft steinigen Weg. Und Gott lässt uns eine Richtung in der Geschichte, aber auch in unserem eigenen Leben erahnen: Liebe und Heil – also Gott selbst.
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