Spurensuche | Pater Hans-Ullrich SCJ über seine Bildungsreisen

Auf den Spuren des Paulus

Paulus war der erste große Missionar des Christentums. Er verkündete Jesu Botschaft mit enormem Erfolg. Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ über seine Bildungsreisen, auf denen er sich dem Geheimnis des Apostels nähert

Es war die einmalige Leistung des Apostels Paulus, das Christentum aus der Enge des palästinensischen Raumes zur Weltreligion überführt zu haben. Er stand außerhalb des ursprünglichen Zwölferkreises und musste so seinen ganz eigenen Missionsweg über die Grenzen Israels hinaus suchen. In Auseinandersetzung mit dem traditionellen jüdisch-orthodoxen Glauben gründete er auf seinen Reisen die heidenchristliche Kirche.

Man begegnet den Spuren des Paulus vor allem im östlichen Mittelmeerraum, also in der heutigen Türkei, und in Griechenland. Bei seiner letzten Reise war Paulus Gefangener. Sie führte ihn von Cäsarea unter mancherlei Abenteuer und Lebensgefahr nach Rom, in das Zentrum kaiserlicher Macht.

Antike Andenken, Blinde Bekehrung

Seit 1988 biete ich Bildungs- und Studienreisen in die Landstriche, die Paulus besuchte, an. Zusammen mit Monika Lambrich, meiner unverzichtbaren Mitarbeiterin, versuche ich auf diese Weise, die Reisen des Apostels vor Ort nachzuvollziehen.

In Tarsus erinnert der Paulusbrunnen an die Geburt, in Damaskus die „Gerade Straße“ an die Erblindung und Bekehrung des Apostels. Dorthin kamen wir während einer Syrienreise, bei der wir auch die Ananiaskapelle besuchten. Hier feierten wir einen Gottesdienst – die Heilung und Taufe des Paulus war selten so greifbar für uns. In der Türkei suchten wir in Antiochia am Orontesfluss nach den Spuren des Paulus. Heute heißt die Stadt Antakya, zu Zeiten des Apostels war sie nach Rom und Alexandrien die drittgrößte Stadt im römischen Reich.

Dort gab es einen kräftigen Streit zwischen Paulus und Petrus, weil der sich nicht an die Abmachungen des Apostelkonvents in Jerusalem hielt. Aus diesem Grund verlor Paulus seinen Mitstreiter Barnabas. Von diesen Ereignissen bei der „Petrusgrotte“ zu hören, beeindruckte ungemein.

Auf Zypern erinnern die Ruinenstätten Salamis und Paphos an Paulus. Beim Gottesdienst in der Kreuzkuppelkirche aus dem 16. Jahrhundert, die in den Ruinen einer frühchristlichen Basilika aus dem 4. Jahrhundert steht, hörten wir, wie Paulus einen Zauberer vor dem Prokonsul Sergius Paulus entlarvte – und daraufhin den Römer bekehren konnte.

Über Perge kamen wir anschließend nach Antiochien in Pisidien. In den Ruinen lasen wir die Rede, die Paulus in der Synagoge hielt. Dort kommt die alttestamentliche Heilsgeschichte zur Sprache, ihre Erfüllung in Leben, Tod und Auferstehung Christi – unsere Stimmung war sehr nachdenklich.

Kletterpartie zu den Schildkröten

Ein weiterer Aufenthalt war Konya (zu Paulus Zeiten nannte man es „Ikonium“), eine konservativ islamische Stadt, in der eine kleine Kirche das „christliche Pflänzchen“ und die Erinnerung an Paulus hochhält.

Danach besuchten wir Lystra. Dieser Ort liegt unter einem Hügel verborgen. Nach einer Kletterpartie bestaunten wir dort oben Schildkröten und setzen uns auf das verdorrte Gras. Als wir dort von den Ereignissen um Paulus hörten, ließen wir unserer Phantasie rund um den verborgenen Ort freien Lauf.

Auf dem Anhänger eines Traktors fuhren wir, weil der Bus auf der schlammigen Straße keinen „Bauchtanz“ riskieren wollte, ein Stück weit auf den Hügel hinauf, unter dem Derbe verborgen lag. Auch dort konnten wir uns gut Paulus und Barnabas vorstellen, wie sie durch die umliegende Landschaft gezogen sind, in der wir uns nun selbst aufhielten.

"Athen, Assos und Alexandria": Seite 2 über die Bildungsreisen von Pater Hans-UllrichVivell SCJ

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