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Koran und Kaaba, Bibel und Bethlehem

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ ist Lehrer am Oberhausener Hans-Sachs-Berufskolleg. Er arbeitet dort mit vielen Muslimen zusammen und kennt so die Probleme und Herausforderungen des Gespräches der Religionen. Hier schreibt er über die Geschichte des christlich-islamischen Dialoges und seine heutige Notwendigkeit

Deutschland wird islamisch. Dieser Eindruck beschleicht heute so manchen Mitmenschen. Immer wieder werden die verschiedensten Beispiele angeführt. So erzählte mir ein Muslim, nicht ohne ein gewisses Maß an Stolz, dass es in Duisburg inzwischen mehr Moscheen als christliche Gotteshäuser gäbe. Ein anderer berichtete von einer zunehmenden Zahl von Übertritten zum Islam.

So würden in Deutschland jährlich mehrere Tausend Menschen zum Islam konvertieren. Die Anzahl der Christen hierzulande geht dagegen kontinuierlich zurück. Ist Deutschland inzwischen ein islamisches Missionsgebiet? Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache und widerlegen diese Vermutung. Die enormen Steigerungsraten, die das Islam-Archiv-Deutschland in Soest veröffentlicht hatte, wurden letztes Jahr in einem Beitrag auf www.zeit.de als reine Fantasiezahlen entlarvt.

Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen

In Wirklichkeit wissen wir nämlich nicht einmal, wie viele Muslime es überhaupt in Deutschland gibt. Die Schätzungen schwanken zwischen 2,5 und 3,5 Millionen und basieren meist auf der Angabe des Herkunftslandes. Aber nicht jeder Zuwanderer aus der Türkei oder dem Libanon ist bekennender Muslim. Zudem gibt es, genauso wie im Christentum, viele religionsferne Muslime. Und da die Muslime nicht in einer festen Struktur, vergleichbar den christlichen Kirchen, organisiert sind, ist es schwer, an fundierte Zahlen heranzukommen.

Doch dies sind im Vergleich zu einer anderen Herausforderung statistische Spielereien. Nämlich die Herausforderung, etwas über den Glauben der Muslime in Deutschland zu erfahren. Es wäre also dringend geboten, mit den vielen Muslimen in einen Dialog einzutreten. Wir müssen mehr übereinander erfahren, um den vielen Vorurteilen und Ängsten etwas entgegensetzen zu können.

Doch zunächst müssen einige entscheidenden Fragen geklärt werden: Wird dieser Dialog auch von allen Seiten als notwendig empfunden? In den Medien, bei politisch Interessierten und an den Stammtischen wird viel diskutiert über den christlich-islamischen Dialog. Aber wer braucht ihn denn wirklich, diesen Dialog? Und sind die Kulturen nicht so verschieden, dass ein Dialog aussichtslos erscheinen muss?

Die älteste Moschee Deutschlands steht in Berlin-Wilmersdorf

Der Dialog zwischen Kultur und Religion im Christentum und im Islam hat, etwas grob gesagt, drei verschiedene Wege genommen:
In Deutschland haben wir aus den Folgen des Dreißigjährigen Krieges gelernt. Wir haben erkannt, dass es besser ist, Religion zu einer reinen Privatsache zu machen. Es soll wegen unterschiedlicher Glaubensvorstellungen und Bekenntnissen keine Kriege mehr geben. Damit sind wir auch ganz gut gefahren. In den Grundrechten haben wir zudem verankert, dass es eine Religionsfreiheit gibt, die es jedem erlaubt, glauben zu können, was er will. Und zwar so, dass ihm daraus keine Nachteile erwachsen.

Wie sieht es aber mit der Religionsfreiheit in den Staaten aus, in denen der Islam vorherrscht? In der Türkei kam man unter Staatsgründer Kemal Atatürk ebenfalls zur Erkenntnis, dass es sinnvoller sei, Religion zu einer reinen Privatsache zu degradieren. Atatürk machte den Islam verantwortlich für eine technische und wirtschaftliche Rückständigkeit in seiner Region.

In der modernen Türkei sollte deshalb die Religionsfreiheit zum staatlichen Prinzip werden. Allerdings in einem anderen Sinne, als es die Religionsfreiheit bei uns vorsieht. Nach dem Willen Atatürks sollte der Staat frei von jedwedem Einfluss irgendeiner Religion bleiben. Damit wollte er den Rückfall in eine vormoderne Zeit verhindern.

In den anderen Ländern des Nahen Ostens konnte der Islam als Religion weiterhin die Gesellschaft prägen, weil es dort keine politischen Kräfte gab, die am Gesellschaftssystem etwas ändern wollten.

"Niemand ist nur mehr Zuschauer": Seite 2 des Essays von Pater Ernst-Otto Sloot SCJ über den interreligiösen Dialog

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