Glaubensberatung | Pater Flatau über den tieferen Sinn des Gebets

Wieso lohnt es sich für den Menschen zu beten?

»Jeder hat schon einmal gebetet. Ob aus Dankbarkeit, aus Angst oder voller Hoffnung. Beten scheint so selbstverständlich: Aber was ist dieses ›Beten‹ überhaupt? Was passiert denn da?«

Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben

Kommunikation ist wichtig. Die Mittel dazu wurden in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Eines der ältesten Mittel darf dabei nicht vergessen werden: Beten. In der Bibel, vor allem in den Psalmen, treffen wir auf betende Menschen. Also auf Menschen, die den Alltag in „Absprache“ mit Gott gestalten – weil sie mit ihm kommunizieren!

Diese Kommunikation ist immer Begegnung. In der Bibel finden wir in diesem Punkt eine Spannung. Gott sucht uns: „Adam, wo bist Du?“ Aber auch der Mensch streckt sich nach Gott: „Gott, du mein Gott, dich suche ich, meine Seele dürstet nach dir.“ (Ps 63) „Gebet“ als sprechender Glaube hält diese Beziehung lebendig. Geboren werden wir als Bild Gottes – aber jeder als Original. Jeder hat eine spezielle Berufung von Gott. Und doch fristen viele ihr Leben als „Kopie“. Im Beten finden wir unsere Lebensspur wieder.

Jesus zog sich in die Einsamkeit zurück – um allein mit Gott zu sein. Er wollte die eigene Lebensspur finden. Zugleich gewann er die Kraft, seinem Auftrag bis ans Kreuz zu folgen. Die Jünger erfuhren ihn als großen Beter. Sie wollten an der Begegnung mit Gott teilhaben und baten: „Herr, lehre uns beten!“ Und Jesus lehrte sie das Vater Unser.

Benedikt von Nursia gab als Lebensmotto an: „Bete und arbeite!“ Meist fügt man noch die „geistliche Lesung“ hinzu. Beten und konkretes Leben bilden eine Einheit und strukturieren den Alltag. So finden wir unsere Identität und laufen nicht so schnell Gefahr, fremdbestimmt zu werden.

Beten und konkretes Leben bilden eine Einheit

Wir sind Kinder unserer Eltern. Aber eben auch „Kinder Gottes“. Es ist ein altes Verlangen, diese beiden Wirklichkeiten in Verbindung zu bringen. Dahinter steht das Bemühen, das eigene begrenzte Leben unter den Segen Gottes zu stellen: Das tun wir im Gebet.

Das Gebet entlastet. Denn Gott geht unseren Lebensweg mit und vergewissert sich, ob wir noch da sind: Adam, Eva, wo seid ihr? Auch wir müssen uns vergewissern: „Gott, bist du noch da?“ Das geschieht im Gebet. Beten ist außerdem eine Möglichkeit, unser Leben zu verstehen. Wir suchen nach Orientierung und dem Sinn unseres Daseins. Ein Navigationsgerät braucht zweierlei: Die CD, auf der die Daten sind. Und den Satelliten, der mich orten kann. Menschen, die nicht nach oben sehen, berauben sich dessen, was uns ausmacht. Ein „Navi“ ohne Verbindung nach oben nützt nichts.

Der tiefe Sinn des Betens ist die Sinnsuche. „Glauben dürfen“ und „hoffen können“ – das wird bewusst in der Begegnung mit Christus. Der fragt uns: Warum sucht ihr mich? – Für wen haltet Ihr mich? – Was soll ich dir tun? Lassen wir uns darauf ein, seien wir im Gespräch mit IHM. Jesus führt uns zu Gott. Allerdings laufen wir manchmal Gefahr, beim Beten nur uns selbst zu sehen und reihen eine Bitte an die andere. Natürlich sollen wir bitten. Aber Gott will ohnehin unser Bestes und ist in seiner Fürsorge uns immer schon voraus. Doch lassen wir das Gebet nicht zur Einbahnstraße werden! Nehmen wir auch Gott in den Blick und fragen: Wie geht es dir mit uns? Das Alte Testament verdeutlicht uns diese Sichtweise. Denn da klagt Gott, über die Untreue seines Volkes.

Lassen wir auch Gott zu Wort kommen. Jesus zeigt, dass Gott sich Menschenfreundlichkeit und Menschenwürde zur Aufgabe gemacht hat. Soll diese Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe wirken, brauchen wir das Gebet. Es macht uns bewusst, wer wir sind. Gebet und konkretes Leben gehören zusammen. Dieser Zusammenhang wird gewahrt mit einem Leben im Angesichte Gottes – und das geht nicht ohne Gebet.

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Haben Sie Fragen zu Gott? Probleme mit der Kirche? Zweifel im Glauben? Dann schreiben Sie uns! Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg und seit über 40 Jahren Priester, beantwortet Ihre Fragen:
Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
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