Glaubensberatung | Pater Flatau über Lebensfreude im Alter

Wie kann ich mein Leben im Alter sinnvoll gestalten?

»Immer wieder gibt es erschreckende Berichte über das Leben in Altenheimen. Doch auch für Menschen, die noch nicht auf Hilfe angewiesen sind, stellt sich die Frage: Wie kann man auch im Alter sinnvoll leben? Und wie soll man dieses Leben gestalten?«

Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben

Der Klaviervirtuose Arthur Rubinstein wurde im Alter gefragt, wie er sich seine hohe Leistungsfähigkeit bewahrt habe. Er antwortete mit einem Lebenskonzept für das Alter:

Beschränken: Das Repertoire muss zurückgefahren und bestimmte Stücke ausgewählt werden.
Optimierung: Mehr üben, mehr proben und Hilfsmittel einsetzen.
Kompensation: Wenn man nicht mehr so schnell spielen kann, muss man langsame Stücke wählen oder die schnellen Stellen etwas langsamer und die langsamen etwas schneller spielen.

Beschränken, auswählen und überlegen, was noch möglich und machbar ist: Darin scheint also nach Rubinstein die Kunst zu liegen.

In der FAZ vom 5. März 2008 war zu lesen, dass ein Drittel der über 75-Jährigen an Depression leidet. Sie begehen doppelt so häufig Selbstmord wie Jüngere mit Depression. Gründe für die Depression finden wir bei Männern oft nach der Pensionierung. Diese kann Auslöser einer Krise sein, besonders dann, wenn jemand nur für und in seinem Beruf gelebt hat. Die Ehemänner werden oft eine Belastung für die Ehe und die Frau, wenn sie ohne Arbeit zu Hause „herumhängen“ und nichts Rechtes zu tun haben.

Bei den Frauen kann die Hausarbeit beim Älterwerden zu einer Überforderung werden, besonders dann, wenn sie noch alles so gut und perfekt machen wollen „wie früher“. Sie setzen sich dann oft selber unter Druck: Das ging doch früher und muss doch jetzt auch gehen!

Die Einsamkeit, der Verlust des Partners, von Freunden oder Bekannten, sind zusätzliche Belastungen, die alten Menschen die Lebenslust nehmen. Durch die Konfrontation mit Sterben und Gebrechlichkeit wird die eigene Hinfälligkeit bewusst, es werden Leistungseinbußen wahrgenommen – Krankheiten bleiben nicht aus.

Ein Leben zur Ehre Gottes ist nicht nur in der Phase Leistungsfähigkeit möglich

Was ist zu tun? Als Prävention kann man Folgendes beherzigen:
• Das eigene Alter annehmen. Zu versuchen, das Alter mit seinen guten und schwierigen Seiten mit Humor und Lebensfreude zu tragen. Eigene Grenzen müssen erkannt und akzeptiert werden – und daraus sind die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
• Aufmerksam leben und bewusst Leben gestalten. Wir haben ja Zeit im Alter – genießen und gestalten wir unsere Zeit!
• Dem eigenen Leben eine konkrete Tages- und Wochenstruktur geben. Nicht zu lange im Bett bleiben oder am Fernseher „versumpfen“.
• Wenigstens einmal am Tag Sozialkontakte suchen! Zum Beispiel im Seniorenturnen oder Bibelkreis, im Gottesdienst oder Chor, in einer Wandergruppe.
• Familienkontakte pflegen, den Freundeskreis lebendig halten und in gemeinsamen Unternehmungen neue Dinge entdecken, zu denen man früher nicht gekommen ist.
• Wichtig ist gesunde Ernährung und dazu tägliche Bewegung an der frischen Luft. Unterstützung annehmen und organisieren. Beispielsweise bei Hausarbeiten in der Wohnung. Gegebenenfalls sollte man „Essen auf Rädern“ in Anspruch nehmen.

Eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit scheint mir in konstruktiver Weise besonders im Glauben an die Auferstehung möglich. Hier können sinnvolle Reifungsprozesse angestoßen werden, deren Früchte eine Bereitschaft zum Loslassen, eine Hoffnung und Gelassenheit, aber auch ein bewusstes Genießen des Lebens ermöglichen.

Ein Leben zur Ehre Gottes kann der Mensch nicht nur in der Phase von Leistungsfähigkeit und Produktivität führen, sondern auch dann, wenn er es trotz Gebrechlichkeit mit Zufriedenheit und Lebensfreude gestaltet.

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Haben Sie Fragen zu Gott? Probleme mit der Kirche? Zweifel im Glauben? Dann schreiben Sie uns! Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg und seit über 40 Jahren Priester, beantwortet Ihre Fragen:
Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
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