Spiritualität
Was stimmt nicht in unserem Schulsystem?
»Die Berichte über die Umstände an unseren Schulen sind beunruhigend. Spielen denn Werte und Regeln gar keine Rolle mehr?«

- Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben
Ratlos und verzweifelt haben sich vor einigen Monaten Lehrer und Lehrerinnen in Berlin-Neukölln an die Öffentlichkeit gewandt und deutlich gemacht, was viele im schulischen Bereich bedrückt, deprimiert und krank macht: Gewalt und Verwahrlosung, Bildungsunwilligkeit und Missachtung des Mitmenschen. Immer mehr Schüler werden in die Klassen gestopft, Sozialarbeiter und Schulpsychologen abgezogen. Das Lehrerkollegium muss ohne jüngere Kollegen auskommen.
Die Lehrer treffen auf Schüler und Familien, die zu 90 Prozent einen Migrationshintergrund haben. Aus den zum großen Teil sozial schwachen Familien kommen verwahrloste und bedürftige Kinder. Die soziale Notlage und Bildungsferne vieler Familien heben nicht gerade das Selbstbewusstsein ihrer Kinder. In manchen Familien lebt die zweite und dritte Generation von der Sozialhilfe: Wie soll die Schule das auffangen?
Die Situation wird als brisant und unerträglich bezeichnet. Angestaute hilflose Wut und bittere Empörung werden laut. Fast klingt es wie ein Aufschrei: Wir dürfen es nicht zulassen, dass uns eine ganze Generation verloren geht!
Die Herausforderungen für uns liegen zum Teil auf gesellschaftlichem Gebiet mit einer konsequent durchgeführten Integration in Sprache und Kultur, Vermeidung von Ghettobildung und Isolierung, Förderung der sozial Schwachen in Richtung Lebens und Arbeitsmöglichkeiten.
Schulen müssen sich verstärkt um die Vermittlung von Werten bemühen
Es wird nach pädagogischen Maßnahmen gesucht werden müssen, weil der Schule viel an Integrations- und Bildungsarbeit zufällt. Die Schule wird für die mangelnde Erziehung im Elternhaus als Ersatz dienen. Vor allem werden sich die Pädagogen die Eltern und Schüler mit ins Boot holen müssen. Anschauungsmaterial, was zu tun ist, gibt es in Berlin auch.
Neben den pädagogischen Konzepten und gesellschaftlichen Maßnahmen werden sich die Schulen verstärkt um die Vermittlung von Werten bemühen müssen, weil diese Vermittlung im Elternhaus ausfällt. Eine Verunsicherung und Orientierungslosigkeit der Eltern (und Erzieher) kommt in der obigen Frage zum Ausdruck. Selbst im Parlament wird festgestellt: Wertevermittlung findet hier nur noch auf der Straße statt. Religionsunterricht ist abgesetzt und durch neutralen Ethikunterricht ersetzt worden.
Es braucht aber überzeugte und bekennende Menschen, an denen Kinder und Jugendliche Maß nehmen oder sich auch reiben können. Anschauung, Beispiel und Vorbild sind für den Jugendlichen wichtig. Ethikunterricht bleibt oft im Intellektuellen stecken und fordert nicht zur persönlichen Stellungnahme heraus. Der Senat in Berlin verweigert sich der religiösen Bildung – sowohl der christlichen als auch der islamischen, die als Regelunterricht notwendig wäre.
Im Parlament wurde auch festgestellt: Die Deutschen ziehen aus den Problembezirken weg und melden ihre Kinder in anderen Schulen an. Kirchliche Schulen sind gefragt wie nie. Hier geschieht eine konkrete, engagierte und glaubwürdige Wertevermittlung. Eine Orientierung für das Leben wird aufgezeigt und zugleich auch anschaulich gemacht in den Personen, die sie vertreten. Hier wird die praktische Integration der verschiedenen Kulturen und Sprachen angestrebt und gefördert. Schüleraustausch, Patenschaften, Hilfsaktionen über Ländergrenzen hinweg schaffen gegenseitiges Vertrauen und Verstehen. Hier wird versucht, die christliche Botschaft konkret und universal umzusetzen.
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Haben Sie Fragen zu Gott? Probleme mit der Kirche? Zweifel im Glauben? Dann schreiben Sie uns! Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg und seit über 40 Jahren Priester, beantwortet Ihre Fragen:
Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
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