Spiritualität
Dürfen wir manchmal Menschen sterben lassen?
»Meine Mutter leidet an einer qualvollen, unheilbaren Krankheit. Wir halten die Belastung kaum mehr aus. Wäre es besser, sie sterben zu lassen?«

- Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben
Man spürt an Ihrer Frage, dass Sie unter großem moralischem Druck stehen. Zu unserer Zeit hat die Medizin große Fortschritte gemacht und viele Möglichkeiten entwickelt, mit denen man ein Leben verlängern kann. Aber ist das auch sinnvoll, ethisch und moralisch richtig? Ist es nicht zuletzt überhaupt im Sinne der betroffenen Patientin, alles medizinisch Machbare zur Lebensverlängerung einzusetzen? Die Errungenschaften der modernen Wissenschaften – auch im medizinischen Bereich – können nämlich zu einem „Fluch“ (Martin Luther King) werden, wenn sie automatisch und ohne Blick auf die individuelle Situation eingesetzt werden.
Bei Ihrer Mutter sind sicherlich schon Wochen und Monate mit Bangen und Hoffen, mit Auf und Ab vorausgegangen. Nun geht es nur noch bergab. Fragen Sie sich in dieser Situation: Was wäre der mutmaßliche Wille Ihrer Mutter? Wenn Ihre Mutter bei klarem Bewusstsein wäre, was hätte sie sich in dieser Situation gewünscht? Und fragen Sie sich auch, wem ist letztlich gedient, wenn alles medizinisch Machbare bei einem irreversiblen Krankheitsverlauf eingesetzt wird? Den normalen Sterbeverlauf sollte man nicht mehr künstlich aufhalten. Es geht hier ja nicht um eine „aktive Sterbehilfe“, die vom christlichen Standpunkt her nicht vertretbar ist. Zwar gilt grundsätzlich, Leben zu erhalten, Gesundheit zu schützen und Schmerzen zu lindern. Aber wenn der Sterbeprozess schon eingesetzt hat und keine Aussicht auf Gesundung mehr besteht, dann sollte dieser Prozess des Sterbens nicht mehr mit allen möglichen Mitteln aufgehalten und herausgezögert werden.
Nicht alles medizinisch Machbare ist sinnvoll
und im Sinne des Patienten
Ein eigenverantwortliches Leben in Würde wäre ja nicht mehr möglich. Auch im Sterben soll die menschliche Würde gewahrt bleiben. Es hat aber nichts mit Würde zu tun, einem Sterbenskranken ohne jegliche medizinische Aussicht auf Besserung immer noch weiter mit künstlichen Mitteln am Leben zu erhalten, das er eigenverantwortlich und bewusst nicht mehr gestalten kann. Auch ist in Betracht zu ziehen, dass die Lebensverlängerung eine Leidensverlängerung bedeuten kann. Unsere christliche Einstellung kennt den Glauben an die Auferstehung und damit eine Zuversicht, dass der Tod eine Erlösung von Leid bedeuten kann. Wenn es um die Gesundheit längst nicht mehr geht, gilt es abzuwägen, was Vorrang haben soll: Das Leben erhalten unter allen Umständen und mit allen Mitteln – oder der Kranken ein Sterben in Würde zu lassen und sie darin zu begleiten. In der Diskussion mit Ärzten stellte ich fest, dass sie oftmals erleichtert sind, wenn die Angehörigen „grünes Licht“ geben dafür, auf weitere lebensverlängernde Maßnahmen zu verzichten. Eine Entscheidungshilfe für die Verwandten und für die Ärzte kann eine Patientenverfügung sein, die man bei vollem Bewusstsein ausstellen kann. Hier kann man den eigenen Willen ausdrücklich machen und für sich selbst bestimmen, wie im unheilbaren Krankheitsfall gehandelt werden soll. Eigentlich sollten wir alle früh genug eine solche Patientenverfügung abfassen, damit Verwandte und Ärzte nicht in die Zwickmühle geraten, die Ihre Frage andeutet.
Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Ich erinnere mich an einen Mitbruder, der nach einem Schlaganfall und im Alter von 81 Jahren sich weigerte, die aufgebrauchte Batterie seines Herzschrittmachers zu erneuern. Er hatte bewusst mit seinem Leben abgeschlossen und wollte sein Sterben nicht künstlich aufhalten. Alles Zureden nützte nichts. Er hatte sich entschieden. Sein Herz hörte bald auf zu schlagen. Ohne Schmerzen durfte er hinübergehen. Er tat es in gläubiger Haltung.
Die Kommentare der User von scj.de
von Uli Steffren
am Freitag, 29. Juli 2011
Wie brkomme ich das abgesendet? Habe eine lange e- mail an Paterr Flatau versandt , die wohl nie angekommen ist. Nun, danke, muß wohl alleine dmit vfertig werden.
Uli
von
am Freitag, 29. Juli 2011
Leiber herr Pater Flatau.
und gerade da fängt dasProblem an. Sie genau waren es, der mich vor fast vierzig Jahren impertinent provoziert haben. Vielleicht sollten Sie sic ein wenigh zurücknehmen. Ich weiß so einiges zu berichten. Augen und Ohreren hatteich immer offen. Gene hätte ich aber Ihren Rat, da ich mich vor der Entscheidung sehe, Mousluim zubwerden, oder eben meineim christlichen Glauben treu zu bleiben. Uli Steffen
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Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
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