Spiritualität
Christlich erziehen – wie geht das eigentlich?
»Ganz Deutschland diskutiert über Kinderkrippen und Tagesmütter. Wie und wo kann ich in der heutigen Gesellschaft denn mein Kind nach christlichen Maßstäben richtig erziehen?«

- Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben
In unserer Gesellschaft gibt es eine Vielzahl von Lebensauffassungen und Ideologien, wenn es um die Frage geht: Was ist „richtige Erziehung“? Vor 40 Jahren stand die „antiautoritäre Erziehung“ hoch im Kurs: Man darf dem Kind keine Vorgaben machen. Es muss selbst herausfinden, was richtig ist. Später konnten sich Heranwachsende, die antiautoritär erzogen wurden, nicht integrieren, waren halt- und bindungslos.
In einer anderen Form der Erziehung treten die Eltern als „Kumpel“ ihrer Kinder auf, nicht aber als Erfahrungs- und Autoritätsträger. Die Folge: Die Kinder haben niemanden, mit dem sie sich auseinandersetzen können, an dem sie „sich reiben“ können.
Jetzt gibt es eine Entwicklung, bei der Eltern ihre Verantwortung nicht mehr wahrnehmen oder bewusst abgeben – an Einrichtungen wie Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen – und im schlimmsten Fall an den Fernseher.
Hier ist anzumerken: Die Eltern sind zuerst zuständig für die Erziehung ihrer Kinder. Der Papst unterstreicht das in einem Brief an die Familien: „Die Eltern sind die ersten und hauptsächlichen Erzieher der Kinder und haben in diesem Bereich grundlegende Zuständigkeit.“
Wenn Kinder Zukunft sind,
dann muss in diese Zukunft auch investiert werden
Das Elternrecht und die Bedeutung der Familie müssen berücksichtigt werden. Alle anderen wie Staat, Kindergarten, Schule können nur im Namen der Eltern, auf Grund ihrer Zustimmung tätig werden. Kinder sind zuerst in der Familie anzusiedeln, Fremdbetreuung ist eine Ergänzung. Damit aber Eltern diese Zuständigkeit wahrnehmen können, bedarf es entsprechender Voraussetzungen. Diese müssen Staat, Gesellschaft und Kirche schaffen:
Familien müssen echte Wahlfreiheit bezüglich der Kinderbetreuung erhalten. Mütter sollen wählen können zwischen Berufstätigkeit außerhalb der Familie oder Zuhause. Insbesondere die Arbeit der Mütter, die in dem ersten Lebensjahr des Kindes daheim bleiben, muss anerkannt werden. Wenn gesagt wird „Kinder sind Zukunft“ – dann muss auch in diese Zukunft investiert werden.
Familienarbeit muss endlich sozial und arbeitsrechtlich anerkannt werden. Der Gedanke eines „Erziehungsgehaltes“ ist nicht einfach von der Hand zu weisen. Außerdem muss eine familiengerechte Rentenreform umgesetzt werden. Die Vereinbarkeit von Familienarbeit und Erwerbsarbeit ist eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung. Auch die Väter sind in die Kinderbetreuung einzubeziehen. Denn es ist wichtig, dass Mutter und Vater zusammenwirken, sie haben jeweils einen völlig anderen Zugang zu den Kindern. Besondere Unterstützung muss gewährleistet sein für allein erziehende und berufstätige Mütter. Hier sind unterstützende Einrichtungen notwendig, die im Bedarfsfall Erziehungsaufgaben mit übernehmen. Allerdings sollte ein Kind nicht zu früh und als Regelfall in eine Fremdbetreuung gegeben werden.
Die Interessen der Wirtschaft dürfen keinen Vorrang vor den menschlichen Bedürfnissen des Kindes erhalten. Was in der Erziehung versäumt wird, muss die Gesellschaft oft später unter großem finanziellem Einsatz nachholen. Das Kindeswohl hat Vorrang vor den Erfordernissen des Arbeitsmarktes.
Kinder nur als Kostenfaktor der Gesellschaft wahrzunehmen, ist mit christlichem Wertebewusstsein nicht vereinbar. Letztlich geht es hier um soziale Gerechtigkeit und vor allem um einen Dienst am heranwachsenden Leben. Was hier versäumt wird, ist später nur schwer nachzubessern.
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Haben Sie Fragen zu Gott? Probleme mit der Kirche? Zweifel im Glauben? Dann schreiben Sie uns! Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg und seit über 40 Jahren Priester, beantwortet Ihre Fragen:
Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
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