Glaubensberatung | Pater Flatau über Moscheebauten in Deutschland

Bedrohen Moscheen unseren Glauben?

»In Deutschland werden immer mehr Moscheen gebaut, während Kirchen geschlossen werden. Wie sollen wir damit umgehen?«

Pater Konrad Flatau SCJ beantwortet Fragen zum Glauben

Es ist ein schwieriges Spannungsverhältnis: Hier der Bau von Moscheen, dort die Schließung, Umwidmung oder der Abriss von Kirchen. In den Medienwerden beide Tatsachen meistens leidenschaftlich diskutiert. Vom„Kampf der Kulturen“ ist die Rede. Entstehen hier politische, kulturelle und religiöse Herrschaftsansprüche des Islams? So wird gefragt. Oder: Stimmt die Scharia, das Gesetz des Islams, mit dem deutschen Grundgesetz überein?

Der Streit um die Moschee in Köln hat diese Spannung deutlich gemacht. Es drehte sich dort zuerst einmal alles um die vorgesehene Baugröße: Die Moschee soll bei Großveranstaltungen 2000 Männern Platz bieten. Da in Köln ungefähr 120.000 Muslime leben, wäre die Größe auch absolut angemessen. Und trotzdem: Diese Baugröße macht Angst und bringt nicht nur Probleme für die Logistik bei Großveranstaltungen.

Den Kölner Dom wird die Moschee nicht gerade überragen, aber so manch andere christliche Kirche wird in den Schatten gestellt. Dies gilt nicht nur wegen der baulichen Größe, sondern vor allem wegen den Gottesdienstbesuchern. Die Moschee wird sich bei Veranstaltungen mit großem Zulauf füllen. Die christlichen Kirchen, so können wir es schon länger beobachten, bleiben bei Gottesdiensten dagegen immer leerer, lediglich für kulturelle Veranstaltungen und Konzerte füllen sie sich noch.

Und das macht die Spannung deutlich: Eine ganze Reihe von Kirchen wird umfunktioniert, meist benutzt man sie dann für einen kulturellen Zweck. Oder die Gotteshäuser werden gar abgerissen – Moscheen aber werden neu gebaut. Die Tatsache: Wir als Kirche geben immer mehr Gläubige an profane „Glücksbringer“ ab.

Soziale Integration beginnt nicht mit protzigen Bauten und Machtdemonstration

Der Islam dagegen ist so viel lebendig er und wird als leidenschaftlicher und kompromissloser erfahren. Von den aktuell in Deutschlandlebenden3,4 Millionen Muslime gehen mehr als 600.000 jeden Freitag in die Moschee, an hohen muslimischen Festtagen sind es mehr als eine Million.

Kardinal Lehmann hat zu dem Thema „Umwidmung und Abriss von Kirchen– Problem oder Lösung?“ sachlich Stellung genommen: Einen „Ausverkauf“ der Kirchen werde es nicht geben. Vor allem in der Nachkriegszeithabe ein regelrechter Bauboom bei Kirchen dazu geführt, dass in einigen Bistümern mehr als die Hälfte der Kirchen in kurzer Zeit entstand. Doch mittlerweile sinke das Kirchensteueraufkommen und viele Städte – und damit auch die Kirchengemeinden– schrumpfen. Folglich könnte bis 2015 etwa 700 Kirchen der Verkauf oder Abriss drohen.

Aber noch einmal: Wie sollen wir mit der Spannung umgehen – hier neue und große Moscheen, dort Umwidmung und Schließung von Kirchen?

Zuerst wird man sachgerecht und genau hinschauen müssen, sowie Kardinal Lehmann es anstößt und zu bedenken gibt. Allerdings sollten wir Christen auch bedenken: Die Kirche ist die geistliche Mitte eines Ortes. Mit ihrer Schließung stirbt ein Stück Kirche.

Soziale Integration beginnt nicht mit protzigen Bauten und mit Machtdemonstration. Soziale Eingliederung beginnt unauffällig, beginnt im Alltag, im alltäglichen Miteinander. Es beginnt vor allem in der gegenseitigen Anerkennung und Achtung der kulturellen Unterschiede und der Personen. Die Anerkennung des Grundgesetzes ist unerlässlich, und damit freie Religionsausübung, Rechte der Frau, Verzicht auf Gewalt.

Wenn hier in Deutschland Freiheit zum Bau von Moscheen und freie Religionsausübung gefordert werden, müsste das in muslimischen Ländern für das Christentum auch gelten. Und so gilt: Freiheit hier, aber auch Freiheit dort!

Die Kommentare der User von scj.de


Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!

von andreas

am Freitag, 19. Juni 2009

Guten Tag, was kann ein Gebäude denn für einen Schaden anrichten? Wenn dann tatsächlich auch so viele Menschen dort zu Gebet erscheinen, das wäre doch schön. Allerdings sollten die Ansprachen, die über die Lithurgie hinausgegen, grundsätzlich auf Deutsch gehalten werden.
Ich finde es etwas kleinherzig, Furcht oder Ablehnung vor einem solchen Bauvorhaben zu zeigen. Vielmehr sollte wir uns überlegen, was in der Kirche zu tun ist, dass wieder mehr Menschen an den Gottesdiensten teilnehmen.
Mit freundlichem Gruss
Andreas

 
 

Eigenen Kommentar schreiben:

 
(* Pflichtfeld)

Haben Sie Fragen zu Gott? Probleme mit der Kirche? Zweifel im Glauben? Dann schreiben Sie uns! Pater Konrad Flatau SCJ, Rektor des Herz-Jesu-Klosters in Freiburg und seit über 40 Jahren Priester, beantwortet Ihre Fragen:
Pater Konrad Flatau SCJ, Herz-Jesu-Kloster Freiburg, Okenstraße 17, 79108 Freiburg
Oder schreiben Sie ihm eine E-Mail

Inzestskandal von Amstetten

Kann es Gnade für den Blutschänder geben?

Lebensfreude im Alter

Wie kann ich mein Leben im Alter sinnvoll gestalten?

Passive Sterbehilfe

Dürfen wir manchmal Menschen sterben lassen?

Christlich erziehen

Wie geht das eigentlich?

Alle Fragen, alle Antworten

Die Glaubensberatung von Pater Flatau im Überblick