Donnerstag, der 17. Mai 2012

SCJ am Sonntag, den 05.06.2011 | Übungstage mit Pater Gerhard Valerius SCJ

Rhythmus-Atem-Bewegung: „Eine andere Art zu leben“

Exerzitien, Meditationstage oder Yoga kennen viele Leute. Pater Gerhard Valerius SCJ bietet im Ordenshaus der Herz-Jesu-Priester in Oberhausen monatlich Übungstage für Rhythmus-Atem-Bewegung an. Voraussetzung dafür ist ein absolvierter Grundkurs. Die Aufbaukurse leiten er und eine externe Kollegin im Wechsel. Auch am vergangenen Samstag fand wieder ein Übungstag statt.

Sie liegen auf einer Matte am Boden. Die Augen sind geschlossen. Eine ruhige, angenehme Stimme erhallt im Raum: „Das Bein…“. Wieder wird es ruhig. Jetzt gibt Pater Valerius den Meditierenden ein halbrundes Holz, das sie sich unter den Nacken legen. Einfühlsam bewegen sie den Nacken wenige Zentimeter zweimal zu jeder Seite und zurück. Seit mehr als zehn Jahren praktiziert der Herz-Jesu-Priester bereits diese Art der Meditation. Sie geht auf die Übungsweise von Hannelore Scharing zurück und wurde früher „Scharing-Eutonie genannt. Nicht jeder darf die Kurse geben, die obligatorische Voraussetzung für die monatlichen Übungstage sind. Pater Valerius hat dafür eine Ausbildung absolviert, die vier Jahre dauerte und eine schriftliche Abschlussarbeit beinhaltete. „Ich habe schon für mich 20 Jahre zuvor Übungen nach diesem Prinzip praktiziert. Ich wollte dies nun an andere Menschen verantwortlich weitergeben und daher habe ich mich für diese Ausbildung entschieden“.

Sieben Prinzipien

In den Kursen üben die Teilnehmer in fünf Tagen sieben Schritte, die die „Sieben Prinzipien“ heißen. Das erste Prinzip besteht darin, Kontakt zu fühlen zum „Nächstmöglichen“. Das bedeutet, dass man den Kontakt zu einem Stuhl, der Kleidung oder dem Boden sucht. „Meistens fühlt man am Anfang den Boden, da wir sehr viel im Liegen absolvieren“, so P. Valerius. Der zweite Schritt zielt dann auf den „erweiterten Kontakt“ ab. Der Teilnehmer kann mit den Füßen über sich hinausfühlen. „Im Prinzip geht es darum, zu sich zu kommen und den ganzen Leib zu ordnen. Nach und nach erlangen die Teilnehmer auch Knochenbewusstsein. Es ist aber kein autogenes Training, da wir nicht ansagen, mit welchem Bein wir fühlen.“, erklärt der Exerzitienmeister aus Oberhausen.

Die vorletzte Stufe ist ein Üben mit „Erhöhtem Widerstand“. Die Teilnehmer stehen zum Beispiel auf einem Holzstamm, legen sich Bambusstäbe unter den Rücken, oder auch Tennisbälle unter das Kreuzbein. Dabei können sie sich auch bewegen, oder einfach fühlen. „Man soll sich aber auf keinen Fall fixieren, sondern es einfach geschehen lassen. Das Gefühl entwickelt sich dann nach ein paar Übungen schon.“

Im Laufe der weiteren Übungen spüren schließlich die Teilnehmer selbst, wann und welches Körperteil üben soll. Das ergibt sich, da das Körperbewusstsein wächst“. Dieses Prinzip heißt „Üben, was sein soll“.

„Es ist eine andere Art zu leben“

Das Ziel der Kurse und der Übungstage beschränkt sich nicht auf die Zeit der Meditation, sondern verändert die ganze Lebensweise. „Es ist eine andere Art zu leben. Man kommt zu sich, um bei sich zu sein, und dann wieder aus sich herausgehen und auf Andere zugehen zu können, ohne außer sich zu geraten. Sonst ist es wieder schwer, wieder zu sich zu kommen. Ich habe beobachtet, dass sich Menschen mit dieser Einstellung sogar in der Partnerschaft anders verhalten und ihren Partner wieder entgegenkommen und mit ihm anders umgehen“, schildert P. Valerius. Eine regelmäßige Anwendung der Übungsweise ist ratsam, aber sie ist vor allem überall und fast immer möglich. „Man kann zum Beispiel an der Kasse beim Einkaufen den Boden spüren und nicht hin und her tänzeln. Aber das ergibt sich auch“, erzählt der Herz-Jesu-Priester.

„Lassen und Zulassen“

Die am stärksten vertretende Altersgruppe sind Männer und Frauen im mittleren Alter. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. „Wir haben auch immer wieder mal Leute mit Behinderungen oder Amputationen dabei. Aber gerade diese Menschen sollen die Körperteile, die nicht mehr da sind, weiter fühlen und üben. Schmerzen entstehen nämlich dann, wenn die entsprechenden Gehirnzellen abgebaut werden, daher sollte man auch diese Körperteile weiter üben. So verschwinden auch Spannungen, die sogenannten „Phantomschmerzen“. Das ist ja eine Sache des Gehirns“.

Auch bei den „Ignatianischen Exerzitien“, die Pater Valerius begleitet, bietet er RAB-Übungen an, um den Exerzitanten zu helfen, früher und besser anzukommen. Sie sind dann besser bei sich. Sie lassen mehr zu. Wichtig ist eben: lassen und zulassen“.

Matthias Biallowons

 

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Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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