Donnerstag, der 17. Mai 2012

SCJ am Sonntag, den 22.05.2011 | Interview mit Pater Lau SCJ

Ewige Gelübde: Vorbereitung in Indonesien

Immer wieder hört man von erheblichen Nachwuchsproblemen bei den europäischen Orden. Auch den Herz-Jesu-Priester aus der deutschen Provinz ist dieses Problem bekannt. Doch auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien besteht dieses Problem weniger. Pater Heinz Lau SCJ durfte in den vergangenen Wochen gleich 14 junge Studenten und Mitbrüder aus Asien in Yogyakarta in Indonesien auf die ewigen Gelübde vorbereiten. Der Novizenmeister aus Neustadt spricht über ein lebendiges, junges Land, dem Verhältnis zwischen Christen und Muslime und der Herz-Jesu-Spiritualität.

Pater Lau, Sie waren in den vergangenen Wochen in Indonesien. Was war ihr Grund für den Aufenthalt?

Ich sollte die jungen Studenten und Mitbrüder aus dem asiatischen Raum auf die ewigen Gelübde vorbereiten. Meine Hauptaufgabe lag dabei in der Vermittlung unserer Spiritualität. Insgesamt waren es 14 Novizen. Drei aus Vietnam, zwei aus Indien, einer von den Philippinen und 8 indonesische Mitbrüder.

Sind 14 im Vergleich zur Situation in Europa nicht enorm viele?

Da haben Sie recht. Im Vergleich zu Europa ist das eine sehr große Zahl. Alle europäischen Provinzen haben zusammen nicht annähernd so viele Novizen. Aber für Asien ist das nicht außergewöhnlich. Wir hatten auch schon viel mehr. Dabei sind wir Herz-Jesu-Priester in nur vier Ländern in ganz Asien vertreten - Indonesien, Indien, Vietnam und auf den Philippinen.

Was bedeutet denn „Vorbereitung“ überhaupt?

Die jungen Leute sollen während der Ausbildung immer vier Wochen zusammen kommen und auf die ewigen Gelübde vorbereitet werden. Das bedeutet, dass sie in der ersten Woche Vorträge über die Herz-Jesu-Spiritualität hören, in der zweiten etwas über Pastoral erfahren, dann stehen die Gelübde im Mittelpunkt und zum Schluss werden noch Exerzitien gemacht. Zwischendrin wird Eucharistie gefeiert und zusammen gebetet.

Sie nennen die Herz-Jesu-Spiritualität „eine Einheit von Mystik und Politik“. Was meinen Sie damit?

Im Zentrum unserer Spiritualität soll ein tiefes, lebendiges Christusverständnis mit der Weltpolitik verbunden werden. Es muss neben der Frömmigkeit auch ein starkes und hellwaches Interesse an sozialen und politischen Problemen bestehen. Unsere Frömmigkeit bestimmt den Blick auf die Welt und unser Engagement hat wiederum Auswirkungen auf unsere Frömmigkeit. Beides muss ineinander greifen. Daher ging auch einer meiner Vorträge über Caritas und Sozialpolitik am Beispiel des barmherzigen Samariters.

88 % der Indonesier sind doch Muslime. Gibt es da nicht extreme Spannungen zwischen beiden Glaubensrichtungen?

Ich glaube sogar, dass es noch mehr sind. Die Christen sind mit ihren zwei Prozent eine absolute Minderheit. Dennoch sind sie extrem präsent. Besonders durch die Arbeit in Krankenhäusern und mit ihren vielen Schulen. In der Vergangenheit und auch jetzt noch, gab es immer wieder große Spannungen, aber in letzter Zeit scheint es immer besser zu werden. Der Bischof aus Yogyakarta zum Beispiel öffnet an Weihnachten allen Muslimen sein Haus, oder auch während des Ramadan lädt er die geistlichen Führer zum Fastenbrechen in sein Haus ein. Sobald es Konflikte gibt, sucht er den Dialog mit dem Imam, um Gewalt zu verhindern.

Gab es denn schon gewalttätige Auseinandersetzungen?

Ja, das ist bereits vorgekommen. Die Kirche unseres Provinzialats zum Beispiel haben Muslime in Brand gesteckt.

Hilft dann der Versuch der Bischöfe zum Dialog gar nichts?

Doch ganz im Gegenteil. Jetzt helfen die Muslims beim Wiederaufbau mit und schützen die Kirche. Der Bischof von Yogyakarta war sehr angetan. Das hat mich sehr beeindruckt. Es geht eben wenn man einander respektiert und den Dialog sucht.

Sehen Sie eine positive Entwicklung in der Präsenz der Herz-Jesu-Priester in Asien?

Ja auf jeden Fall. Wir sind ja schon seit 1924 in Indonesien und inzwischen gehört das Land bestimmt zu einer unserer größten Provinzen weltweit. Wir haben sehr viele Mitbrüder dort. Früher haben wir das Christentum nach Indonesien gebracht, jetzt gibt es so viele Priester, dass unsere Ordenspriester in das Ausland geschickt werden können. Außerdem haben wir mitten im Urwald eine weitere Mission aufgemacht. Aber die größte Entwicklung haben wir im Bildungsbereich erreicht. Wir sind inzwischen so weit, dass wir zusammen mit einer Schwestergemeinschaft 3 Fakultäten gegründet haben und noch mehr für eine eigene Universität aufbauen wollen. Auch die Leitung vieler Schulen liegt bei den Herz-Jesu-Priestern.

Kommen wir auf die Vorbereitung der Mitbrüder zurück: Gab es denn neben den Vorträgen auch andere gemeinsame Aktivitäten?

Selbstverständlich haben wir auch das Land und die Kultur kennengelernt. Besonders beeindruckend, aber vor allem auch sehr erschütternd war es, die schrecklichen Zerstörungen des letzten Vulkanausbruchs zu sehen. Wir sind danach zusammen zu einem Marienheiligtum im Urwald gefahren und haben gemeinsam sehr lange schweigend gebetet.

Eine Frage noch zum Schluss: Wie können die Herz-Jesu-Priester der deutschen Provinz ihren Teil bei der Entwicklung in Indonesien beitragen?

Wir haben bereits einen sehr großen Geldbetrag gespendet und werden weiterhin unsere finanzielle Hilfe anbieten. Eine andere Möglichkeit haben wir nicht, weil wir einfach zu wenige eigene Priester haben, um sie ins Ausland schicken zu können. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Ausbildung der jungen Leute. Ich hoffe, dass mein Besuch manche indonesische Brüder zu einem Aufenthalt in Deutschland angeregt hat. Ich bin da guter Dinge. Ich bleibe auf jeden Fall mit allen in Kontakt.

Interview: Matthias Biallowons

 

 

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Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

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+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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