Donnerstag, der 17. Mai 2012
Fortbildungen der Pallottiner – „Der Mensch lernt niemals aus“
Selbst nach Postulat, Noviziat, Priesterweihe und ewiger Profess können Ordensleute immer noch Neues dazulernen. Denn die Erfahrung zeigt, dass gerade tiefgreifende theologische und pastorale Fragestellungen, aber auch Sinnkrisen oft erst nach einer längeren Zeit der Priesterarbeit auftauchen. – Die Pallottiner aus Friedberg bieten Fortbildungskurse für Priester aus verschiedenen Ordensgemeinschaften an. Auch Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ hat in den vergangenen Wochen und Jahren an solchen Kursen teilgenommen. Der Leiter der Schulpastoral in Handrup spricht über die Arbeit der Pallottiner, dem Nutzen für seine Tätigkeit und der „formatio permanens“.

Pater Levi, Sie leben seit 2003 in Deutschland und arbeiten seit 2006 als Schulpastoral in Handrup. Warum sind Sie so weit bis nach Friedberg in Bayern gereist, um an den Kursen teilzunehmen?
Dafür gibt es einen einfachen Grund. Die Pallottiner in Friedberg haben die beste Qualität, was die Referenten und Professoren angeht. Es gibt dieses Angebot auch woanders in Deutschland, aber den Fortbildungsangeboten in Friedberg sagt man die beste Qualität nach. Das kommt von ihrer Zusammenarbeit mit ihrer Hochschule in Vallendar. Hier können sich sowohl junge als auch erfahrenere Priester weiterbilden lassen.
Was wird den Teilnehmern während dieser Kurse beigebracht?
Das Ziel der Fortbildungskurse ist die theologische Kompetenz von jungen Priestern zu verbessern und unsere Spiritualität zu vertiefen.
Wer kann das Angebot der Fortbildung in Anspruch nehmen?
Nach der Diakonenweihe gibt es eine erste Einführung und dann arbeiten die Teilnehmer meist in einer Gemeinde im Raum Augsburg. Während dieser Zeit werden sie von den Pallottinern in Friedberg begleitet.
Nun kommen Sie aber aus Handrup und leiten keine Gemeinde.
Das ist richtig. Wir haben ausgemacht, dass ich weiterhin in der Schulpastoral in Handrup tätig bin und in Handrup die Gemeinden unterstütze. Ich fahre dann immer bis nach Friedberg.
Seit wann reisen Sie schon nach Friedberg?
Ich habe mit den Kursen 2004 begonnen, musste aber ein Jahr später pausieren, da ich in Rom war. Somit habe ich nun ein Jahr hinten angehängt und habe jetzt meinen letzten Kurs gemacht. Ich muss nur noch im August die Abschlussprüfung bestehen.

- Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ
Welche Themen werden in Friedberg angesprochen?
Wir behandeln unterschiedlichste Themen angefangen von Dingen aus der Familienpastoral, wie den Umgang mit geschiedenen Paaren, bis hin zur Gemeindekatechese. Wir hören Vorträge, arbeiten in Gruppen und diskutieren im Plenum. Wir lernen diese Situationen richtig wahrzunehmen und mit ihnen richtig umzugehen.
Wie laufen die Veranstaltungen normalerweise ab?
Es gibt viele Vorträge, aber auch Gruppenarbeiten. Am letzten Tag bekommen wir noch eine Aufgabe mit nach Hause. Wir müssen eine Aufgabenstellung auswählen und diese dann daheim bearbeiten. Es ist schon mit einem gewissen Aufwand verbunden, aber es lohnt sich, da wir viel lernen.
Eine bestimmte Ordenszugehörigkeit spielt aber keine Rolle?
Es kommen Priester aus ganz Deutschland aus unterschiedlichen Ordensgemeinschaften, die ihre Priester noch besser ausbilden wollen, zusammen. So zum Beispiel Ordensmitglieder der Franziskaner, Vinzentiner oder auch von uns Herz-Jesu-Priester. Darunter dieses Mal sechs Ordensleute aus dem Ausland, wie Kamerun, Brasilien und Indien.
Wem würden Sie die Kurse empfehlen?
Ich kann das besonders ausländischen Mitbrüdern empfehlen, da wir viel über die die Kultur, Mentalität und die Theologie in Deutschland lernen. Während wir in Brasilien mehr praxisorientiert sind, ist man in Deutschland etwas mehr mit dem Studium beschäftigt. Beides ist enorm wichtig und eine Kombination aus Theorie und Praxis ist notwendig. Wir können in Friedberg viel an der Erfahrung der Priester teilhaben und davon lerne

Können Sie das für Ihre Arbeit in der Schulpastoral nutzen?
Selbstverständlich. Ich erfahre viel über den Umgang mit Jugendlichen, insbesondere über eine angemessene jugendliche Sprache. Besonders hat mir die Beschäftigung mit der Liturgie gefallen und weitergeholfen. Ich setzte das auch in den Gottesdiensten in Handrup konkret um. Aber auch für die Besinnungstage, die ich in Handrup immer wieder gebe, hilft mir die Erfahrung aus Friedberg.
Sie sind nun seit sieben Jahren in Handrup. Demnach ist Fortbildung also auch für Priester mit mehr Erfahrung wichtig?
Das ist richtig. Man weiß niemals alles, man muss sich immer fortbilden. Ich kann das jedem empfehlen, auch Priestern, die schon lange in Gemeinden tätig sind. Manche Priester oder Mitbrüder glauben, dass sie das nicht mehr brauchen. Aber das reicht nicht aus.
Daher nennen die Pallottiner in Friedberg diese Ausbildung auch „formatio permanens“. Eine permanente Fortbildung?
Ja, genau. Man lernt eben niemals aus.
Vielen Dank P. Levi und viel Glück bei der Abschlussprüfung!
Matthias Biallowons
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