Donnerstag, der 17. Mai 2012
„Wo Freiheit wächst, da wirkt Gott“!
Am Freitag, den 27.05.2011, fanden sich über 50 Teilnehmer im ökumenischen Kirchenzentrum von Oberhausen ein, um sich dem Thema „Sprache und Inhalt des Glaubens heute“ zu widmen. Die beiden Buchautoren Melanie Wolfers und Andreas Knapp stellten ihr neues gemeinsames Werk vor, das diesem Thema nachging. Pater Stefan Tertünte SCJ war Initiator und Teilnehmer der Veranstaltung.

- Foto: Privat
Schon vor zwei Jahren hatte P. Stefan Tertünte SCJ mit Andreas Knapp zusammen eine Lesung über geistliche Lyrik organisiert. Nach der Fertigstellung seines neuen Buches „Glaube der nach Freiheit schmeckt“ zusammen mit Melanie Wolfers trat Knapp erneut an den Herz-Jesu-Priester heran, um eine neue Lesung in Oberhausen ins Leben zu rufen. Entstanden ist das Buch während eines einwöchigen Aufenthaltes in Tirol, bei dem die beiden Ordensangehörigen täglich diskutiert haben, wie Glauben inhaltlich und sprachlich heute gut gegründet sein kann.
Da P. Tertünte SCJ als Mitarbeiter im ökumenischen Kirchenzentrum tätig ist, konnte er schnell zusagen und so trafen sich am Freitagabend knapp 60 Leute zwischen 25 und 80 Jahren, um sich das neue Buch präsentieren zu lassen, aber auch, um mit den Autoren über das Thema zu diskutieren. „Eigentlich war es keine kontroverse Diskussion, sondern es gab eher einige Nachfragen und Bestätigungen“, erzählt P. Tertünte SCJ. Damit die zweieinhalb stündige Lesung nicht zu langatmig wurde, war sie gerahmt von einer Musikbegleitung. Markus Kaiser aus Oberhausen begleitete mit seiner Gitarre die Veranstaltung und gab so „der ganzen Sache einen harmonischen Rahmen und die nötige Abwechslung“.
„Außerdem konnte man dann das gehörte auch vernünftig verdauen und überdenken“, fand P. Tertünte SCJ. Dem eigentlichen Thema, nämlich welcher Glaube für Menschen heute sprachlich und inhaltlich noch „tragfähig“ ist, näherten sich die Autoren über die Auseinandersetzung mit Religionskritikern und der Frage nach der Freiheit im Glauben an. „Sehr gut dabei war, dass Andreas Knapp und Melanie Wolfers auch eine moderne und erfrischende Sprache hatten. Dennoch war es ein Abend zum Nachdenken und Nachfragen“, so der Herz-Jesu-Priester.
Den Leitgedanken der Freiheit im Glauben brachten die beiden Autoren mit einem Blick auf die Versuchungsgeschichte Jesu in der Bibel den Zuhörern nahe. Sie übertrugen die drei Versuchungen durch den Teufel, denen Jesus widerstand, auf heutige Lebensbereiche. Dazu formulierten sie drei Fragen: „Wann habe ich genug, wann gelte ich genug und wann werde ich genug geliebt“?
So wollten der Ordensbruder und die Ordensschwester am Beispiel Jesu zeigen, dass man sich der Zuneigung Gottes sicher sein kann und sein Streben in ganz andere Richtungen lenken könnte. Die Reaktion Jesu, soll dem Menschen zeigen, dass er sich in seiner Freiheit, die ihm von Gott im Exodus geschenkt wurde, auch für einen anderen Weg entgegen der Versuchungen, entscheiden kann. „Wir haben jetzt zwar keine konkreten Antworten diskutiert, welchen Dingen man widerstehen soll, aber vielleicht könnten ja die beiden Biografien der Autoren schon eine Antwort sein“, meint P. Tertünte - Beide haben den Weg in einen Orden eingeschlagen.
Ein weiteres heikles Thema war die Frage nach dem „Jüngsten Gericht“. Mit einem originellen Einstieg aus dem Leben führten die Autoren ihre Zuhörer in diese Fragestellung ein. Mit einem aktuellen Beispiel aus der USA brachten sie die Frage nach der Gerechtigkeit im Diesseits und schließlich vor Gott schnell auf den Punkt. Sie erzählten eine Geschichte von einem verurteilten Häftling, dessen Schuld sehr umstritten war und der ihr Buch gelesen hatte.
„Er habe sich nach der Lektüre über das Jüngste Gericht besser gefühlt und mit dem Gedanken getröstet, dass es eine Gerechtigkeit vor Gott gibt und die Gerechtigkeit des Menschen nicht das letzte Wort ist“, erzählt P. Tertünte SCJ. Wichtig war ihnen außerdem im Blick auf das Urteil Gottes über den Menschen, dass er vor Gott nicht an Anderen gemessen wird, sondern wie in der Geschichte des Rabbis Sussja muss man sich nicht fragen: "Bin ich Mose gewesen?“, sondern man muss sich fragen: "Bin ich Sussja gewesen?". Gott hat uns die Freiheit dazu gegeben.
Matthias Biallowons
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