Donnerstag, der 17. Mai 2012

SCJ am Sonntag, den 12. September 2010 | Das Dehon-Haus in Oberhausen feiert fünften Geburtstag

„Alle Erwartungen übertroffen!“

Das Dehon-Haus in Oberhausen feiert fünften Geburtstag. Die Patres Ernst-Otto Sloot SCJ, Stefan Tertünte SCJ und Gerhard Valerius SCJ haben im Gespräch mit unserer Ordenszeitschrift „Dein Reich komme“ Bilanz gezogen

?: Vor genau fünf Jahren startete das Projekt Dehon-Haus Oberhausen. Wie ist Ihr Fazit?

Pater Stefan Tertünte SCJ: Es ist ein Glück für mich, dass dieses Projekt möglich ist, weil sehr Vieles gut zusammenpasst: Kommunität, Arbeit, Lebensumfeld, Lebensweise.

Pater Gerhard Valerius SCJ: Alle Erwartungen übertroffen! Was will ich mehr, als wenn zwei Mitbrüder, die zwanzig Jahre jünger sind, mich dabeihaben wollen? Das ist das Beste, was einem „Rentner“ passieren kann.

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ: Genau so habe ich mir ein zeitgemäßes Ordensleben vorgestellt. Wir führen ein sehr intensives geistliches Leben und haben eine Wirkung nach außen, die ich so noch nicht erlebt habe.

?: Wie kamen Sie nach Oberhausen?

P. Tertünte: Der damalige Bischof von Essen, Felix Genn, fragte uns, ob wir nicht ins Ruhrgebiet kommen wollten. Zuerst wurde uns ein großes Kloster, aus dem gerade die Kapuziner ausgezogen waren, mit einer großen Pfarrei angeboten. Da haben wir gesagt: Wir würden zwar gerne kommen, aber das ist es nicht. Das Bistum bot uns dann ein ehemaliges Pfarrhaus zur Miete und drei spannende Arbeitsgebiete an. Von da an gab es eine positive Aufnahme nach der anderen, und Viele haben uns signalisiert: Schön, dass ihr da seid. Das ist uns viel wert.

?: Das Projekt war zu Beginn umstritten. Was waren die Hauptbedenken?

P. Sloot: In den Häusern dachten offenbar viele, sie würden durch das Dehon-Haus personell geschwächt, weil Kräfte abgezogen werden würden. Die Befürworter sagten dagegen: Wenn wir als Orden weiterexistieren wollen, dann brauchen wir wieder etwas, das in der Stadt stattfindet, und wir brauchen eine neue Art von Kommunitätsleben.

?: Sie haben einmal gesagt, Sie wollen in Oberhausen intensiver und verbindlicher leben. Was heißt das?

P. Tertünte: Wir haben nicht den üblichen Gebetsrahmen, in dem wir morgens, mittags und abends zum Gebet zusammenkommen. Wir haben geschaut, was uns wirklich in einer geistlichen Gemeinschaft hält, dass wir ehrlich sagen können: Das ist Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Morgens beginnen wir gemeinsam mit einer stillen Betrachtung. Wir haben einmal in der Woche Bibel teilen und eucharistische Anbetung. Wir feiern freitagabends den Kommunitätsgottesdienst, als Leben teilen – Bibel teilen – Brot teilen. Die anderen Eucharistien der Woche feiern wir in und mit der Gemeinde, in der wir alle drei Subsidiare sind. Immer wieder haben wir eine Recollectio und dreimal im Jahr eine Supervision.

?: Haben Sie manchmal das Gefühl, Sie seien Pioniere und leisten etwas Wichtiges für die Kongregation?

P. Valerius: Überhaupt nicht. Was wir hier machen, finde ich noch nicht einmal besonders originell. Es kommt mir so vor, als würden wir das fortführen, was ich damals im Studienhaus Freiburg Positives erlebt habe – als Student und später als Novizenmeister. Das waren die besten Zeiten in meinem Ordensleben.

?: Warum haben Sie sich persönlich für dieses Projekt entschieden?

P. Sloot: Ich war mit der Art Ordensleben, wie ich es geführt habe, höchst unzufrieden. Das Gebetsleben hatte damit, wie ich es mir vorstelle, auch nicht viel zu tun. Das ging überhaupt nicht auf mich ein. In der Kommunitätsmesse morgens um halb sieben wurden viele Worte gemacht, aber als Lehrer musste ich den ganzen Tag auch viele Worte machen. Mir ist morgens nach Stille. Da war für mich klar: Ich muss hier weg. Weil ich eine Großstadt brauche. Und ein kulturell anderes Angebot, das mich stimuliert und mir für meine Arbeit Impulse gibt. 

P. Valerius: Bei mir sind durch die Begleitung von Exerzitien im Alltag Gruppen entstanden, mit denen ich mein geistliches Leben geführt habe – nicht mit den Mitbrüdern. Jetzt führe ich hier in der Kommunität mein geistliches Leben, von dem außerhalb andere profitieren können.

P. Tertünte: Für mich war die Palette an Facetten, die unser Ordensleben hat, zu eng. Eine andere Art Ordensleben musste noch dazu kommen. Die ging eindeutig in Richtung Großstadt, einer kleineren Kommunität und einer anderen Art von Anwesenheit, die nicht das Gewicht eines großen Werkes braucht, um wirksam zu sein. Das führt hier zu viel Freiheit und Verbindlichkeit. Ich habe noch nie so viel Freiheit gehabt wie in dieser Zeit. Diese Freiheit ist aber keine Willkür, sondern eine Freiheit, die normalerweise nicht weg voneinander führt. Und wenn, dann ist ein Weckruf angesagt.

?: Welche Weckrufe waren das?

P. Valerius: Der erste kam von mir, als ich mich nach etwas mehr als zwei Jahren für versetzungsbereit erklärt habe. Ich sagte, wir in Oberhausen liefern nur neu den Beweis dafür, was alle, die in der Pastoral sind, immer schon gesagt haben: Ordensleben und Pastoral sind nicht vereinbar. Nur bei der Hälfte der Freitagabendmessen waren wir zu dritt. Bei der Anbetung hat man ab und an einen Anstandsbesuch von zehn Minuten gemacht. Die gemeinsamen Mahlzeiten haben nicht mehr geklappt. Mein Weckruf führte zu einem Umdenken. Seitdem sind wir ganz anders hinterher, weil wir gemerkt haben, dass alles auseinanderdriftet.

?: Was haben Sie sich damals gedacht, Pater Tertünte und Pater Sloot?

P. Tertünte: Wenn man darauf aufmerksam gemacht wird, dass der gemeinsame Weg uns nicht zusammenhält, ist das heftig. Dann kommen die üblichen Abwehrmechanismen. Deswegen war es erst auch nicht leicht, 
damit umzugehen. Bis die Einsicht 
gewachsen ist, dass wir uns zusammenraufen müssen.

P. Sloot: Ich habe gedacht: Habe ich meinen eigenen Traum mit Füßen getreten? Ich habe nachgerechnet, was mein Anteil war. Durch die vielen Anfragen von außen hat man ja immer mit einer guten Begründung gefehlt. Wenn man aber zu dritt ist und jeder nachvollziehbare Entschuldigungen hat, ist von 52 Wochen im Jahr ruck-zuck die Hälfte weg. Die Supervision hat uns wieder auf einen guten Weg geführt.

?: Wie haben Sie das gemeinschaftliche Leben im Alltag organisiert? Wer macht den Haushalt? Und wer den Garten?

P. Sloot: Darüber haben wir heftig diskutiert. Da unsere Arbeit entlohnt wird, haben wir für Putzen, Waschen und Kochen zwei Frauen gefunden …

P. Valerius:  … die eine war mit 50 
arbeitslos. Die zweite brauchte einen 400-Euro-Job zu ihrem halben Gehalt dazu. Was für ein Segen!

?: Wie haben Sie Ihre Arbeit gefunden?

P. Valerius: Ich mache das, was ich immer gemacht habe: Exerzitien, geistliche Begleitung, Meditation, Rhythmus-Atem-Bewegung. Damit kann ich überall anfangen.

P. Sloot: Schule ist etwas, das ich gut kann. Ich habe ein Charisma, insbesondere auch mit schwierigen Kindern umzugehen. Da war es für mich reizvoll, an die Berufsschule zu wechseln. Die Diözese hat einen Vertrag für das Berufskolleg ausgehandelt, wo ich jetzt arbeite. Da merke ich, da bin ich an der richtigen Adresse!

P. Tertünte: Auf meiner Liste stand schon vorher das Stichwort City-Pastoral. Ich wurde dann gefragt, ob ich nicht im Kirchenzentrum im Centro tätig sein wolle. Das ist fast unvorstellbar, dass das so gepasst hat.

?: Welche Qualitäten muss ein Mitbruder haben, um hier mit Ihnen sinnvoll und segensreich wirken zu können?

P. Valerius: Neuen legen wir Fragen vor, die wir uns in der Planungsphase selbst gestellt haben: Was sagen mir Leo Dehon und dehonianische Spiritualität? Was für ein Gemeinschaftsleben und welche Art von politisch 
orientiertem Apostolat möchte ich? Welche Rolle sollen Dehonianer in der Gesellschaft heute spielen? Und: Was kann ich realistisch einbringen?

P. Tertünte: Jemand, der eine zu negative Einstellung zur Welt hat und sich in ein katholisches Getto zurückziehen wollte angesichts einer doch sehr problematischen Gegenwart, 
wäre hier auf Dauer nicht glücklich. Außerdem muss er in sich den Wunsch spüren, sich selbst und den anderen sehr ernst zu nehmen: Welche Erfahrungen mit Gebeten, mit Glaubensleben hat der andere mitgebracht, und welche bringe ich mit?

?: Können Sie sich vorstellen, mal wieder in eines der großen Häuser zu gehen?

P. Valerius: Wenn wir noch fünf Jahre hier sind, bin ich siebzig. Da frage ich nur noch: Wo kann ich am besten meinen Lebensabend verbringen? Aber auf gewisse Standards will ich nicht verzichten, und ich muss auch menschlich in der Kommunität gut leben können.

P. Sloot: Das geht mir genauso. Die Kommunität muss menschlich stimmen. Unser geistliches Leben ist ein Standard, hinter den ich nicht zurückgehen würde. Und da zieht es mich gerade nicht in ein anderes Haus.

P. Tertünte: Ich habe dann das Vertrauen, dass es Mitbrüder gibt, die Freiheit, Verbindlichkeit und Interesse in einer Weise zusammenbringen, dass mit ihnen ein Zusammenleben möglich ist. So wie es jetzt in den Häusern ist, wäre es schwierig für mich, da einfach so hinzugehen.

?: Was war in der Zeit Ihr schönster Moment, der Moment, in dem Sie gesagt haben: Ja, das hat sich gelohnt!

P. Tertünte: Zwischendurch gibt es Momente, in denen ich sehr stark spüre: Das hier ist meine Heimat, die möchte ich jetzt nicht verlassen.

P. Sloot: Einer der letzten Höhepunkte war eine Hochzeit hier in der Kirche mit einem jungen Paar aus dem Milieu. Ich habe gemerkt, die lassen mich an ihrem geistlichen Leben teilhaben. Genau das also, was ich hier mit meinen beiden Mitbrüdern erlebe.

P. Valerius: Es gibt Momente, in denen ich froh und dankbar bin – und einfach gerne da bin. Und dann würde ich am liebsten sagen: So, jetzt halt die Zeit mal ein bisschen an. Das Leben, so wie es ist, ist gut.

Interview: Simon Biallowons, André Lorenz

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

Impuls

P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags

Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer

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