Donnerstag, der 17. Mai 2012
Hausdächer in einem Meer aus Schlamm
Mitten in der Nacht traf im Dezember ein verheerender Tropensturm die Insel Mindanao, Philippinen, und brachte den Einwohnern katastrophale Überschwemmungen. Auch das Gelände der Kasanag Daughter Stiftung, eine Hilfseinrichtung der Herz-Jesu Priester für missbrauchte Mädchen, stand unter Wasser. Noch immer hält der Ausnahmezustand an – denn es gibt kaum internationale Hilfe.

Die meisten Einwohner von Mindanao schliefen, als in der Nacht vom 16. Dezember letzten Jahres ein Tropensturm über die Insel fegte. Besonders die heftigen Regenfälle sorgten auf der Insel im Süden der Philippinen für katastrophale Zerstörungen. Am schlimmsten wütete der „Sedong“ in den Städten Iligan und Cagayan de Oro, wo viele Menschen das Leben verloren, als Schlamm und Wassermassen meterhoch durch die Straßen der niedrig gelegenen Stadtviertel stürzten. Häuser brachen zusammen, Schlammlawinen rutschten über Berghänge in dicht besiedelte Täler. Über 650 Tote wurden bisher offiziell bestätigt.
Pater Guido Telscher SCJ berichtet in seinem Online-Blog
Auch das Gelände der Kasanag Daughter Stiftung, eine Hilfseinrichtung der Herz-Jesu Priester für missbrauchte Mädchen in Cagayan de Oro, stand unter Wasser. Pater Guido Telscher SCJ berichtete bereits einen Tag nach dem Unwetter in seinem Online-Blog von einer „Sintflut“ und zeigt Bilder der ruinierten Einrichtung der Kasanag-Daughter Stiftung (http://pater-guido.blogspot.com).
Sogar die PC, welche vorsorglich im ersten Stock des Hauses in Sicherheit gebracht worden waren, haben den Ansturm der Wassermassen nicht überstanden. Vier Meter hoch stand die schlammige Brühe auf dem Gelände.
„Es gab Warnungen von Meteorologen, dass ein Tropensturm auf Mindanao zusteuere“, sagt Pater Guido Telscher, „aber viele haben die Warnungen nicht ernst genommen, weil Mindanao bei Stürmen bisher meistens glimpflich davongekommen ist.“ So waren viele Menschen unvorbereitet, als die Sturzfluten nachts durch die Straßen rasten.
Einige wurden vom Unglück sogar im Schlaf überrascht. Sie hatten keine Chance. In der Kasanag-Daughter Stiftung blieb es aber glücklicherweise bei einem Sachschaden. Der allerdings beträgt 50 bis 70.000 Euro, wie Missionsprokurator Pater Edwin Rombach SCJ sagt: „Ich danke Gott dafür, dass alle 35 Mädchen und Betreuer mit dem Leben davongekommen sind. Sie sind jetzt in unserem Formationshaus in einem höher gelegenen Stadtteil untergebracht, werden versorgt und gehen seit ein paar Tagen sogar wieder zur Schule.“

Nicht zuletzt die Entscheidung der Herz-Jesu-Priester, beim Bau des neuen Hauses vor allem auf die Qualität und Stabilität des Gebäudes und nicht nur auf die Kosten zu achten, hat während des Unwetters wahrscheinlich Leben gerettet.
Wie lange es noch dauern wird, bis alle Toten geborgen sind, kann niemand sagen
In einem Armenviertel im benachbarten Iligan wurden 70 Prozent der zumeist provisorisch errichteten Häuser nicht nur beschädigt, sondern samt und sonders ins Meer gespült. „Zeit Online“ berichtet von einer Familie, die auf dem Dach ihres Hauses Meilen vor der philippinischen Küste von einem Frachter gerettet wurde.
„Das Gebäude der Stiftung ist sehr solide errichtet worden und hat der Strömung standgehalten“, sagt Pater Rombach. „Natürlich ist das Mauerwerk völlig durchnässt, aber wenn die Aufräumarbeiten gut vorankommen, können die Mädchen nach meiner Einschätzung in einigen Wochen wieder zurückkehren.“
Derzeit ist es hauptsächliche die philippinische Armee, die mit schwerem Gerät versucht, oft meterdicke Schlammschichten abzutragen, welche immer noch weite Teile der Insel bedecken.

Wie lange es noch dauern wird, bis die letzten Toten geborgen sind und die Strom und Wasserversorgung in Cagajan de Oro und den anderen betroffenen Städten wieder hergestellt ist, kann niemand sagen.
„Bei den Hilfsarbeiten sind wir vollständig auf private Spenden angewiesen“
Internationale Hilfe gibt es kaum, denn in den Medien hat die Katastrophe von Mindanao kaum Beachtung gefunden. Die chinesische Botschaft half mit 10.000 Dollar. Vom deutschen Außenminister Guido Westerwelle kam nur eine Beileidsbekundung. In einer solchen Situation ist die Hilfe, die kirchliche Organisationen den Menschen vor Ort leisten, von unschätzbarem Wert. Außer den Herz-Jesu-Priestern versuchen noch andere Ordensgemeinschaften, das Elend der Menschen zu lindern, während die Augen der Welt woanders ruhen.
„Bei den Hilfsarbeiten sind wir vollständig auf private Spenden angewiesen“, sagt Pater Rombach und ist dankbar für die Solidarität der Freunde und Förderer der Dehonianer in Deutschland. „Ich erfahre immer wieder, dass die Hilfsbereitschaft unserer Wohltäter mit der Größe der Notlage wächst. Auf unseren Spendenaufruf direkt nach dem Sturm haben wir viel Resonanz bekommen. Wenn es konkret wird, sind die Menschen auch bereit zu helfen.“
Maximilian Witte
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