Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischerimpuls 30.10.2011 | Br. Volker Kreutzmann SCJ zum Evangelium

"Das falsche Leben..."

I. Vor einer Woche las ich in der Wochenzeitschrift Christ in der Gegenwart folgende Sätze, die mir treffender nicht formuliert sein könnten. Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse vor allem in den Naturwissenschaften "sind die Unruhe und die Unsicherheit in großen Teilen der Bevölkerung groß, dass mit dem verkündeten Standartglauben und vielen seiner Standartphrasen irgendetwas nicht stimmen könnte, auch wenn man dies nicht genau erklären kann. Dieses Unbehagen breitet sich massiv aus."

An Diagnosen, Traditionen und finanziellen Mitteln mangelt es nicht, wohl aber mehr und mehr an Worten, die treffen, prägen, bekehren, argumentieren, etwas bewirken, vom Leben gedeckt sind - beweisen, dass Gott, das Evangelium, der Glaube leben. Dazu ein "nichtchristliches" Wort des Konfuzius (zitiert nach der selben Ausgabe von CiG): "Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist; ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande [...]".

 

II. Vor diesem Hintergrund lese ich die Perikope dieses Sonntags. In diesem Text polemisiert Jesus gegen das religiöse Establishment seiner Zeit: die Diskrepanz zwischen Wort bzw. Motiv und Tat; die Hierarchisierung, welche sich besonders in einer ausgeprägten Titulatur und Gewandung zeigt; die Klassifikation in "Väter" und Söhne, "Meister" und Schüler, Anfänger und Fortgeschrittene. Ein Schelm, wer dabei Böses über die Katholische Kirche denkt!

Das Evangelium spricht von dem einen Lehrer Christus (Mt 23,10). Dieser spricht zu uns in den Worten der Bibel, im persönlichen Gebet - es beginnt bereits mit dem stille werden  -  und in den vielen reichen Worten und Traditionen seiner Kirche. "Ihr alle aber seid Brüder": Dies ist keine rhetorische Formel, um Fehler und Defizite in der Leitung  zu kitten. Kirche ist "communio sanctorum" - Kirche ist Gemeinschaft! Genauer gesagt, Kirche ist Gemeinschaft derjenigen, die teilhaben (vgl. 1Kor 10,16f.) am Heiligen (Gott selbst), auf Erden und im Himmel.

 

III. In einer Fürbitte der Vesper hieß es vor einigen Tagen: "und dass wir alle uns zu Dir bekehren." Präzise darum geht es, so meine ich, auch Jesus, wenn er das Pharisäische an der Religion tadelt. Die Bekehrung des Herzens empfinde ich als eine Daueraufgabe, die manchmal viel Zeit braucht. Vielleicht empfinden auch Sie die folgenden Worte von Dorothee Sölle als passend (ebenfalls entnommen CiG Nr. 43/2011 vom 23.10.2011):

 

Schaffe in mir gott ein neues herz

das alte gehorcht der gewohnheit

schaffe mir neue augen

die alten sind behext vom erfolg

schaffe mir neue ohren

die alten registrieren nur unglück

und eine neue liebe zu den bäumen

statt der voller trauer

eine neue zunge gib mir

statt der von angst geknebelten

eine neue sprache gib mir

statt der gewaltverseuchten

die ich gut beherrsche

mein herz erstickt an der ohnmacht

aller die deine fremdlinge lieben

schaffe in mir gott ein neues herz.

 

Und gib mir einen neuen geist

dass ich dich loben kann

ohne zu lügen

mit tränen in den augen

wenns denn sein muss

aber ohne zu lügen.

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

Impuls

P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags

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