Donnerstag, der 17. Mai 2012
"Das falsche Leben..."
I. Vor einer Woche las ich in der Wochenzeitschrift Christ in der Gegenwart folgende Sätze, die mir treffender nicht formuliert sein könnten. Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse vor allem in den Naturwissenschaften "sind die Unruhe und die Unsicherheit in großen Teilen der Bevölkerung groß, dass mit dem verkündeten Standartglauben und vielen seiner Standartphrasen irgendetwas nicht stimmen könnte, auch wenn man dies nicht genau erklären kann. Dieses Unbehagen breitet sich massiv aus."
An Diagnosen, Traditionen und finanziellen Mitteln mangelt es nicht, wohl aber mehr und mehr an Worten, die treffen, prägen, bekehren, argumentieren, etwas bewirken, vom Leben gedeckt sind - beweisen, dass Gott, das Evangelium, der Glaube leben. Dazu ein "nichtchristliches" Wort des Konfuzius (zitiert nach der selben Ausgabe von CiG): "Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist; ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so kommen die Werke nicht zustande [...]".
II. Vor diesem Hintergrund lese ich die Perikope dieses Sonntags. In diesem Text polemisiert Jesus gegen das religiöse Establishment seiner Zeit: die Diskrepanz zwischen Wort bzw. Motiv und Tat; die Hierarchisierung, welche sich besonders in einer ausgeprägten Titulatur und Gewandung zeigt; die Klassifikation in "Väter" und Söhne, "Meister" und Schüler, Anfänger und Fortgeschrittene. Ein Schelm, wer dabei Böses über die Katholische Kirche denkt!
Das Evangelium spricht von dem einen Lehrer Christus (Mt 23,10). Dieser spricht zu uns in den Worten der Bibel, im persönlichen Gebet - es beginnt bereits mit dem stille werden - und in den vielen reichen Worten und Traditionen seiner Kirche. "Ihr alle aber seid Brüder": Dies ist keine rhetorische Formel, um Fehler und Defizite in der Leitung zu kitten. Kirche ist "communio sanctorum" - Kirche ist Gemeinschaft! Genauer gesagt, Kirche ist Gemeinschaft derjenigen, die teilhaben (vgl. 1Kor 10,16f.) am Heiligen (Gott selbst), auf Erden und im Himmel.
III. In einer Fürbitte der Vesper hieß es vor einigen Tagen: "und dass wir alle uns zu Dir bekehren." Präzise darum geht es, so meine ich, auch Jesus, wenn er das Pharisäische an der Religion tadelt. Die Bekehrung des Herzens empfinde ich als eine Daueraufgabe, die manchmal viel Zeit braucht. Vielleicht empfinden auch Sie die folgenden Worte von Dorothee Sölle als passend (ebenfalls entnommen CiG Nr. 43/2011 vom 23.10.2011):
Schaffe in mir gott ein neues herz
das alte gehorcht der gewohnheit
schaffe mir neue augen
die alten sind behext vom erfolg
schaffe mir neue ohren
die alten registrieren nur unglück
und eine neue liebe zu den bäumen
statt der voller trauer
eine neue zunge gib mir
statt der von angst geknebelten
eine neue sprache gib mir
statt der gewaltverseuchten
die ich gut beherrsche
mein herz erstickt an der ohnmacht
aller die deine fremdlinge lieben
schaffe in mir gott ein neues herz.
Und gib mir einen neuen geist
dass ich dich loben kann
ohne zu lügen
mit tränen in den augen
wenns denn sein muss
aber ohne zu lügen.
Evangelium
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17
Impuls
P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags
Gottesdienste
Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer
SCJ Aktuell
Das Archiv

Druckansicht
Weiterempfehlen






