Donnerstag, der 17. Mai 2012

- c by Günter Havlena in pixelio.de
„Im Weinberg Gottes“
Das Gleichnis
In diesem Gleichnis vom Weinberg schimmert die große Enttäuschung Jesu durch, dass selbst der Sohn die „Pächter“ des Weinbergs nicht zur Einsicht bringen kann. Er sieht voraus, dass sie ihn genauso verwerfen werden wie sie es mit den Propheten getan haben. Der Weinberg ist ihnen zur Pacht gegeben, aber sie gebärden sich wie die Eigentümer und helfen verbrecherisch nach, dass sie das Lehen zu Eigen bekommen. In diesem Gleichnis scheint auf, wie und warum es zu der bevorstehenden Passion im Leben Jesu kommt.
Die erste Lesung (Jes 5,1-7) bringt schon das Bild vom Weinberg. Jesaja schildert in diesem Weinberglied die Liebe Gottes zu seinem Volk Israel. Dem Weinberg, und damit ist das Volk Israel gemeint, gilt die Fürsorge und Liebe Gottes. Doch diese Liebe wird nicht erkannt, die Fürsorge übersehen, und die Anerkennung des Herrn verweigert und hintergangen. Die Abgaben, die Früchte, die dem Gutsherrn zustehen, werden nicht erbracht.
Der Gutsbesitzer hat fürsorglich alles gut und entsprechend eingerichtet. Er schenkt Vertrauen mit der Übergabe des Weinbergs. Die Pächter finden alles wohlgeordnet vor und haben dazu den vertrauensvollen Auftrag der Verwaltung. Selbst bei der ersten Enttäuschung gibt der Weinbergbesitzer im Evangelium nicht auf, sondern sendet dreimal seine Vertreter und hofft auf Einsicht der Pächter. Die verbrecherische Reaktion der Pächter steht in keinem Verhältnis zum Verhalten des Gutsherrn, hat aber zur Folge, dass sie verworfen werden und anderen die Verantwortung übertragen wird.
Heilsgeschichtlich denken
Wenn wir heilsgeschichtlich denken steht der Weinberg zuerst für das Volk Israel und dann für die Kirche. Die „Verwaltung“ des Weinbergs geht auf die anderen über. Doch erbringen die ihre Früchte zur rechten Zeit? Wie verwalten die Beauftragten heute den „Weinberg des Herrn“ heute?
Während zurzeit des Jesaja vor allem soziales Unrecht gegenüber Volksgenossen angeprangert werden musste, macht Matthäus hier deutlich, wie sich die Hohepriester und Pharisäer zu Gegnern Jesu werden. Sie erkennen die „Zeichen der Zeit“ nicht. Sie halten an Abraham fest und sind nicht bereit das Neue, das in der Botschaft Jesu mit dem „Reich Gottes“ aufleuchtet, wahrzunehmen und es anzunehmen.
So wird Jesus zuerst verworfen, getötet. Doch der Verworfene wird zum Eckstein. Gottes Botschaft setzt sich durch. Der Verworfene wird zum Grundstein des neuen Weinbergs. Der Weinberg („das Reich Gottes“!) wird in neue Verantwortlichkeit gegeben, das „neue Gottesvolk“ soll die erwarteten Früchte. Paulus zählt sie in der zweiten Lesung auf.
Anfragen an uns das „neue Gottes Volk“ heute
1. Auch für das Neue Gottes Volk gilt: Wir sind Pächter, nicht Besitzer des Weinbergs. Auch wenn Gott als „abwesend“ erfahren wird, sein Auftrag bleibt lebendig, den Weinberg zu hegen und zu pflegen im Sinne des Gutsherrn. „Früchte abzuliefern“ bleibt aktuelle Aufgabe, die mit der Verwaltung verbunden ist.
2. Wie stehen wir selber zum „Sohn“? Sind wir wirklich – wie es auf dem Weltjugendtag hieß – „In ihm verwurzelt“? – Gilt der Satz: "Jesus Christus - Grund genug". – Singen wir auch im Alltag den Song: „Jesus Christ, you are my life" - Jesus Christus, du bist mein Leben?
3. Zur Zeit des Matthäus musste die christliche Gemeinde sich neu orientieren. Aus der Synagoge waren sie ausgeschlossen. Sie wagten die Schritte in das Neue. Besonders Paulus hat hier Schrittmacherdienste geleistet zu einer universalen Ausrichtung hin. Wie steht es eigentlich heute mit diesem Aufbruch: „Die Zeichen der Zeit“ zu erkennen und verantwortlich auf die Herausforderungen einzugehen. Besteht auch heute die Gefahr, die Forderungen des „Gutsherrn“ auszubremsen und uns zu Besitzern des Anvertrauten zu machen?
4. Ist unser Blick auf die Dynamik des „Reiches Gottes“ ausgerichtet, in der wir auf die Erfordernisse der Zeit antworten – oder sind wir mehr auf Bestandssicherung eingefahren? – Welche Wahrheit beinhaltet der Erfahrungssatz: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“?
5. Nach Dietrich Bonhoeffer lässt sich Gott in der Neuzeit aus der Welt herausdrängen ans Kreuz. In Jesus Christus wird Gott mit uns Menschen ohnmächtig und Schwach – und erweist gerade so seine Nähe zu uns Menschen.
6. Es sollte uns bewusst sein als Glieder des Volkes Gottes: Der „Sohn“ als Eckstein, als Grundstein, wird immer in der Auseinandersetzung stehen, das wird dem Kind im Tempel von dem greisen Simeon schon vorausgesagt: „Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34). Jesus hat den Anspruch gewagt: „Ich bin die Wahrheit!“ Er wurde damit zum „Zeichen, dem widersprochen wird“ – aber auch zum Zeichen, dem geglaubt wird, dem man folgt bis heute.
P. Konrad Flatau SCJ
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