Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischer Impuls zum 24.04.2011 | Pater Konrad Flatau SCJ zum Sonntagsevangelium

"Das Leben setzt sich durch"

Das ist eine Erfahrungstatsache: das Leben setzt sich immer durch und entfaltet dabei eine eigene Dynamik. Das kann eine kleine Blume zeigen, die den Asphalt durchbricht, das zeigt sich bei einem jungen Menschen, der gegen Bevormundung  seinen persönlichen Lebensweg sucht, das zeigen Völker, die mit dem Ruf nach Freiheit und Menschlichkeit unter Lebensgefahr die Fesseln von Unterdrückung und Ausbeutung abstreifen. Die Sehnsucht nach Leben, ja „Leben in Fülle“ verbinden Menschen mit dem Glauben an einen „Gott der Lebenden“ und überschreiten so die Grenze des Todes und erhoffen ein „ewiges Leben“.

Das Osterfest mit dem Glauben an den auferstandenen Herrn ist zu jeder Zeit eine große Herausforderung gewesen und wird es bleiben. Glauben an einen „Gott der Lebenden“ und der Glaube an die Auferstehung gehören zwingend zusammen. Das eine kann nicht ohne das andere sein. Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist im christlichen Glauben zentral.

Der Weg zu dieser Glaubenserkenntnis ist nicht leicht gewesen. Die biblischen Schriften benennen Schwierigkeiten, Hindernisse, aber auch Möglichkeiten auf dem Weg zum Auferstehungsglauben. Das Osterevangelium in der Langfassung (Joh 20, 1-18) setzt wichtige Akzente auf diesem Weg.

„Als es noch dunkel war“

Das ist die Ausgangssituation am Ostermorgen. Hier haben wir einen Hinweis auf die Befindlichkeit all derer, denen mit dem Geschehen auf Golgotha die große Hoffnung zusammengebrochen war. Sie verstanden die Ereignisse nicht, alles war dunkel: „Sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste.“

Die Grenzüberschreitung vom Tod zum Leben, von der Hinrichtung zur Erhöhung beim Vater – diesen Schritt haben sie noch nicht vollzogen.

Das Jesusereignis und die Begegnung mit Jesus selbst fordern immer zu Grenzüberschreitungen heraus. Wer sich selbst eingrenzt auf  bisherige Erfahrungen, sein Leben nur nach eigenen Vorstellungen gestalten will, nichts Neues mehr erwartet, sich von  Vorurteilen bestimmen lässt, der wird von dem „neuen Weg“ und dem „neuen Bund“ nichts begreifen. Er bleibt auf dem Weg seiner begrenzten Perspektive stehen.

Grenzen werden uns auch immer wieder gesetzt mit dem „Stein“ über dem Grab, mit den Tränen und der Trauer: „als es noch dunkel war“. Diese Grenzen können unsere Situation verfestigen, sie markieren einen Stillstand, behindern das neue Leben und lassen keine Entwicklung mehr zu.

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Dynamischer Durchbruch

Mit der Ostererfahrung kommt eine eigene Dynamik in das Leben und eine neue Bewegung in den Lebensablauf. Das Sehen – Laufen – Erkennen - Glauben bringt eine Lebendigkeit mit „Dominoeffekt“ in das Geschehen. Von dem Suchen nach dem verschwundenen Leichnam bis hin zu der Erfahrung und Freude: „Ich habe den Herrn gesehen“ spannt sich ein großer Bogen der Entwicklung vom Sehen bis hin zum Glauben. Diese Spannung setzt die Betroffenen in Bewegung: Sie laufen, sehen ...

Drei Zeugen

Maria von Magdala, die Liebende, der Lieblingsjünger Johannes und Petrus, der Fels, laufen zum selben Ziel mit unterschiedlichen Ergebnissen. Hier hat sich die urchristliche Gemeinde mit ihrer Ostererfahrung wohl selbst dargestellt und in diesen drei Zeugen wiedererkannt.

Petrus steht für das Amt und die Leitung in der Kirche. Er stellt fest und dokumentiert die Tatsachen. Vom Glauben ist bei ihm keine Rede.

Johannes, der Charismatiker, ist dem „Amt“ anscheinend spirituell voraus, denn von ihm wird gesagt: „Er sah und glaubte.“

Maria von Magdala lebt aus der direkten Begegnung mit dem Herrn und steht für alle anderen in der urchristlichen Gemeinde, die die neue Art des Umgangs Jesu an sich erfahren durften. Eine neue Gottes- und Glaubenserfahrung ist mit Jesus lebendig geworden. Der hl. Paulus fasst das in der Lesung des Ostersonntags in die Worte: „Ihr seid mit Christus auferweckt“ (Kol 3,1).

Die Reaktionen auf das leere Grab bei den drei Zeugen sind unterschiedlich. Maria Magdalena und der Lieblingsjünger Johannes haben unter dem Kreuz gestanden, Petrus nicht. Maria und Johannes sind den Leidensweg Jesu mitgegangen und bilden so auch die Erfahrungsbrücke zu dem Geschehen am Ostermorgen. Beide stehen in einer persönlichen Beziehung zu Jesus und kommen so selbstverständlicher zum Glauben.

Im Dreisprung

In der Langfassung des Evangeliums kommt Maria Magdalena in einem „Dreisprung“ zur österlichen Erfahrung: Ich habe den Herrn gesehen!“

Mit der Frage: „Warum weinst du?“ muss sich Maria zuerst einmal ihrer Situation stellen, sich ihrer Tränen und ihrer Trauer bewusst werden. Wir weinen bei Trennung, bei Verlust, vor Enttäuschung, aus Trauer. Was steckt hinter meinen Tränen?

Ein zweiter Sprung ist die Frage: „Wen suchst du“? Wo liegt das Objekt deiner Suche, deiner Erwartung? Maria sucht im Grab nach dem Toten. Das ist verständlich mit ihrer Erfahrung nach dem Kreuzesgeschehen.

Mit dem dritten Sprung, mit der persönlichen Anrede „Maria“, mit der Namensnennung  wandte sie sich ihm zu und erkennt das Neue. Sehen, Erkennen und Glauben sind eins geworden, Maria ist ganz neu in die Begegnung mit Jesus hineingeholt.

Als Erstzeugin gesandt

In der Begegnung mit dem Auferstandenen geschieht Wandlung und zugleich die Sendung und Beauftragung: „Geh zu meinen Brüdern und Schwestern und sage ihnen...!“ Maria wird zur Erstzeugin des Auferstandenen. Sie darf die Botschaft weiter tragen: „Ich habe den Herrn gesehen“! Die Apostel und die Urkirche werden ihr in diesem Zeugnis folgen.

Es ist ein österliches Bekenntnis, das uns zeigt, Tränen sind nicht umsonst geweint, Trauer findet immer einen Adressaten, Leid und Sterben sind aufgehoben bei dem, der durch Leid und Tod hindurch „erhöht“ wurde beim Vater, der ja ein Gott der Lebenden und nicht der Toten ist.

P. Konrad Flatau SCJ

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(* Pflichtfeld)

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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