Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischerimpuls 23.10.2011 | Pater Konrad Flatau SCJ zum Evangelium

"Das Liebesgebot Jesu"

Nicht Grenze wird gesetzt ...

Im  Zusammenhang mit Religion, Glaube und Kirche wird oft die Frage gestellt: Was ist erlaubt und was ist verboten? Viele machen daher auch die Grunderfahrung von Enge und Grenze und Lebensbeschneidung, wenn sie mit Glauben zu tun haben.  Sie werden dann zu bloßen Grenzgängern, finden aber nicht nach Hause, nicht zu ihrer eigentlichen Bestimmung. Kann eine Freundschaft, eine Partnerschaft bestimmt werden durch das, was erlaubt und was verboten ist?

Der Schlüssel zum Ganzen

Die Frage des Schriftgelehrten lautet: Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Die Frage wird hier auf einem jüdischen Hintergrund gestellt. Die Antwort Jesu bekommt deshalb bei Matthäus einen anderen Akzent als bei Markus: Das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe ist der Schlüssel zum ganzen Gesetz. Die Liebe ist das innere Prinzip des Gesetzes und der Gebote. Hier bei Matthäus hören wir ein bestimmtes kirchliches Denken heraus, das an der Gesetzesordnung zwar nicht zweifelt, aber das ganze Gesetz Gottes auf die Liebe zurückführt.  Alle Einzelgesetze sind demnach Konkretisierungen des einen Liebesgebotes.  Paulus sieht das z. B. anders: Bei ihm erfüllt das Gesetz bloß die Rolle des "Zuchtmeisters" auf Christus hin.

Die Antwort Jesu auf die Frage des Schriftgelehrten kommt aus dem zentralen Glaubensbekenntnis des Volkes Israel, dem "Schema Israel" (Dtn 6,4). Der zweite Teil der Antwort kommt aus Lev 19,18. Jesus bindet diese beiden Stellen zusammen. Somit erinnert Jesus in seiner einfachen und schlichten Antwort auf das Grundlegende aller Gebote: Gottesliebe mit ganzem Herzen und ganzer Seele und Nächstenliebe -„wie dich selbst“. Jesus stellt damit kein neues Gebot auf, sondern unterstreicht das Wesentliche des jüdischen und des christlichen Glaubens.

Bejahung des Lebens

Mit dem Verweis auf das „wichtigste und erste Gebot“ setzt Jesus keine Grenze – wie es die Gesetzeslehrer mit ihrer „Gesetzesfrömmigkeit“ tun, sondern Jesus öffnet das Leben in einer grundsätzlichen Bejahung in all seinen Dimensionen auf die Liebe hin.

Jesus nimmt für sich in Anspruch: „Ich bin das Leben!“ Und so ist seine Wegweisung und Lebensanleitung mit dem Liebesgebot auf das Leben ausgerichtet. Denken wir das umfassende Gebot der Liebe zu Ende, erkennen wir auch, dass nur auf diesem Weg der Liebe wirkliches Leben gefunden werden kann. Im Jüdischen Sinne ist mit Liebe nicht so sehr Gefühl, sondern immer auch Gerechtigkeit mitgesagt. Die Aussage des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber - Jedes Leben will Begegnung – wird gerade mit dem Liebesgebot verwirklicht.

Denn mit der Liebe tritt die Bejahung des Lebens und die Beziehung zu den unterschiedlichen Lebensbereichen in den Vordergrund. Vom Ursprung her sind wir in bestimmte Lebensbereiche hineingestellt, die lebenswichtig sind. Es geht um die Bejahung Gottes in unserem Leben. Er ist der Urquell aus dem wir leben und handeln. Die Paradieseserzählung zeigt uns, wie wir aus diesem Ur-Zusammenhang herausfallen können – und dann „nackt“ dastehen.

Meinen Mitmenschen bin ich in Solidarität verbunden, bin in Fürsorge auf ihn verwiesen. Achte Deinen Mitmenschen, denn er ist wie Du! Dieser Appell wird lebendig in jeder Begegnung. Nur miteinander kann das Leben voll gelingen. In der biblischen Erzählung von „Kain und Abel“ wird das Gegenteil geschildert, nämlich Zerstörung des Lebens, der Tod des Bruders.

Im anthropologischen Bereich ist der Satz einsichtig: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12). Diese „Goldene Regel“ zitiert Jesus in einem anderen Zusammenhang. Hier ist der Mensch der Maßstab seines Handelns. Im Zusammenhang mit der Bergpredigt setzt Jesus einen „höheren“ Maßstab: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36) Hier wird Gott zum Maßstab menschlichen Handelns gesetzt. Im Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht zeigt Jesus das Gelingen und Nichtgelingen menschlichen Lebens auf (Mt 18, 23ff).

c by Rita Thielen by pixelio.de

Ur-Zusammenhang

Mit dem Liebesgebot bindet Jesus den Menschen ein in den Ur-Zusammenhang des Lebens und gibt ihm die Wegweisung mit: Bejahung Gottes, Annahme des Nächsten wie sich Selbst. So kann sein Leben gelingen. Dort, wo der Mensch sich aus einem dieser Zusammenhänge herausnimmt, misslingt das Leben und findet nicht seine volle Erfüllung.

Leben vollzieht sich in der Dynamik und in einer lebendigen Spannung von Gott – Mitmensch - Selbst. Glauben ist immer Beziehung und Begegnung und wird letztlich im Vertrauen und in der Liebe lebendig. Denn: „Alles Leben ist Begegnung!“

Die Gebote und Gesetze sind wie die Leitplanke am Wegrand – sicher gehe und fahre ich auf der vorgegebenen Straße.

P. Konrad Flatau SCJ

Eigenen Kommentar schreiben:

 
(* Pflichtfeld)

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

Impuls

P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags

Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer

SCJ Aktuell

Das Archiv