Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischer Impuls vom 22.05.2011 | Pater Heinz Lau SCJ zum Evangelium

"Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben"

Ein Missionar verirrt sich im Urwald. Es dringt kaum Licht durch das eng bewachsene Dickicht, keine Lichtung verschafft Überblick. Hilflos irrt er umher und trifft plötzlich auf eine kleine Siedlung. Einer der Stammesältesten deutet an, daß er ihm helfen wolle. Der Missionar vertraut sich dem Eingeborenen an. Zunächst ist er erleichtert und guten Mutes. Nach etlichen, vermeintlich sinnlosen Richtungsänderungen in dem bewaldeten Gelände wird es ihm jedoch mulmig. Zaghaft fragt er den Gefährten: „Wo ist der Weg? Ich sehe keinen Weg!“. Ein Lächeln auf dem Gesicht: „ Hier ist kein Weg. Ich bin der Weg!“ und tippt dabei auf seine Brust. Und tatsächlich, nach gewisser Zeit werden in Gestalt einiger Telegrafenmasten erste Vorboten der Zivilisation sichtbar.

 

  1. Euer Herz lasse sich nicht verwirren

Oft bete ich die Vater-unser-Bitte „und führe uns nicht in Versuchung“ in diesem Sinne: „Herr, bewahre mich davor, daß ich an Dir irre werde! Leite mich, daß mein Herz sich nicht verwirre!“ Das ist für mich die größte Versuchung in dieser chaotischen Welt der Gedanken, der Ideologien, der Alltagserfahrungen, der Gefühle.

 

  1. Ich gehe, um euch einen Platz zu bereiten

Jesus Christus geht uns voraus, um uns – nach irdischer Pilgerschaft – einen Platz zu bereiten, beim Vater, eine himmlische Wohnung. Gibt es eine schönere Erfahrung als einmal angekommen zu sein. Frere Roger Schutz/Taize sagt wunderschön: „Leben im Provisorium!“ Aber einmal ankommen in der Wohnung – bei Gott – für immer.

 

  1. Den Weg kennt ihr?

Grundlegend im jüdisch-christlichen Glauben ist die nomadische Existenz, das Bewusstsein des Pilgers. Es ist ein Unsinn zu sagen: „Der Weg ist das Ziel!“. Das ist für mich esoterisch. Wir sind Pilger, immer unterwegs, einem Ziel entgegen. Irdische Pilgerziele mögen Rom, Jerusalem, Santiago, Tschenstochowa sein; Lebensziel ist Gott. Und Jesus ist der Weg

c by Dieter Schütz in Pixelio.de

         4. Ich bin der Weg – die Wahrheit – das Leben

Jesus sagt niemals: Ich bin die Dunkelkammer, in der herumirrt; ich bin die Mauer, gegen die ihr rennt. Jesus Christus nach Johannes verwendet einzig Bilder, die Perspektive eröffnen:

a. Ich bin der Weg! Also gangbar. Diese Zusage bei so vielen Irrwegen, Trampelpfaden, falschen Angeboten und Versprechungen.
Weg: Ich denke an den großen Pilgerweg nach Santiago de Compostella.

b. Ich bin die Wahrheit! Also wahrhaftig. Diese Zusage bei so viel Verschleierungen, Lügen, Intrigen, Worten, Verdrehungen.
Wahrheit: Ich denke an Edith Stein nach der Lektüre von Werken Teresia von Avila „Das ist Wahrheit!“

c: Ich bin das Leben! Also lebendig. Diese Zusage bei so viel Leere, Trockenheit, Vergänglichkeit, Lieblosigkeit, Todverfallenheit.
Leben: Ich denke an das schwedische Waldmärchen „Was ist Leben?“

 

       5. Herr, zeig uns den Vater

Niemand hat Gott gesehen. Es gilt die alttestamentliche Zusage an Mose: „Ich bin da, der ich da bin!“. Ich halte mich fest an Jesus Christus, weil er mir den Weg zum Vater zeigt. In Jesu Botschaft, in seinem Wirken erkenne und entdecke ich Gott. „Ich glaube Jesus seinen Gott, und damit meinen und unseren Gott.

 

      6. Ich bin im Vater – der Vater ist in mir

- wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen

- ich bin im Vater, und der Vater ist in mir

- Worte, die ich zu euch sage, habe ich von meinem Vater

Wir glauben an den einen Gott: Jesus ist in Gott, und Gott ist in Jesus Christus. Dieses „In-Sein“ – ohne irgendeine Abgrenzung, Rivalität, Spaltung – ist vorbildhaft. Wir dürfen dieses „In-Sein“ in mystischen Augenblicken erfahren.  

 

Mein Herz ist wie ein großer Speicher.

Gelegentlich gehe ich hinein.

Mich zu ergründen.

Mich zu finden.

Mich zu sehen.

Mich zu verstehen.

 

Mein Herz ist wie ein großer Speicher.

Gelegentlich gehe ich hinein.

Um die Bilder zu sehnen aus alten Zeiten.

Das Bild meiner Ahnen, von Vater und Mutter.

Das Bild meiner Jugend, der Erfahrungen.

 

Mein Herz ist wie ein großer Speicher.

Gelegentlich gehe ich hinein.

Nichts ist verloren.

Nichts ist vergangen.

Es ist alles noch da.

Gegenwärtig.

 

Mein Herz ist wie ein großer Speicher.

Gelegentlich gehe ich hinein.

… und dann – auf einmal – finde ich dich: Gott.

 

P. Heinz Lau scj

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(* Pflichtfeld)

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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