Donnerstag, der 17. Mai 2012
"Für wen gehst du?"
Auf der Suche nach dem, was wirklich erfüllt, nach dem, was meinem Leben Sinn gibt, wofür sich der Lebenseinsatz lohnt, da wechselt der Mensch schon mal die Seiten. Lebensmuster und Lebensentscheidungen verlaufen nicht gradlinig.
Menschen wechseln die Seiten,
- was die Kirchlichkeit, den Glauben, die Religion anbelangt
- was die politische Einstellung anbelangt
- was die geschätzte Personen, Vorbilder betrifft
- was Freundschafts- und Nachbarschaftskreise betrifft.
„Wechselnde Seiten“ beobachten wir besonders im religiösen Bereich:
- da gibt es die Traditionalisten und andere, die sehr aufgeschlossenen sind; einige wechseln die Fronten
- Gläubige, die verschiedene Theologen und Meister schätzen, sogar anhimmeln, die Abschied nehmen, sich anderen zuwenden
- Christen, die visionär sind, und andere, voll von Umtriebigkeit – und wo stehe ich, wohin will ich?
- hin- und herpendeln zwischen verschiedensten freikirchlichen Gruppen
- Suche nach Gebet, Stille, Schweigen, Einsamkeit in verschiedenen Schulen
- einige klostern sich durch, andere haben alle spirituellen Orte bereits aufgesucht
Im heutigen Evangelium wechseln die Johannes-Jünger und werden Jesus-Nachfolger. Was ist da geschehen?
a. Was fanden die Jünger bei Johannes, dem Täufer, einem vermeintlichen Essener?
- sicherlich eine gewisse Radikalität – gegen den „Relativismus“
- eine Absonderung von der Masse, den heiligen Rest – kein Mitschwimmen mehr
- die Suche nach Reinheit, Klarheit – gegen Besudelung, Beschmutzung
- die radikale Umkehr – nicht mehr alles so weiterlaufen lassen
- eine Entschiedenheit – weg von verderblichen Wegen usw.
b. Und was finden sie nun bei Jesus Christus. Davon ist hier nicht die Rede, nur ansatzweise; aber das ganze Neue Testament gibt Auskunft.

- copyright by Sabine Nüsch in pixelio.de
Im Evangelium des heutigen Sonntags (Joh.1) fällt ein merkwürdiger Dreierschritt auf, sowohl was die innere Dynamik anbelangt wie die Anrede für Jesus, die Titel.
1. Johannes und Jesus treffen sich am Jordan, an der Taufstelle. Johannes sieht Jesus vorübergehen und verweist seine Jünger auf ihn; ab jetzt folgen sie einem anderen Meister. Leider wissen wir nichts von der inneren Dynamik, von dem, was sie bewogen, umgekrempelt hat. Ich ahne aber eine innere Unruhe, ein aufrichtiges Suchen, eine Dramatik – wie heute auch bei vielen Menschen, denen ich in der Seelsorge begegne. Werde ich diesem Suchen von Menschen gerecht? Was bietet die Kirche diesen Menschen?
Der Titel: „Das Lamm Gottes“. Komisch, seltsam, wenn man heute über einen Menschen so reden würde.
Das Lamm: das Passah-Lamm, das geschlachtet wird (am Kreuz)
das Lamm, auf das man alle Schuld lädt („Sündenbock“)
das Lamm, ganz geduldig
2. Der treffende Kurz-Dialog: Jesus: „Was wollt Ihr?“ – Jünger: „Meister, wo wohnst du?“ – Jesus: „Kommt und seht“. Meisterhaft in der Gesprächsführung: kurze, prägnante Frage „Was wollt Ihr?“; und die Jünger sind herausgefordert, eine Antwort zu geben, zu formulieren, sich auszudrücken. Diese Frage taucht auch bei mir immer wieder auf: „Was will ich?“. Diese Frage ehrlich zulassen. Die Beiden fragen dann: „Wo wohnst Du?“. Jesus hatte keine Wohnung, war ein Wanderprediger, ein Nomade „Vögel haben ihre Nester, Füchse ihre Höhlen, der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sein Haupt hinlegen kann!“ Und doch bleibt dieses „Wohnen“: bei Jesus sein, seine Nähe erfahren, den Umgang mit ihm pflegen.
Der Titel für Jesus: „Rabbi“ – Meister: gelehrt in und mit der Schrift
Meister des geistlichen Lebens
satt an Lebenswissen
3. Und Andreas holt gleich seinen Bruder Petrus herbei und sagt ihm: „Wir haben gefunden“. Das erinnert mich an den Titel des Buches von Carlo Carretto „Gesucht und gefunden“ („cercato e trovato“). Hier ist ein wesentlicher Hinweis für die Pastoral der geistlichen Berufe. Selbst-Begeisterte können auch wieder andere begeistern. Für die Berufung werben wir weniger durch Flyer, Plakate, Bücher, Aktionen, sondern durch direkte, glaubwürdige Begegnung, durch Vorleben, durch unser Zeugnis.
Der Titel: „Jesus – Messias – Gesalbter – Christus“
Messias ist der von Gott her Gesandte
Jesus – Jeschua – „Gott ist Hilfe“
Der Gesalbte – zum Priester, König und Prophet
Petrus erhält von Jesus auch gleich mehrere Titel, Namen. Name ist ein Programm:
- Simon/Shimon – der Mann des Friedens
- Sohn des Johannes – seine Herkunft
- Petrus – Fels – Kephas (Fels in der Brandung)
Einmal wenigstens
Einmal wenigstens, Jesus, einmal nur,
möchte ich am Weg stehen, den du gehst,
deinen Schritt hören, wie er näher kommt,
dich sehen, wie du bist.
Einmal wenigstens.
Einmal wenigstens, Jesus, einmal nur,
deine Stimme hören, die mich beim Namen nennt,
deine Stimme hören, die mich meint
und die mir sagt: Ich bin gerufen.
Einmal wenigstens.
Einmal wenigstens, Jesus, einmal nur,
ein Stück mit dir gehen, hinter dir her
dir nachfolgen vom Morgen bis zum Abend,
und Brotzeit machen mit dir.
Einmal wenigstens. (Roland Breitenbach)
P. Heinz Lau scj
Die Kommentare der User von scj.de
von Karl
am Samstag, 21. Januar 2012
Was war die innere Dynamik, die die beiden johannesjünger angesprochen hat. Darüber ddenke ich heute nach. Ich glaube, die beiden waren sehr gut mit der Vorstellung vom Lamm Gottes vertraut. Johannes muss sehr überzeugend und einladend gesprochen haben.
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