Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischer Impuls vom 09.01.2011 | P. Konrad Flatau SCJ zum Evangelium

"Jesus, der geliebte Sohn – die neue Gerechtigkeit "

Mit dem heutigen Sonntag beschließen wir die Weihnachtszeit: Wir feiern die Taufe Jesu. Vom Kind in der Krippe bis hin zum Erwachsenen, der sich taufen lässt, spannt sich der Bogen.

Warum ließ sich Jesus, der Gottessohn, von Johannes taufen? Jesus antwortet: Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit, die Gott fordert, ganz erfüllen.  Was soll denn richtig gestellt werden? Dass er ein Mensch ist wie wir. Er reiht sich ein in die Schlange der Menschen, die sich taufen lassen. Mathäus betont: Jesus ist ganz Mensch wie wir. Schon mit dem Stammbaum Jesu zu Beginn seines Evangeliums hat er das deutlich machen wollen. Hier bei der Taufe Jesu werden noch andere Akzente gesetzt.

Am Fest der Erscheinung des Herrn haben wir in der abendlichen Vesper gebetet:

 „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führt der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft.“ (Antiphon zum Magnifikat)

Epiphanie des Herrn“ wird in der Liturgie mit drei Ereignissen verknüpft, in denen sich Jesus offenbart: Erscheinung des Herrn für die Sterndeuter, denn durch den Stern werden sie zu dem neugeborenen König geführt (Mt 2,10). Auf der Hochzeit zu Kana setzt Jesus sein erstes Zeichen und  „offenbarte damit seine Herrlichkeit“ (Joh 2, 11). Das dritte Geschehen der Epiphanie ist die Taufe Jesu am Jordan. Aus dem geöffneten Himmel klingt die Stimme: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“.

Jedes Mal haben wir vor uns ein Offenbarungsgeschehen, eine Epiphanie. Die Liturgie bindet das zusammen in die Antiphon der Vesper am Fest der Erscheinung des Herrn, am Dreikönigstag.

c by Dieter Schütz in pixelio.de

Die Taufe Jesu wird von den drei Synoptikern berichtet.

Bei Markus öffnet sich der Himmel und die Stimme sagt: „Du bist mein geliebter Sohn...“. Wenn man bei Markus genau hinschaut auf das gesamte Evangelium, geht es bei ihm um eine wandernde Identitätsfindung in die aufgetragene Sendung hinein. Bei der Taufe Jesu geht es um Jesus selber und seine Identität: „Du bist mein geliebter Sohn!“ Das darf Jesus für sich und seine Sendung erfahren.

Der nächste Schritt der Identitätsfindung ist in der Mitte des Markus-Evangeliums bei der Verklärung Jesu zu finden, denn da heißt es aus dem geöffneten Himmel: „Dies ist mein Sohn, der geliebte, auf ihn sollt ihr hören!“ (Mk 9,7) Hier haben wir die Identitätsfindung der Apostel, denn an diese richtet sich das Wort. Sie werden auf Jesus verwiesen.

Die dritte Identitätsfindung bei Markus ist unter dem Kreuz (Mk 15, 39). Der Hauptmann unter dem Kreuz spricht für die Heiden: „Wahrhaftig, dieser Mann war Gottes Sohn!“ Hier finden auch die Heiden  ihre Identität. Wie die christliche Gemeinde nach Ostern ihre Identität findet – und zwar Juden und Heiden gemeinsam – das erzählt uns die Apostelgeschichte.

Der Evangelist Mathäus setzt einen anderen Akzent bei der Taufe Jesu. Wenn man will, werden hier schon die Umstehenden auf der Suche nach ihrer eigenen Identität angesprochen: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“ (Mt 3,17)

Mathäus weicht also von Mk 1,7-11 ab. Er  überliefert die Taufe Jesu in einem anderen Rahmen. Der Täufer Johannes will Jesus nicht zur Taufe zulassen. Doch Jesus hält dagegen und hat seine Identität bereits gefunden. Er muss sich taufen lassen, um „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“. Was will das heißen?

"Gerechtigkeit" gehört zu den Schlüsselbegriffen des Matthäusevangeliums. Sie ist das Thema der Bergpredigt und bezeichnet das rechte und vollkommene Verhalten des Jüngers vor Gott. Jesus stellt sich auf die Seite der Sünder. In dieser Szene geht es um eine Einordnung Jesu in die Reihe der Menschen: Er wird in allem einer von uns „außer der Sünde“. Jesus ist Sohn Gottes im Sinne der Gottesknechtslieder, der den Weg des Gehorsams geht.

Im Hebräerbrief wird Jesu bei seinem Eintritt in die Welt ein Wort in den Mund gelegt, das seine Gehorsamshaltung umschreibt: „Siehe, ich komme, ... um deinen Willen zu tun, o Gott!“ (Hebr. 10, 6-7)

Die Geschichte von der Taufe Jesu erzählt gleich zu Beginn des öffentlichen Lebens Jesu, dass Gott sich zu ihm bekennt, ihn Sohn nennt, an ihm Gefallen gefunden hat. Das ist eine  Epiphanie. Am Ende seines Evangeliums werden die Jünger beauftragt, in alle Welt zu gehen, zu lehren, zu taufen. "Und siehe: ich bin bei euch alle Tage bis an die Enden der Erde" (Mt 28,28f.).

Die Herabkunft des Geistes Gottes wird als Erfahrung Jesu dargestellt.  Als Jesus aus dem Wasser steigt, sieht er den Geist auf sich herabkommen und hört die Stimme aus dem geöffneten Himmel.

In der Taufe Jesu zeigt sich auch unsere Erwählung zur Gotteskindschaft, denn wir sind in diese „neue Gerechtigkeit“ hineingenommen, indem auch wir aufrichten, was zerbrochen ist, anzünden, was nur noch glimmt, allen, die im Dunkel sitzen das Licht schenken (1. Lesung aus Jesaja 42)

P. Konrad Flatau SCJ

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

Impuls

P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags

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