Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischerimpuls 13.11.2011 | Pater Konrad Flatau scj zum Evangelium

„Was mache ich mit den übertragenen Talenten?“

Ein Rollenspiel

Das Gleichnis (Mt 25, 14-30) eignet sich für ein Rollenspiel. Die Kinder in der Gruppe suchen sich die Rollen aus:

  1. Der Diener mit den fünf Talenten ist die begehrteste Rolle. Beinhaltet sie doch die meisten Möglichkeiten, um Gewinne zu erzielen. Interessant wird es, wenn der Rollenträger seine Kreativität und Initiative einsetzt, um möglichst viele Möglichkeiten zu einem Zugewinn zu nutzen. Das anvertraute Gut ist ihm Motivation genug, zu handeln und Einsatz zu wagen. Wo sieht er Möglichkeiten? Wie setzt er sie um?
  2. Der zweite Diener mit seinen zwei Talenten hat gemäß seinen Fähigkeiten auch Möglichkeiten der Eigengestaltung und der Gewinnmaximierung. Die unterschiedliche Verteilung der Talente fichtt den zweiten Diener nicht an. Er zieht keinen Vergleich, der ihn fremd bestimmen und eventuell hindern könnte in seinem Einsatz und seinem Wagnis. Er sieht das Vertrauen, das in ihn gesetzt ist, sein Selbstbewusstsein ist gestärkt, und er arbeitet mit den zwei Talenten, die ihm zur Verfügung stehen.
  3. Der dritte Diener ist im Rollenspiel nicht begehrt. Er ist der typische Loser, der geborene Verlierer. Wodurch wird dieser Mann ausgebremst in seinem Tun oder Nichtstun? Auch er hat eine hohe Summe erhalten „gemäß seinen Fähigkeiten“. Hat der Herr sich verschätzt? Dann wäre die Strafe am Ende des Gleichnisses ungerecht verhängt. Baut der Diener selbst an seiner Bremse? Die Angst ist in seinem Leben so bestimmend, dass sie seinen Einsatz blockiert und ein Wagnis nicht zulässt. Buchstäblich in die Erde setzt er sein Talent, seine Möglichkeiten, sein Leben. Man sagt, dass die heute weit verbreitete Krankheit des Burnouts aus dem Innern des Menschen kommt, weil er von sich selbst enttäuscht ist. Diese innere Enttäuschung raubt ihm alle Kräfte und setzt jede innere Dynamik lahm. Nichts läuft mehr.
  4. Der Herr, der auf Geschäftsreisen geht und sein Vermögen in Auftrag gibt, wird als Rolle besonders von denen übernommen, die gern den „Boss“ spielen, die  das Sagen haben, gern organisieren und den anderen zeigen, wo es lang gehen soll. Er wird als „Wirtschaftsmensch“ charakterisiert:
    1. Mit seinem Vermögen soll gearbeitet werden,
    2. Gewinnmaximierung ist das Ziel
    3. Er erntet, wo er nicht gesät hat
    4. Er sammelt, wo er nicht ausgestreut hat

Vor diesem Wirtschaftsmenschen, der seinen Gewinn eintreibt, hat der dritte Diener Angst. Diese Angst lähmt ihn total, so dass er keinen Einsatz wagt. Der Diener hat seinen Herrn nicht verstanden. Er erkennt nicht das in ihn gesetzte Vertrauen, denn er erhält ja auch die hohe Summe von einem Talent. Er verkennt den Herrn, indem er ihn festlegt „auf den strengen Herrn“, der ihm keine Luft zum Atmen lässt. Die anderen beiden Diener dürfen teilnehmen an der Freude ihres Herrn.

Übertragen: Ein Gottesbild, das so Angst besetzt ist, lässt den Menschen nicht frei leben und Leben gestalten.

Kasperle Theater
c by Rolf van Melis in pixelio.de

Im Horizont des „Himmelreiches“

Der Vergleichspunkt des Gleichnisses ist nicht das Verhalten des Herrn, sondern das Verhalten der Diener und zwar hier im Horizont des „Himmelreiches“. Jesus nimmt  öfter in seinen Gleichnissen Beispiele aus dem täglichen Leben seiner damaligen Gesellschaft. Denken wir an den untreuen Knecht, der unter Korruptionsverdacht gerät und bei seiner Kündigung überlegt, was zur Zukunftssicherung für ihn zu tun ist. Er erlässt den Schuldnern seines Herrn einen Teil ihrer Schuld, damit sie sich später ihm gegenüber erkenntlich zeigen. Jesus lobt die Klugheit und die Weitsicht des Knechtes, nicht seine unlauteren Taten. (Lk 16,1-8 ) Jesus stellt fest: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.“

Wie sieht unser Leben und Tun aus im Hinblick auf das Himmelreich? Wo liegt bei uns das Motiv für unseren Einsatz? Denn der Weg des Glaubens im Horizont des Himmels ist gekennzeichnet von „Ungewissheit und Wagnis“ (Peter Wust).

Paulus hat für sich vollen Lebenseinsatz gewagt und dazu gesagt: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.“ (Kol 1, 24). Paulus wusste sich gerufen, gemäß seinen „Talenten“ das Himmelreich mit zu tragen und mit zu gestalten.

P. Konrad Flatau SCJ

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(* Pflichtfeld)

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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