Donnerstag, der 17. Mai 2012

Dehonianischerimpuls 09.10.2011 | Pater Heinz Lau SCJ zum Sonntagsevangelium

"Wir Straßenkinder - sich eingeladen wissen"

Als ich dieses Evangelium mehrfach gelesen habe, erinnerte ich mich unwillkürlich sofort an einen Professor, der damals, als ich im Studium in Freiburg war (1971-76), eine Professur als Psychotherapeut antrat und gleichzeitig ein aufsehen-erregendes Buch veröffentlichte: „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“ von Prof. Dr. Franz Buggle, mit dem Untertitel: „Warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann“. Monatelang sorgte es für heftigen Schlagabtausch, für Podiumsdiskussionen und für eine Flut von kontroversen Leserbriefen. Prof. Buggle kritisierte insbesondere die gewalttätige Seite der jüdisch-christlichen Religion.

Beim Lesen des heutigen Evangeliums erschaudern einige Sätze:

  • andere fielen über die Diener her, misshandelten sie und brachten sie um
  • der zornige König schickt sein Heer, ließ die Mörder töten
  • er legte ihre Stadt in Schutt und Asche
  • er befahl, bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis
  • er wird heulen und mit den Zähnen knirschen

Das Evangelium lese ich also mit einem gewissen Widerwillen.

Doch bei alledem - was will dieses Evangelium sagen?

a. An wen wendet sich Jesus, wer bildet seine Hörerschaft? 

Jesus wendet sich im Tempel an die Hohenpriester und die Ältesten. Trotz ihrer religiösen Führerschaft nehmen sie die Einladung Gottes nicht an. Welch eine Provokation: religiös und fromm zu sein bedeutet noch längst nicht, der Einladung Gottes zu folgen.

b. Das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl – eine Vision, Illusion, Vertröstung?

Uns Erdenbürgern, die wir zu stark mit dieser Welt beschäftigt sind, kommt dieses Bild einer endzeitlichen Vision vom himmlischen Hochzeitsmahl fast wie eine großartige Illusion vor. Menschen, infiziert vom Zeitgeist, sind fast unfähig geworden, der Verheißung Gottes zu vertrauen. Bin ich tief überzeugt, von Gott empfangen und erwartet zu werden – zu einem Gelage, mit den besten Speisen?

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c. Gott ist ein einladender Gott

Wie sich Menschen um den Tisch sammeln zum Mahl, zum Essen, so ist es auch mit Gott und seiner Einladung zum königlichen Hochzeitsmahl. Gott will, daß viele am Mahl teilnehmen, so daß sich der Saal füllt. Gott ist unermüdlich auf der Suche nach dem Menschen. Bin ich als Einzelner, sind wir als Kirche einladend?

d. Die Einladung ausschlagen

Die privilegiert Eingeladenen schlagen ihre Teilnahme aus, sie kümmern sich nicht darum  – aus verschiedenen Gründen: sie gehen auf den Acker, andere kümmern sich um den Laden. Ich frage mich, nehmen meine alltäglichen Geschäftigkeiten, Verpflichtungen überhand, so daß mich die Einladung Jesu nicht mehr erreicht? Wie steht es mit den Menschen in unserem Land, wem gilt ihre Sorge? Ist Jesus Christus aus dem Blickfeld geraten?

e. Mit Jesus Christus ist die „messianische Heilszeit“ angebrochen – die „Herrschaft Gottes“

Zu Jesus kommen gerade nicht die Ersterwarteten, sondern viele Menschen von der Straße und vom Wegrand, die „Straßenkinder“: Arme, Kranke, Blinde, Besessene, Sünder, Ausgegrenzte, Heiden.

f. Die Sorge um mein hochzeitliches Gewand

Der zufällig von der Straße Gerufene konnte sich ja kein hochzeitliches Gewand besorgen. Was heißt das? Beides muß zusammengehen: die Gnade Gottes und mein eigenes Zutun, die göttliche Einladung und meine Einsatz, Gottes Vorausgabe und mein Bemühen.

Gebet:

Jesus, ich habe dich nicht mit meinen eigenen Augen gesehen.

Jesus, ich gehörte nicht zu den Zuhörern deiner Bergpredigt.

Ich war nicht dabei, als du Zachäus vom Baum holtest.

Ich stand nicht dabei, als du der Ehebrecherin vergabst.

Ich saß nicht im Boot, als du den Sturm stilltest.

Ich gehörte nicht zu den Fünftausend, die du satt machtest.

Ich stand nicht an den Straßen Jerusalems,  als du das Kreuz trugst.

Ich gehörte nicht zu den Frauen, die dich als den Auferstandenen sahen.

Ich war damals nicht dabei, aber auch ich will gesund werden.

Ich war nicht dabei, als du die Vielen eingeladen hast, besonders die Sünder,

die Kinder von den Straßen und Zäunen.

Und doch habe ich mich auf dich eingelassen, mich für dich entschieden.

Auch nach zweitausend Jahren möchte ich mich von dir eingeladen wissen.

Ich traue deiner Zusage, deiner Verheißung.

Ich weiß mich von dir eingeladen für dieses Leben

und für das Leben, das kein Ende kennt, wenn du mich an deinen Tisch rufst.

Amen.

                                                                                                P. Heinz Lau SCJ

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(* Pflichtfeld)

Lesungen

Erste Lesung | Apg 10,25-26.34-35.44-48

Zweite Lesung | 1 Joh 4,7-10

Evangelium

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17

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