Donnerstag, der 17. Mai 2012
„Ohne die Haltung der Wachsamkeit macht der Mensch in keinerlei Tugend Fortschritte!“
Wir hier in Freiburg haben in unserem Münster ein besonders schönes „Paradies“, die Eingangshalle zu unserer gotischen Kathedrale. Die Gotik will den Blick dessen, der die Kirche betritt, nach oben richten, zum Himmel. Alle gotischen Kathedralen haben künstlerisch wertvoll gestaltete „Paradiese“, in deren Eingangsbereiche fast immer die zehn Jungfrauen figürlich dargestellt sind, die fünf törichten – mit der Lampe nach unten gerichtet – und die fünf klugen – mit der Lampe nach oben gerichtet. Wenn ich also dieses Gotteshaus betrete, werde ich stets daran erinnert, wachsam, erwartungsvoll zu sein.
Im Evangelium heute: „Mit dem Himmelreich ist es wie… mit zehn Jungfrauen“. Schon wieder ein Vergleich - jetzt mit dem deutlichen Akzent der Erwartung, der Wachsamkeit.
Mich erschrickt, wenn ich Meinungsumfragen anschaue, wo Passanten nach dem Weiterleben nach dem Tod oder nach der Wiederkunft Christi gefragt werden, ob sie auch daran glauben. Die Antworten tendieren fast nach null hin - nicht nur bei säkular Gesinnten, sondern auch unter Christen. Das ist völlig konträr mit der Antwort des Volkes Gottes in der Liturgie auf den Ruf „Geheimnis des Glaubens“ hin: „bis du kommst in Herrlichkeit“?
Zu oft sind Menschen enttäuscht, irre geleitet oder betrogen worden: die frühe Kirche hatte große Probleme damit, daß die Naherwartung (Parusie), die Wiederkunft Jesu Christi noch zu ihren Lebzeiten ausblieb; im Laufe der Jahrhunderte gab es eine unübersehbare Zahl von Sektierern, die das Ende der Welt prophezeiten. Es geschah nicht.
Zum geschichtlichen Hintergrund des heutigen Evangeliums von der Hochzeit des Bräutigams und den zehn Jungfrauen. Die palästinischen Hochzeitsbräuche spielen sich an verschiedenen Plätzen ab:
- Das Haus der Braut. Die Braut wird festlich geschmückt, gekleidet. Ihre besten Freundinnen, zehn ausgewählte Mädchen erwarten den Bräutigam und geben Hochzeitsgeleit.
- Beim Bräutigam - in einem anderen Ort. Dort feilschen die Eltern von Braut und Bräutigam um den Brautpreis, die Mitgift. Je länger die Verhandlungen sich hinziehen, desto höher steigt der Preis; d. h. die Braut wird um so begehrter, schöner, teurer.
- Die Braut und andere warten; vielleicht werden auch Boten geschickt, die die baldige Ankunft anmelden; da gibt es Verzögerungen.
- Und endlich kommt der Bräutigam: Geschrei - Freudentänze – Lichter und Fackel – Tanz und Gesang. Ein fröhliches, ausgelassenes Fest.

- c by IRP Freiburg
Die Haltung der Wachsamkeit – Jesu Christi Wiederkunft erwarten. Wie?
- Ab und zu einen leeren Stuhl in der Wohnung, im Zimmer bereitstellen. Wenn der Messias kommt, dann darf er eintreten und Platz nehmen; ich heiße ihn willkommen
- Im stillen Gebet eine tiefere Freundschaft mit Jesus Christus pflegen, mit Jesus Christus vertraut werden. Ich spüre die Trennung.
- Ehrlichkeit: Wie ist meine existentielle Lebenshaltung? Bin ich eher erwartungslos, dahindümpelnd oder brennt da ein Feuer, eine Leidenschaft in mir?
- Eine gewisse Leere aushalten; ich mache nicht alles voll mit meiner Geschäftigkeit
- Meine Zweifel mit ins Gebet nehmen: „Herr, nehme ich an, daß du mich nicht verwaist zurückgelassen hast, daß du wiederkommst?“
- Das Bild des Pantokrators, des Allherrschers in romanischen Kirchen anschauen, das Bild in meiner Seele wirken lassen.
- Lebe ich etwas von der Erfahrung von Frere Roger Schutz/Taize: „Im Heute Gottes leben!“
- Wie kann ich dem „Öl“, dem Brennen, dem Feuer in meinem Leben einen Namen geben?
- Die Erfahrung der Wüstenväter für heute: Sich den Tod täglich vor Augen stellen
- Der Ausspruch Gorbatschows: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“
Wachsamkeit verändert mich in jeder Beziehung.
Ein Text der Schweizer Ordensschwester, Silja Walter, begleitet mich seit Jahren:
Jemand muß nach dir Ausschau halten Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst?
Herr, jemand muß dich kommen sehen
Durch die Gitter seines Hauses,
durch die Gitter deiner Worte, deiner Werke,
durch die Gitter der Geschichte,
durch die Gitter des Geschehens
immer jetzt und heute in der Welt.
Jemand muß wachen untenan der Brücke,
um deine Antwort zu melden, Herr,
du kommst ja doch in der Nacht wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst. Wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist oft so leichtsinnig,
läuft draußen herum,
und nachts ist sie auch nicht zu Hause.
Denkt sie daran, daß du kommst?
Daß du ihr Herr bist und sicher kommst?
Herr, und jemand muß dich aushalten,
dich ertragen, ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten,
ohne an deinem Kommen zu zweifeln.
Das muß immer jemand tun
Mit allen anderen und für sie. (Silja Walter OSB)
Eigenen Kommentar schreiben:
Evangelium
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes | Joh 15,9-17
Impuls
P. Heinz Lau SCJ zu den Texten des Sonntags
Gottesdienste
Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer
SCJ Aktuell
Das Archiv

Druckansicht
Weiterempfehlen






