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"Keiner will uns haben"

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ über seine Erfahrungen mit Religionsunterricht am Hans-Sachs-Berufskolleg

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ

"Wozu haben wir eigentlich Religionsunterricht an der Berufsschule?" – "Das hat doch mit unserer Berufsausbildung gar nichts zu tun. Die Zeit könnten wir viel besser für die Vorbereitung auf unsere fachlichen Prüfungen verwenden!" So und ähnlich fragen viele Jugendliche, die sich erstaunt zeigen, dass, bei nur einem Berufsschultag in der Woche, dennoch Religion in der Stundentafel auftaucht. Meine Antwort darauf lautet einfach: "Weil die Betriebe Menschen einstellen wollen und keine Maschinen, darum haben Sie Religion." Und weiter: "Viele Arbeiten können von Maschinen erledigt werden, manchmal sogar besser, schneller und ohne Pause. Aber einiges können Maschinen nicht. Sie sind nicht kreativ und erfinderisch, können also nichts verbessern und vor Allem übernehmen Maschinen keine Verantwortung für das, was sie tun. Maschinen können keine qualifizierten Entscheidungen treffen, das können nur Menschen. Darum ist Berufsausbildung Bildung von Menschen und nicht nur einseitiges Training mit dem Ziel, das Arbeitstempo und die Geschicklichkeit zu erhöhen. Ähnlich wie die Schulbildung hat die Berufsausbildung den ganzen Menschen im Blick.

Jeden Einzelnen ansprechen

Ein Beispiel aus einer Religionsstunde an der Berufsschule. Unterricht in einer so genannten Jungarbeiterklasse. Berufsschulpflichtige Schüler ohne Ausbildungsverhältnis, ohne qualifizierten Schulabschluss, mit schlechten Aussichten auf einem Arbeitsmarkt, der einfachen, angelernten Arbeitern kaum noch Anstellungsmöglichkeiten bietet. Schüler, die von sich selbst manchmal sagen: "Keiner will uns haben." Entsprechend schlecht motiviert und undiszipliniert geht es in der Klasse zu. Die Schüler kommen zu spät in die Stunde, lümmeln sich auf ihren Platz und hören laute Musik über Kopfhörer. Jeder Einzelne will angesprochen und eingeladen werden, sich am Unterricht zu beteiligen. Viel Zeit nimmt dieses Ankommen in der Klasse in Anspruch. Es ist eine "anspruchsvolle Atmosphäre". In dieser Unübersichtlichkeit bietet mir ein Schüler eines seiner Brötchen an, die er gerade in der Pause gekauft hat.

Ich frage nach, womit es belegt ist, will etwas Zeit gewinnen, um einschätzen zu können, ob hinter dem Angebot ein Scherz versteckt ist. Er antwortet, dass es nur ein unbelegtes Käsebrötchen sei. Er sei satt und hätte diese Brötchen übrig. Ich nehme das Brötchen an, bedanke mich und teile mit der Bemerkung, dass mir das große Brötchen im Moment zu viel sei, weil ich gerade mein Pausenbrot gegessen habe, das Brötchen in zwei Hälften. Dann frage ich nach ob jemand anderes Interesse hat. Tatsächlich meldet sich einer und danach noch ein weiterer. Das Brötchen wird mehrfach geteilt und gemeinsam gegessen. Gleichzeitig mit dem gemeinsamen Essen des Brötchens wird es plötzlich ruhig in de Klasse. Die Atmosphäre verändert sich beim Brechen des Brotes. Es entwickelt sich ein persönliches Gespräch. Ein Erlebnis, das mir wie eine Eucharistie-Katechese vorkam: Mit dem Brotbrechen entsteht plötzlich Gemeinschaft.

Mit Jugendlichen das Leben deuten

Im Religionsunterricht biete ich den Jugendlichen an, den Alltag und das Leben zu deuten, sich und dem Leben eine Bedeutung zu bewahren. Dabei ist mein Glaube und mein Lebensentwurf als Ordensmann eine Möglichkeit, die für mich stimmt und meinen Schülern ein Motivation ist, den eigenen Lebensentwurf zu deuten, auch hinsichtlich der  Frage, ob Religion für ihr Leben eine Bedeutung haben kann.

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