Leben in der Gemeinschaft
"Das Priesterhilfswerk und die Gewerkschaft"
De lüttke Paoter: Bruder Bonifatius Berger SCJ (1871-1937)
„Er war einfach zu fromm, um lange böse zu sein.“ So urteilt einer seiner Schüler über Bruder Gerhard Berger. Gerhard Berger, aus der Ortschaft Hamm bei Haselünne, legte 1904 in Clairefontaine (Belgien) die Ordensgelübde ab und nahm den Ordensnamen „Bonifatius“ an.
1921 wurde Bruder Bonifatius nach Handrup versetzt, um sich zusammen mit Pater Stanislaus Loh um die Gründung einer Missionsschule zu bemühen. Auf einer Zugfahrt erfuhr er im Gespräch mit dem Bauern Giese aus Handrup vom Plan, dort eine eigene Kirche zu errichten. Für Bruder Bonifatius war klar: Das war seine Chance, um endlich die Schule zu gründen.
Zwar mussten einige Verhandlungen geführt werden, doch Bruder Bonifatius verlor nie sein Ziel aus den Augen. Und so begannen schließlich 1921 die Bauarbeiten, im Laufe der Zeit wurde die Anlage beständig erweitert. Bruder Bonifatius kümmerte sich währenddessen um die „Werbung“: Er besuchte unzählige Orte und versuchte, Schüler zu gewinnen und sie auf das Priestertum einzustimmen.
Die Leute, denen er begegnete, waren von Bruder Bonifatius’ Auftreten fasziniert. Zwar war er nur von kleiner Gestalt, doch strahlte er in seinem Ordenskleid eine ihm eigene Würde aus, sodass er bald liebevoll „De lüttke Paoter“ („der kleine Pater)“ genannt wurde. In der Chronik der Herz-Jesu-Priester ist über ihn zu lesen: „Eine erstaunlich große Zahl von Schülern ist durch ihn auf seinen Reisen auf den Weg des Priestertums geführt worden – er nannte sie gern die Edelsteine in seiner Krone. Er war ein kleines Priesterhilfswerk für sich.“
Die Hälfte seines Ordenslebens widmete sich Bruder Bonifatius der Schule, bis er 1937 sein eifriges Leben in Gottes Hände legte. Er wurde als erster Herz-Jesu-Priester auf dem Klosterfriedhof von Handrup beigesetzt. Auf seinem Gedenkzettel stand: „Auf dich, o Herz Jesu, habe ich gehofft, in Ewigkeit werde ich nicht zuschanden werden.“
„Eine erstaunlich große Zahl von Schülern ist durch ihn auf den Weg des Priestertums geführt worden – er nannte sie die Edelsteine in seiner Krone. Er war ein kleines Priesterhilfswerk für sich.“So lautete ein Eintrag in der Chronik über Bruder Bonifatius.

- Bruder Gabriel Primus SCJ (links) und Bruder Bonifatius Berger SCJ (rechts)
Hausmeister Gottes: Bruder Gabriel Primus SCJ (1907-1995)
Sein Nachruf sagt: „Liebevoll wurde er zuweilen die ‚Gewerkschaft‘ des Hauses genannt.“ Bruder Gabriel, in Duisburg-Ruhrort geboren, verlor mit vier seine Eltern, wurde adoptiert und wuchs im Bergwerksmilieu auf.
Später schloss er sich den Herz-Jesu-Priestern in Sittard an, wo er nach seiner Gelübdeablegung 1925 als Hausmeister der Gemeinschaft diente. Danach sorgte er im Studienhaus in Freiburg für „technische“ Ordnung, wo er durch seine Schlichtheit und Ehrlichkeit, tiefe Gläubigkeit und Lebensfreude besonders für die jugendlichen Mitbrüder ein große Vorbild war.
Unermüdlich trat Bruder Gabriel für die einfachen Menschen ein, er fühlte sich ihnen besonders verbunden. Seine musikalische Begabung entfaltete er an der Orgel, mit der er lange jeden Tag die Gläubigen in den Gottesdiensten begleitete. Das Besondere: Bruder Gabriel verdoppelte seine Talente nicht nur. Er vervielfachte sie sogar und wurde zum Faktotum: im wörtlichen Sinne von „Tu alles.“
Bruder Gabriels Motto lautete: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Seine Zeit war 1995 gekommen, als er nach kurzer Krankheit verstarb.

- Pater Johannes Burzinski SCJ
Seelsorger mit Opfermut: Pater Johannes Burzinski SCJ (1913-1992)
„Der Kommunismus ist tot; es steht nur noch das Gerippe!“ So antwortete Pater Johannes Burzinski auf die Frage, wie es mit dem Kommunismus in der DDR stehe – und zwar 1984.
Pater Burzinski aus Kamp-Lintfort trat 1932 den Dehonianern bei und wurde 1939 zum Priester geweiht. Während des II. Weltkrieges war er Seelsorger im Sudetenland. 1946 wurde er vertrieben und zog in die Nähe von Magdeburg. Der Berliner Bischof Wilhelm Westkamp suchte „Seelsorger mit Opfermut,“ die Aufgaben in der Diaspora waren gewaltig. Pater Burzinski nahm die Last auf sich, und wirkte 40 Jahre lang in Grimmen, im Dekanat Stralsund. Das Gebiet war riesig, aber nur 800 Katholiken hielten am Glauben fest.
Der Kommunismus kannte keinen Gott, Pater Burzinski stellte sich dem Regime. Zum goldenen Priesterjubiläum 1989 beschrieb die Berliner Kirchenzeitung sein Leben unter der Überschrift „Lebenslang Diaspora“ als „eine Art Einlass auf ein Abenteuer.“ Seine letzten Jahre nach der Wiedervereinigung verbrachte Pater Burzinski in Oranienburg – den Kommunismus hatte er schon lange im Glauben überwunden.
Pater Bernd Bothe SCJ
"Seelsorger, Märtyrer und Hausmeister": Seite 1 über die prägenden Persönlichkeiten der Deutschen Provinz
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