Gemeinschaft
Seelsorger, Märtyrer und Hausmeister
Personen machen Geschichte. So ist es auch bei der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester. Eigentlich hat jeder Mitbruder die Gemeinschaft durch seine Arbeit geprägt. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums stellen wir Persönlichkeiten vor, die der Provinz auf besondere Weise gedient haben

- Pater Dr. Heinrich Middendorf SCJ
Gerechter unter den Völkern: Pater Dr. Heinrich Middendorf SCJ (1898-1972)
„Überhaupt rief sein unerbittlich redliches Wesen in jedem Menschen, der ihm gegenübertrat, eine kleine Unsicherheit hervor, denn keiner von allen wusste sich in seinem eigenen Innern wirklich rein; dieser Mann aber war es.“ So urteilt Lotte Paepcke über Pater Middendorf – über den Mann, der sie vor den Nazis rettete.
Der gebürtige Emsländer wurde 1923 zum Priester geweiht. Von 1938 bis 1946 war er Rektor des Missionshauses Stegen bei Freiburg, dem heutigen Gymnasium Kolleg St. Sebastian. Während der Schrecken des Naziregimes zeigte Pater Middendorf ein beeindruckendes Beispiel christlicher Nächstenliebe: Er bot mehr als 150 Flüchtlingen Schutz auf dem Klostergelände und versteckte unter ihnen neun Menschen jüdischer Abstammung: die Geschwister Dieter und Eva Bachenheimer sowie Heinz-Kasimir und Helga Karmiol, Irmgard Giessler und Tochter Ursula, Lotte Paepcke mit Sohn Peter sowie Gerhard Zacharias.
Für diese Tat erhielt Pater Middendorf 1994 als erster katholischer deutscher Priester von Israel den Titel „Gerechter unter den Völkern.“ In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt ihn eine eigene Tafel. Dabei hatte der spätere Generalrat und Missionar im Kongo nie von dieser Rettungsaktion erzählt. Erst durch Nachforschungen wurde der Mut des Herz-Jesu-Priesters bekannt.
Pater Middendorf starb 1972 während eines Aufenthaltes in der Heimat. Sein Ableben kam überraschend – auch mit 73 Jahren war Pater Middendorf noch voller Tatendrang gewesen.
„Es gab sicher viele, die mehr hätten tun können. Doch nicht jeder hatte den Mut wie Pater Middendorf, der sein Leben, seine Freiheit und seine Gesundheit riskiert hat.“ Ignatz Bubis, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrates der Juden

- Seliger Johannes Maria vom Kreuz SCJ
Sieger für Christus: Seliger Johannes Maria vom Kreuz SCJ (1891-1936)
„Das ist ein altmodischer Alter“, sagten die Brandstifter, als Pater Johannes gegen die Schändung der Kirche „Heiliger Johannes“ in Valencia protestierte. „Nein! Ich bin Priester“, antwortete er. Die Kirchenschänder zeigten sich unbeeindruckt – der Mann Gottes wurde verhaftet, eingesperrt und später in aller Heimlichkeit ermordet.
Mariano García Méndez war bereits Priester der Diözese Avila, ehe er in den Orden der deutschen Herz-Jesu-Priester in Puente la Reina eintrat. Zuvor hatte er drei Versuche unternommen, Ordenspriester zu werden. Méndez wählte als Ordensnamen „Johannes Maria vom Kreuz.“ Pater Johannes wurde mit der schwierigen Aufgabe betraut, als Bettelpriester über das Land zu ziehen und unter den Jugendlichen Priesterkandidaten für die Gemeinschaft zu werben – eine wichtige aber auch unglaublich belastende Mission.
Während er im Kloster zu Garaballa (Cuenca) sich von den Strapazen erholte, brach am 18. Juli 1936 der Spanische Bürgerkrieg aus. Nach der Auflösung des Klosters floh der Herz-Jesu-Priester nach Valencia. Hier stand er fest zu seinem Glauben und stellte sich offen gegen die Kirchenschändung. Für seinen Mut sperrte man ihn im Gefängnis Modelo ein.
Am 23. August wurde er erschossen. Seine Mörder verscharrten den Leichnam auf dem Friedhof von Silla in einem Massengrab. Am 11. März 2001 wurde Pater Johannes von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
"Das Priesterhilfswerk und die Gewerkschaft": Seite 2 über prägende Persönlichkeiten der Deutschen Provinz
Prägende Personen II
Landwirt, Lehrer und Lastenträger
Geschichte der Mission
Herz-Jesu-Priester im Ausland
Aufbruch und Abschied
Ehemalige Projekte und Häuser
Im Vertrauen auf Gott
Gründung der Deutschen Provinz
Leben in der Gemeinschaft
Das Archiv mit allen Geschichten

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