Leben in der Gemeinschaft

Dehonianer unterwegs | Bruder Markus Mönch in Chicago

Immer locker in "Windy City"

In sechs Monaten kann man Tango-Tanzen lernen und die EU-Ratspräsidentschaft hinter sich bringen. Oder man geht wie Bruder Markus Mönch nach Amerika und lernt dort eine völlig neue Art zu glauben kennen.

Achtspurige Autobahnen. Ein ethnischer Schmelztiegel von fast drei Millionen Einwohnern. Böige Winde und dennoch unglaublich sticke Luft: Chicago selbst kann schon ein Kulturschock sein. Vor allem für jemanden, der aus einem 300-Seelen-Dorf in der Eifel stammt. Wie Pater Markus Mönch SCJ. Doch diese Eindrücke waren für ihn noch das Gewöhnlichste.

Als der deutsche Herz-Jesu-Priester am 1. Januar letzten Jahres die Landebahn in Chicago hinter sich lässt, ist er voller Ungewissheit. Vor allem die Frage der Verständigung bereitet ihm Unbehagen. Für die erste Erfahrung indes benötigt er keine Worte, Bruder Markus bekommt einen Crashkurs in Sachen amerikanisches Lockerheit: Der Beamte am Zoll nimmt seinen Pass. Er sieht ihn an und meint in breitem Kauderwelsch: „Hey Markus!“ 

Der berühmte „American way of life“  bleibt fortan der vorherrschende Eindruck: „Man geht offener miteinander um. Wenn du in die Kirche gehst, wirst du am Eingang immer freundlich begrüßt und eingeladen, die Messe mit zu feiern“, schwärmt Bruder Markus. Auch die Messen selber sind unglaublich herzlich – vor allem aber sehr emotional. Das beginnt bei den Liedern und endet beim Kaffeetrinken nach der Messe. Gottesdienst als genau getimte Pflicht zwischen Frühstück und Mittagessen gibt es hier nicht. „Egal ob Sport, Fernsehen oder eben Gottesdienst: In Amerika muss immer etwas für das Herz dabei sein“, meint Bruder Markus.

"In Amerika muss immer etwas für das Herz dabei sein“

Dabei ist die Gottesdienstpraxis keine reine Gefühlsduselei. Egal ob Predigt oder Seelsorge: Die Amerikaner wollen stets etwas Handfestes. Moralisieren ist zumeist out – etwas überraschend, denkt man an Polemiker wie „Pat“ Robertson. Bruder Markus erfährt so schon nach wenigen Tagen, dass die Predigt ein Stück Lebensberatung sein muss. Und theologische Spekulationen weniger gefragt sind. Der Glaube soll möglichst greifbar sein. „Pragmatismus“ heißt das oberste Gebot.

Die USA gelten als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Der Freiheitsgedanke scheint den Menschen mit der ersten Cola an eingetrichtert. „Freiheit“ wird als Unabhängigkeit, noch mehr als Individualisierung verstanden. Das gilt auch für die Ordensgemeinschaft. Bruder Mönch lebt mit einem Bruder in einer eigenen Wohneinheit, die Mitbrüder trifft man ungezwungen. Dazu völlig im Gegensatz: „Draußen“ sind die Ordenslaute sehr fest in die Gesellschaft integriert. Man arbeitet direkt in den Pfarreien, ist präsent im Alltag.

„Wir in Deutschland müssen uns vor niemanden verstecken!“: Seite 2 über die Erfahrungen in den USA von Bruder Markus Mönch

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