Leben in der Gemeinschaft
Wachstum und Wüste
Eine erste Heimat in Krefeld
In einem Rundbrief vom 13. Januar 1909 gab Pater Leo Dehon die Zustimmung des Heiligen Stuhls bekannt und zählte die Staaten auf, die zur jeweiligen Provinz gehören sollten. Die Ostprovinz umfasste demnach die Länder Deutschland, Österreich, Schweiz und die Missionen in Südbrasilien. Im Jahr 1911 wurde die Ostprovinz in Deutsche Provinz umbenannt. Dazu gehörten: in den Niederlanden die Missionsschule in Sittard, in Luxemburg das Scholastikat in Fünfbrunnen, weitere Niederlassungen in Luxemburg/Stadt, ferner in Österreich – zunächst in Böhmen (Eichwald, Eger, Teplitz-Schönau), dann die Pfarrei Hl. Geist in Wien. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es aber immer noch kein Haus im Deutschen Kaiserreich.
Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen, in vielen deutschen Diözesen ein Haus zu finden und die Erlaubnis für eine Niederlassung zu erlangen, glückte endlich eines der Vorhaben.
Rasantes und schnelles Wachstum
„Einen kleinen Koffer in der einen, eine Schreibmaschine in der anderen Hand, zehn Mark in der Tasche, so bin ich in Krefeld angekommen“, berichtete Missionsprokurator Pater Dr. Franz Demont in seinen persönlichen Aufzeichungen von seinem Umzug von Sittard nach Krefeld am 14. Juni 1912. Ein Mietshaus in Krefeld, das 1912 als Geschäftsstelle der Missionsprokura Sittard für die Kamerunmission eingerichtet wurde, war somit die erste Wirkungsstätte der Herz-Jesu-Priester in Deutschland. Die Geschäftsstelle oder Missionsprokura in Krefeld hatte die spezielle Aufgabe, die Mission mit allem zu versorgen, was zum Unterhalt der Missionare, der Neubekehrten und ihrer Kinder nötig war. Von Krefeld aus wurden häufig – dank einer guten Infrastruktur – viele Hilfssendungen verschickt.
Erst als 1917 das Jesuitengesetz außer Kraft gesetzt wurde, konnten sich deutsche Ordensleute, die apostolisch tätig waren, in ihrer Heimat niederlassen. Damit wurde eine neue Ausbreitung des Ordenslebens auf deutschem Boden ermöglicht.
Ab 1920 begann das Ordensleben aufzublühen. Die beiden Niederlassungen in Handrup und Neustadt wurden errichtet, das Studienhaus für die Priesterausbildung zog von Luxemburg nach Sayn am Rhein um. In Handrup wurden eine Pfarrei gegründet und eine Missionsschule eröffnet. Bis zum Jahr 1930 kamen die Niederlassungen in Düsseldorf, Freiburg, Martental und Stegen hinzu, außerdem die beiden Seelsorgestellen in Berlin und Düsseldorf.

- Im Studienhaus in Sayn am Rhein fand in den Anfängen der Deutschen Provinz die Priesterausbildung statt
Nach Aussaat und kurzer Blüte (im Jahr 1932 zählte die Deutsche Provinz bereits 430 Mitglieder und 53 Novizen) folgte schon bald die nächste Wüstenzeit. Die kirchenfeindlichen Ziele des Naziregimes machten vor den Orden nicht halt. In den Devisenprozessen ab 1935, in den Sittlichkeitsprozessen ab 1936 und im Klostersturm ab 1941 wurde versucht, das Ordensleben auszulöschen. Die Beschlagnahmung und Belegung der Klöster machte viele Mitbrüder zu Flüchtlingen im eigenen Land. Viele Brüder und junge Patres wurden zum Wehrdienst einberufen – 18 Mitbrüder kamen an den Fronten des Zweiten Weltkriegs ums Leben.
Beitrag für Kirche und Gesellschaft
Die ersten Jahrzehnte der Deutschen Ordensprovinz zeichneten sich aus durch echte Pionierarbeit, zahlreiche Rückschläge und mühsame Verhandlungen. Aber auch durch hoffnungsvolle Bauprojekte und unzählige Menschen, die den Mitbrüdern unterstützend in allen Schwierigkeiten zur Seite standen. So gelang es allmählich Fuß zu fassen und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um Klöster und Ausbildungseinrichtungen zu gründen, die nicht nur der Ordensgemeinschaft als geistige und geistliche Zentren dienten, sondern auch einen Beitrag für Kirche und Gesellschaft leisteten und dies an vielen Orten bis heute tun.
Pater Mario Kaufmann SCJ
"Geduldig und im Vertrauen auf Gott": Seite 1 über die Anfänge der Herz-Jesu-Priester in Deutschland![]()
Eigenen Kommentar schreiben:
Prägende Personen I
Seelsorger, Märtyrer und Hausmeister
Prägende Personen II
Landwirt, Lehrer und Lastenträger
Geschichte der Mission
Herz-Jesu-Priester im Ausland
Aufbruch und Abschied
Ehemalige Projekte und Häuser
Leben in der Gemeinschaft
Das Archiv mit allen Geschichten

Druckansicht
Weiterempfehlen






