Gemeinschaft
"Ohne Aufmerksamkeit geht es nicht"
Zu Beginn des Augusts gab es in der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester viele Veränderungen. Eine betrifft das Amt des Novizenmeisters. In Zukunft wird Pater Heinz Lau SCJ für das Ausbildungshaus in Freiburg zuständig sein, er gibt seinen Posten als Rektor in Neustadt auf. Im Interview erzählt Pater Lau, was er erreichen will, worauf er Wert legt und warum er eigentlich das Wort "Novizenmeister" überhaupt nicht mag.
Dein Reich komme: Pater Heinz Lau, Sie sind von Neustadt nach Freiburg umgezogen und haben Ihre Aufgabe als Rektor mit dem Amt des Novizenmeisters getauscht. Wie geht es Ihnen nach diesen vielen Veränderungen?
Pater Heinz Lau SCJ: Die letzten Monate und Tage waren schon stressig. Aber jetzt freue ich mich sehr auf die kommenden Herausforderungen.
?: Wann haben Sie von Ihrer neuen Aufgabe erfahren?
!: Ende März oder Anfang April. Ich habe zuvor nichts geahnt und daher war es für mich eine überraschende Entwicklung. In positiver wie in negativer Hinsicht. Denn auf der einen Seite wäre ich sehr gerne in Neustadt geblieben. Die Menschen dort und die Arbeit im Bildungs-und Exerzitienhaus haben mich sehr bereichert. Ich war gerne dort. Aber ich weiß, dass es bei meiner neuen Aufgabe als Novizenmeister um die Zukunft unserer Gemeinschaft geht. Und das ist im Moment wichtiger.
?: Spüren Sie deshalb eine besondere Verantwortung auf Ihren Schultern? Schließlich kennen Sie Ihr Amt, Sie waren schon einmal Novizenmeister.
!: Eines vorweg: Ich mag das Wort "Novizenmeister" nicht sonderlich gerne. "Denn nur einer ist euer Meister", so heißt es in der Bibel. Natürlich bringt meine neue Aufgabe Verantwortung mit sich und vielleicht auch hohen Erwartungsdruck. Vor allem muss ich nahe bei und für die Menschen da sein. Das Entscheidende ist bei alle dem immer Christus selber.
?: Und was sind Ihre genauen Aufgaben?
!: Ich bin zunächst einmal der geistliche Begleiter für die junge Menschen, die zu uns kommen. In ihrer Begleitung muss ich gut abgewogene Entscheidungen treffen: Rate ich jemanden zu einem Leben bei uns oder ist sein Weg vielleicht ein anderer? Grundlage dafür sind natürlich in erster Linie regelmäßige Gespräche. Wenn ich merke, dass die innere Sehnsucht des anderen in Wirklichkeit auf etwas anderes und nicht auf unsere Gemeinschaft abzielt. Ich bin nur Begleiter. Die Entscheidung muss jeder selber treffen.
?: Gibt es Dinge, die Sie sich besonders für Ihre neue Aufgabe vorgenommen haben?
!: Von der Provinzleitung her haben wir ein neues Konzept entwickelt, dass wir umsetzen wollen. Das bedeutet einmal, dass wir jungen Menschen eine besondere Gastfreundschaft bieten möchten. Wir wollen als Gemeinschaft attraktiv für Suchende und Interessierte sein. Dazu gehört, dass wir vor Ort präsent sind. Ferner, dass wir Freude für gute Liturgie wecken. Eines habe ich mir ganz persönlich vorgenommen: Wir müssen den Mut entwickeln, auf gute Leute zu zugehen. Mir persönlich ist wichtig, unser Ordensleben authentisch und offen zu leben. Und so hoffe ich, dass wir einladend wirken.
?: Welche Eigenschaften möchten Sie bei jungen Menschen besonders fördern?
!: In erster Linie die stimmiges geistliches Leben, Eifer für die Sendung und Beziehungsfähigkeit. Wir müssen mit anderen Menschen täglich umgehen können. Das ist für mich wichtig. Dann sollten die Novizen offen für Neues sein. Es wäre schlecht, wenn sie das Kloster nur als Nest begreifen. Sie müssen stattdessen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und Interesse zeigen an sozialen und politischen Fragen. Wer sich einfach zurückziehen und eine kleine Nische nur für sich haben will, ist bei uns falsch.
"Die Freude, mit der der Glaube in Indien gelebt wird, könnte uns als Vorbild dienen."
?: Eine ganz besondere Station in Ihrem Ordensleben liegt etwa vier Jahr zurück. Sie waren in Indien und haben auch dort als Novizenmeister junge Menschen ausgebildet. Gibt es Unterschiede, wie man in Indien und in Deutschland das Amt des Novizenmeisters ausübt?
!: Ja. Der größte Unterschied besteht in der Rolle des Novizenmeisters selber. Dort ist er wirklich "Meister". Meistens lebt er allein mit den Novizen, sie konzentrieren sich nur auf ihn. Das Element einer Ausbildungskommunität fehlt völlig. Ich habe das als ein bedauerliches Manko erlebt. Ein anderer Punkt: Die Liturgie wird ganz besonders gefeiert. Das hat wiederum mich beeindruckt. Die Freude, mit der der Glaube in Indien gelebt wird, könnte uns als Vorbild dienen.
?: Ist das etwas, was Sie in Ihrer zweiten Amtszeit stärker vorleben wollen?
!: Ja. Ich möchte mit den Novizen gute geistliche Übungen machen, besonders im Sinne des heiligen Ignatius von Loyola. Man muss unter anderem die Fähigkeit üben, es bei sich und in der Stille auszuhalten. Wer es mit sich selber nicht aushält, wird es auch nur schwer bei anderen aushalten.
?: Gibt es einen Begriff, der Ihre Arbeit und Ihr Anliegen auf einen Punkt bringt?
!: Das ist natürlich schwierig. Aber am ehesten kann das der Begriff der "Aufmerksamkeit". Ich selber muss aufmerksam auf die Novizen und interessierten Menschen zugehen. Ich muss ihre Bedürfnisse und Sehnsüchte spüren, darf mich nicht verschließen. Das will ich auch den Novizen vermitteln. Wir sollen für die Menschen da sein. Es nützt nichts, zu den Menschen zu gehen – wie das Pater Dehon forderte – wenn ich dann nicht auch aufmerksam und offen für sie bin. Das ist auch die Gesinnung Jesu. Er geht auf den Marktplatz, ist interessiert an den Nöten der Menschen. Und letztlich gilt die Aufmerksamkeit auch Gott und uns selber gegenüber. Wir müssen horchen, damit wir ihn hören. Wir müssen für uns selber aufmerksam sein, damit wir den Anruf Gottes in uns spüren. Ohne Aufmerksamkeit geht es nicht – "Aufmerksamkeit ist die Frömmigkeit der Seele" (Simone Veil).
Das Interview führte Simon Biallowons
Erste Kontakte
Mein Weg in den Orden
Noviziat
Die Ausbildung zum Ordensmann
Beruf und Studium
Vom Bankschalter ins Kloster
Gelübde
Mitbrüder über ihre Profess
Bruder oder Pater?
Was hinter den beiden Bezeichnungen steckt

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