Sonntag, der 28. August 2016
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Jacinto Weizmann in der Berliner Klosterkirche (c) Nowak/scj

Pater Weizenmann aus Brasilien ist zurück

„Ich freue mich auf diese Aufgabe“

Pater Jacinto Weizenmann SCJ ist Herz-Jesu-Priester aus Brasilien und ist seit fast 30 Jahren Priester. Der heute 59-jährige Ordensmann war schon von 2001 bis 2012 in Deutschland tätig und leitete u.a. eine Gemeinde in Rheinland-Pfalz, in der Nähe des Herz-Jesu-Klosters Martental. Seit April ist Pater Weizenmann zurück in Deutschland und unterstützt die Berliner Kommunität. Dieser Tage übernimmt er die Gemeinde Corpus Christi in Prenzlauer-Berg als Pfarradministrator von Pater Markus Mönch. Im Gespräch mit „Dein Reich komme“ spricht er über seine neuen Aufgaben und wie ihm Berlin gefällt.

Nach über zehn Jahren in Deutschland waren Sie keine vier Jahre zurück in Brasilien. Nun sind Sie wieder hier. Hatten Sie Fernweh nach Deutschland?

Pater Jacinto: Als ich 2001 nach Deutschland gekommen bin, wollte ich nur fünf Jahre bleiben. Daraus wurden zwölf. Meine Familie und die brasilianischen Mitbrüder haben immer wieder gefragt, ob ich noch zurückkomme. Und als ich dann dort war, musste ich erfahren, dass ich meine Familie genauso oft sehe, als wenn ich hier bin: einmal im Jahr. Vor einigen Monaten dann, noch in Brasilien, habe ich mit einigen deutschen Mitbrüdern gemailt. Einer scherzte, komm´ doch zurück und werde unser Provinzial. Ich erwiderte, über das Zurückkommen können wir sprechen. Daran, dass ich dann in Berlin gelandet bin, hat Pater Tarcisio Darrós Feldhaus SCJ einen großen Anteil. Er brauchte einen brasilianischen Mitbruder, der ihn in der portugiesischsprachigen Gemeinde vertritt.

Aber jetzt übernehmen Sie gleich die deutschsprachige Gemeinde…

In der Pfarrei bin ich Administrator. Ich freue mich sehr auf die Arbeit in der Gemeinde, darin reinzuwachsen und gemeinsam mit der Gemeinde etwas zu tun. Ich war schon fünf Jahre lang Pfarrer und kenne die Herausforderungen ein wenig. Aber die Erfahrung dort in Rheinland-Pfalz waren andere. Die Gemeinde war dort sehr ländlich und zu 98 Prozent katholisch. Hier ist das komplett anders. Eine Stadt und säkularisiert. Andererseits gibt es hier Anziehungspunkte, die wir wahrnehmen können, etwa die muttersprachlichen Gemeinden, die Suchenden-Pastoral, das Herz-Jesu-Kloster und die „Stammgemeinde“.

Haben Sie schon Pläne bezüglich der Gemeinde?

Ich muss erstmal die Menschen kennenlernen. Und auch die Gemeinde muss sehen, mit wem sie hier zu tun hat (lacht). Ich komme mitten in die Zeit des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“. Da muss ich noch reinwachsen. Spannend finde ich die Frage: „Wie können wir als christliche Gemeinde unseren Glauben zeigen und auf unser Profil achten?“ Und am 17. September ist schon der Startgottesdienst in die Entwicklungsphase mit dem Erzbischof Heiner Koch.

Der Erzbischof ist ein Jahr im Amt in Berlin, Sie selbst seit einem halben Jahr in der Stadt. Wie kommen Sie zu Recht?

Berlin ist zwar eine Stadt, aber anders als São Paulo, wo ich vorher war. Und zwar in allem. Nicht so stressig, viel ruhiger. Hier gibt es viele Parks, viel Grün. Der Straßenverkehr gut geregelt und man kommt gut überall hin, auch ohne Auto. Bisher musste ich nur sehr selten mit dem Auto fahren. Berlin ist aber auch multikulturell, das sieht man überall. Ich höre oft auf der Straße, dass anders gesprochen wird. Wenn ich in der Straßenbahn bin, höre ich oft Portugiesisch, Englisch, Türkisch. Und manchmal auch Deutsch (lacht).

Apropos Sprachen. Ihr Deutsch ist akzentfrei, vielleicht mit einem kleinen süddeutschen Einschlag. Und Sie sind Brasilianer. Wie kommt das?

Meine Vorfahren waren Deutsche, die Anfang des 17. Jahrhunderts nach Brasilien ausgewandert sind. Bei uns in der Familie spricht man daher Deutsch oder eher einen Dialekt. Wir nennen es ‚Hunsrückisch’, denn aus dieser Region kamen die Siedler. Als ich zur Schule ging, konnte ich nur diesen Dialekt, kein Portugiesisch. Mit meiner Mutter und meinem Vater haben wir Geschwister, von denen ich noch Acht habe, nur Deutsch gesprochen und übrigens auch gebetet…

…jetzt werden Sie das wieder tun, mit einer deutschsprachigen Gemeinde…

…ich freue mich auf diese Aufgabe, ehrlich. Und was mich stärkt, dass wir im Kloster in der Gemeinschaft so gut zurechtkommen. Ich hatte von April eine Art Phase zum Einleben in der Kommunität. Denn für uns Ordensleute ist es wichtig, dass wir miteinander leben können. Das braucht auch Übung. Mit unseren Verschiedenheiten miteinander klar kommen und auch miteinander Freude haben. Etwa beim Fußball und das EM-Schauen war ein kleiner ein Test.

Das Gespräch führte Markus Nowak

Gottesdienste

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