Donnerstag, der 23. Februar 2017
Zur Wahl des Papstes, den 13. März 2013 | Jorge Maria Bergoglio wird zu Papst Franziskus gewählt.

Wir haben einen neuen Papst – erste Worte, erste Gesten

Gestern, am 13.03.2013 war es soweit: Habemus Papam! Im fünften Wahlgang des Konklave 2013 wurde Jorge Maria Bergoglio zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Ein Kommentar von Pater Stefan Tertünte SCJ zur Wahl des neuen Heiligen Vaters.

Der neue Papst kommt aus Argentinien (Foto:scj.de)
Der neue Papst kommt aus Argentinien (Foto:scj.de)

Gewiss: Man soll nicht zuviel in die ersten Minuten eines beginnenden Pontifikates hineinlesen. Dennoch: Die Akzente waren mit Bedacht gewählt und sollten eine Botschaft nicht nur an die katholische Welt senden, die gebannt auf die Loggia des Petersdomes schaute. So trat denn am Abend des 13. März 2013 zum ersten Mal in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche ein Lateinamerikaner und zumal ein Jesuit als Franziskus in das Rampenlicht der Welt. Und Jorge Maria Bergoglio tat dies nicht mit brokatgewirkter Stola über den Schultern und einem purpurnen Überwurf, sondern schlicht in weißer Soutane. Und auch die Worte, mit denen er über sich und sein Amt sprach, waren vielsagend: Den Bischof von Rom habe das Konklave gewählt, gemeinsam wolle er, Bischof und Volk zusammen einen Weg beginnen, und noch einmal: Er, der Bischof „der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen“. Kein einziges Mal erwähnte er das Wort ‚Papst’. Viel war im Vorfeld des Konklaves die Rede von der notwendigen Kurienreform, ausdrücklich wurde auch das Verhältnis des Papstes zu den Ortskirchen weltweit angesprochen. Angesichts des Werdeganges des jetzigen Papstes Franziskus und seiner ersten Worte und Gesten kommt mir vor allem das italienische Wort ‚ridimensionare’ in den Sinn, d.h. dem Amt des Bischofs von Rom jene theologische, juristische, kirchenpolitische Überhöhung zu nehmen, die mehr und mehr den Bischöfen weltweit die Luft zum Atmen nahm und Katholiken in Scharen in die hierarchische Gleichgültigkeit trieb. Jorge Bergoglio hat sich in seinem bisherigen Leben ausdrücklich nicht als offen agitierender Kirchenkritiker profiliert. Die klare Schlichtheit, mit der er bis jetzt sein Amt als Erzbischof von Buenos Aires ausgeübt und die ersten Akzente auf der Loggia im Petersdom gesetzt hat, lässt vermuten, dass er das Amt schlichtweg auf ein theologisch vernünftiges Maß zurückführen möchte.

Ein weiterer Akzent, den er an diesem ersten Abend als Franziskus gesetzt hat: Dieser Bischof von Rom möchte gerne mit seinem Volk beten. In dem Augenblick, als er um das Gebet seiner Gemeinde für ihn als neuen Bischof bat, sein Haupt senkte und tausende Menschen zusammen mit ihm in einigen Augenblicken der Gebetsstille verharrten, wurde deutlich, wie sehr das Gebet für ihn eine gemeinschaftliche und spürbare Hinwendung zu Gott ist, in der er jeden einzelnen auf dem Petersplatz ernst nahm. Diese Augenblicke werden vielleicht in der nächsten Zeit seinen Kontakt zu den Menschen und den geistlichen Charakter seines Hirtenamtes bestimmen. Als Ordensmann und Jesuit steht er in der Tradition des Ignatius von Loyola, dessen Exerzitien die persönlichen Glaubenswege zahlloser Menschen auch heute noch prägen. Auch auf diese Akzente dürfen wir uns freuen.  

Pater Stefan Tertünte SCJ (foto:scj.de)
Pater Stefan Tertünte SCJ (foto:scj.de)

Einsatz für die Armen und Prunkverzicht

Und schließlich: Mit der Wahl seines Namens als Bischof von Rom „Franziskus“ hat er nicht nur den wieder bei einer Papstwahl ‚leer’ ausgegangenen Italienern einen Gefallen getan – immerhin ist der Heilige von Assisi der National- und Lieblingsheilige der Italiener. Wenn eines aus seinem bisherigen Wirken als Erzbischof der argentinischen Hauptstadt bekannt ist, dann sein glaubwürdig gelebter Einsatz gegen alle Formen von Armut. Er war nie ein Anhänger der Befreiungstheologie, sondern im Gleichklang mit dem damaligen Kardinal Ratzinger deren scharfer Kritiker. Gleichzeitig jedoch prangerte er die Massenarmut in Argentinien, Kinderprostitution und -obdachlosigkeit, Drogenkriminalität, Korruption und andere Auswüchse eines ungezügelten Kapitalismus immer wieder als „soziale Sünde“ an. Sein Verzicht auf jeglichen Pomp und Prunk im Bischofsamt, seine handfeste Zuwendung zu den Menschen der Elendsviertel in Buenos Aires haben deutlich gemacht, dass die Anklagen der Kirche nicht nur sachlich richtig, sondern vom eigenen Lebensstil her glaubwürdig sein müssen. Mit dem von ihm gewählten Namenspatron, dem heiligen Anführer der katholischen Armutsbewegung im Mittelalter, wird er jeden Tag an sein bisheriges Wirken erinnert.  

Sehr viele Fragen sind noch offen, nicht zuletzt, mit welchen Mitarbeitern er sich umgeben wird. Ein Papst aus Lateinamerika wird andere Schwerpunkte und Sichtweisen mitbringen, als uns Europäern vertraut ist. Der Wunsch danach, regional bedingte eigene Wege der Verkündigung des Evangeliums zu gehen, wird wachsen. Die Freiheit dazu auch.  

Pater Stefan Tertünte SCJ


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