Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ Rücktritt des Papstes, den 11. Februar 2013 | Interview zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

„Als Theologe und Denker habe ich ihn sehr geschätzt.“

Der Heilige Stuhl ist ab dem 28. Februar 2013 vakant. Am Montag überraschte der Heilige Vater die Welt mit der Nachricht, dass er das Papstamt aufgibt. Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Eines hatten aber fast alle gemeinsam: Überraschung und Verständnis. Im Interview spricht Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ über das Ponifikat und den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.

Der Petersplatz im Vatikan (Foto:scj.de)
Der Petersplatz im Vatikan (Foto:scj.de)

SCJ.de: Pater Vivell, wann haben Sie vom Rücktritt des Papstes erfahren und wie war ihre erste Reaktion?
Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ: Um die Mittagszeit haben wir die Nachricht während unserer Provinzratssitzung erhalten. Im ersten Moment waren wir alle total überrascht, dass der Heilige Vater sein Amt aufgibt. Vor allem weil es so ungewöhnlich ist. Der letzte Papst Johannes Paul II. hatte das Amt inne bis zu seinem Tod und auch davor gab es erst einen Heiligen Vater, der das Petrusamt abgegeben hat. Wir haben großen Respekt vor der Entscheidung des Papstes, dass er einsieht, dass er wegen seines Alters nicht mehr die Kraft hat, die er braucht, um seine Weltkirche zu leiten.

Inzwischen kursieren einige Theorien über die Gründen, weshalb der Heilige Vater nun sein Amt niedergelegt hat. Hätte er denn bis zum Schluss durchhalten sollen?
Ich persönlich habe großen Respekt vor diesem Schritt und bin der Meinung, dass auch ein Papst an seine Grenzen kommt. Er hat eingesehen, dass auf Grund seines Alters seine Kräfte abnehmen und dass er dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen ist. Ich finde diese Entscheidung gut, dass er sich nicht quält bis zum Schluss, bis er gar nicht mehr kann.

Konnte man denn in den letzten Monaten bereits irgendwie ahnen, dass Papst Benedikt XVI. diesen Schritt machen würde?
Immer wieder klang es leicht an, dass er zumindest überlegt, sein Amt hinzulegen. Dennoch kam das gestern nun wirklich überraschend. Ich denke, dass der Papst ein großer Theologe war und weniger eine Führungspersönlichkeit, so wie sein Vorgänger.
 Es wird ihm sehr schwer zu schaffen gemacht haben, was während seines Pontifikats im Vatikan und der Weltkirche geschehen ist. Er hatte diese Dinge vielleicht nicht mehr im Griff oder konnte das einfach nicht von seiner Art her. Daran ist er wohl gescheitert und hat ihn dazu bewogen, sein Amt abzugeben.

Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ (foto:Daniel Biskup)
Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ (foto:Daniel Biskup)

Was waren die größten Errungenschaften des Heiligen Vaters?
Ich denke mit seiner Enzyklika „Deus caritas est“ hat er Grundlegendes dargestellt: Die biblische Ethik, der Wert der Liebe und der Wahrheit. Davon war ich wirklich begeistert. Auch seinen Mut auf andere Konfessionen zuzugehen. In Fragen der Ökumene oder dem Dialog mit dem Judentum, aber auch später dann mit dem Islam, hat er sich wirklich verdient gemacht. Auf der anderen Seite finde ich auch, dass er in einigen Situationen, so im Umgang mit den Piusbrüdern oder einzelnen Aussagen zur Ökumene, falsch beraten wurde.

Als was für einen Mann würden Sie Papst Benedikt XVI. beschreiben?
Als Mensch war er sehr geradlinig. Er ist keinem Problem ausgewichen und hat sich diesen gestellt. Das bedeutet zwar nicht, dass er alle gelöst hat, aber er wollte darüber sprechen. Ansonsten empfand ich ihn immer als einen sehr großen Theologe und Denker. Das habe ich an ihm sehr geschätzt.

Welche Linien und Schwerpunkte waren während seines Pontifikats nahe an der Spiritualität der Herz-Jesu-Priester?
Das eine habe ich bereits angesprochen. All seine Ideen über die biblische Ethik haben große Nähe zu unserer Spiritualität und der Herz-Jesu-Frömmigkeit. Es ging ihm um das Herz und die Ethik Jesu, der er eine biblische Qualität gegeben hat.

Was bedeutet sein Rücktritt für die Kirche in Deutschland?
Wir verlieren einen deutschen Papst. Es kannte die deutsche Kirche und hatte zu den  deutschen Bischöfe allein schon wegen der Sprache eine andere Beziehung. Für die Weltkirche stehen nun neben der neuen Papstwahl noch einige andere Dinge an, die im Vatikan geändert werden müssen. Dafür muss sich der neue Heilige Vater dann einsetzen. Für die Weltkirche bedeutet das, dass das ein Oberhaupt der katholischen Kirche sein muss, der die Weltkirche im Blick hat. Er muss ein Amt führen, das allen Kulturen gerecht werden.

Was bedeutet es für die Herz-Jesu-Priester in der deutschen Provinz, dass ein deutscher Papst abdankt?
Es ist bedauerlich, dass er das Amt niederlegt, aber wir haben Verständnis dafür. Auch wenn nun ein anderer Papst kommt, wird es dadurch nicht schwieriger für uns werden. Ich würde mir dennoch wünschen, dass wir eventuell mal einen Heiligen Vater bekommen, der  nicht aus Europa kommt, sondern aus Afrika, Asien oder Amerika. Das könnte für die Weltkirche fruchtbar sein. Aber das „Spekulationskarussell“ wird sich bis Ostern noch oft weiterdrehen.

Interview Matthias Biallowons


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