Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 20. Januar 2013 | Pater Wladyslaw Mach SCJ über seine Arbeit im Unfallkrankenhaus

"Zuhören ist eine Form der Verkündigung."

Pater Wladyslaw Mach SCJ ist seit August 2012 in der neuen Kommunität der Herz-Jesu-Priester in Berlin. Er arbeitet dort in der Krankenhausseelsorge im Unfallkrankenhaus von Berlin-Marzahn. Der polnische Herz-Jesu-Priester erzählt über seinen Alltag, gemeinsame Ziele und seine Grenzerfahrungen.

Das Unfallkrankenhaus in Berlin-Marzahn im Winter (Foto:scj.de)
Das Unfallkrankenhaus in Berlin-Marzahn im Winter (Foto:scj.de)

Es sind schon fast fünf Monate vergangen, seitdem ich die Krankenhausseelsorge im Unfallkrankenhaus Berlin übernahm. Es ist zwar eine kurze Zeit, aber doch lang genug, um zurückzublicken oder überhaupt das Krankenhausleben aus meiner Sicht in manchen seiner Ausschnitten zu beschreiben. Es ist nicht langweilig. Schon auf dem Weg in das Krankenhaus erlebe ich jeden Tag etwas Neues. Für die Hinfahrt brauche ich ungefähr eine Stunde: zuerst mit dem Bus bis zum Alexanderplatz, danach mit der S-Bahn, dann zu Fuß ca. 15 Minuten durch den schönen Wuhletal-Garten. Schon von weitem hebt sich das Krankenhaus durch die moderne Architektur hervor. Ein modernes Klinikum. Technisch bestens ausgerüstet, ebenso wie das Personal. Eine hervorragende zwischenmenschliche Atmosphäre, ein Geist der Gemeinschaft ist zu spüren. Wir sind wie eine Familie: die Kranken (ca. 550 Betten), Ärzte und das ganze Pflegepersonal, Sozialmitarbeiter, Psychologen und Seelsorger. Bei vielen beobachte ich einen wirklich leidenschaftlichen Dienst an den Kranken. Es gibt unter den Mitarbeitern sehr viele junge Menschen. Es ist ein gewisser Reiz für junge Ärzte oder Pflegekräfte, hier in die Hauptstadt zu kommen und die ersten beruflichen Schritte gerade in diesem Krankenhaus zu wagen.

Ein gemeinsames Ziel

Hier haben alle dasselbe Ziel: die Genesung der Kranken. Was uns außerdem alle verbindet, ist das, was wir alle tagtäglich erleben: dass wir an unsere Grenzen stoßen. Nirgendwo sont habe ich die Erfahrung gemacht, wie sehr der Mensch an seine Grenzen stößt. Der Patient erfährt das an seinem ungesunden Körper. Der Arzt erfährt die Grenzen der Medizin und seiner ärztlichen Geschicklichkeit. Der Angehörige, der so gerne helfen würde, der Seelsorger, wenn ihm die Worte fehlen. Alle diese Gruppen von Menschen machen eine neue Erfahrung mit dem Leben. Wenn auch die menschlichen Schicksale sehr unterschiedlich und voller Leid sind: Alle lernen Demut, alle erfahren die menschliche Begrenztheit.

Pater Wladyslaw Mach SCJ auf dem Weg in die Arbeit (foto:scj.de)
Pater Wladyslaw Mach SCJ auf dem Weg in die Arbeit (foto:scj.de)

Jeden Tag begegne ich drei großen Gruppen von Menschen, die nicht nur in diesem, sondern in jedem Krankenhaus sind: Patienten, Personal und Angehörigen, die zu Besuch kommen. Meine Rolle gestaltet sich sehr verschieden und wird auch sehr unterschiedlich wahrgenommen. Da gibt es Patienten, die sich die Sakramente, Gebete, oder den Segen wünschen. Andere wenige sagen von vornherein: ich bin nicht getauft, bevor der Seelsorger noch überhaupt etwas sagen kann. In den meisten Fällen entwickelt sich aber ein Gespräch, eine menschliche Begegnung, weil die meisten zuerst eine menschliche Zuwendung und Nähe erwarten. Schon das bloße „anwesend sein“ wirkt, wenn jemand nach einer schweren Verbrennung das erste Mal das entstellte Gesicht im Spiegel sieht. Da braucht man keine Worte. Oder das Verweilen mit den Angehörigen bei einem soeben verstorbenen lieben Familienmitglied.

Pater Wladyslaw Mach SCJ (foto:scj.de)
Pater Wladyslaw Mach SCJ (foto:scj.de)

"Im Sinne des Herrn"

Bei verschiedenen Gesprächen und Begegnungen werden die uralten Sehnsüchte der Menschheit erkennbar: Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, Schutz und Halt im Leben. Die Sehnsucht danach, den letzten Sinn des Lebens zu entdecken. Die Fragen nach dem „warum ich“ oder die Last der eigenen Schuld oder der Schuldgefühle. Manchmal brauchen all diese Menschen nicht viel, sondern nur, dass jemand da ist. Wenn ich mich zu den Patienten hinsetze, bemerke ich ein kleines Schmunzeln. Die Augen sagen: da ist jemand, der endlich Zeit hat.

Ich denke so oft an die Begegnung Jesu mit dem Blinden im Lukasevangelium: „Was soll ich dir tun? Er antwortete: ,Herr, ich möchte wieder sehen können.‘“ (Lk 18,41 EÜ).
Als Priester erlebe ich eine neue Art der Verkündigung: nicht dass ich viele Worte sage, sondern dass ich zuhöre. Dieses Zuhören als eine Form der „Verkündigung“ ist für mich ganz neu. Aber ich glaube sie ist ganz und gar im Sinne des Herrn.

Pater Wladyslaw Mach SCJ


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