Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ aktuell am 28. Februar 2014 | Die katholische Mystikerin Madeleine Debrel

„Sie hat mich seit meiner Studienzeit fasziniert“

Die katholische Mystikerin Madeleine Debrel (Foto: KNA)
Die katholische Mystikerin Madeleine Debrel (Foto: KNA)

Die Geschichte von Madeleine Delbrel ist eine Bekehrungsgeschichte. Eine Geschichte, die uns, so Pater Heinz Lau SCJ, gerade in der Fastenzeit zeigt, wie man den Blick für die Nöte der Menschen öffnen kann. 

Am Aschermittwoch beginnt die österliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. In den vor uns liegenden 40 Tagen geht es neben dem Verzicht auch um Bekehrung. Also darum, die eigene Beziehung zu Gott zu erneuern. „Das Leben von Madeleine Delbrel ist für mich dabei ein Vorbild“, sagt Pater Heinz Lau SCJ aus Freiburg. Die Frau, deren Seligsprechungsprozess gerade läuft, lebte von 1904-1964 und war Zeitgenössin des Herz-Jesu-Priester-Ordensgründers Pater Leo Dehon. Sie beide kamen aus Frankreich, waren tief geprägt von französischer Spiritualität, haben studiert und haben schließlich über Umwege ihre Berufung entdeckt. Konfrontiert mit dem Arbeiter-Milieu haben sie sich ganz den sozialen Fragen und Herausforderungen gestellt.

„Madeleine war ein Mensch der Umkehr“, ist Pater Lau überzeugt, der sich in den letzten Wochen intensiv mit ihrer Geschichte beschäftigt hat. „Jedoch geschah ihre Bekehrung nicht schlagartig, sie war ein fortschreitender Prozess.“ Ihre Eltern haben sich nicht für Religion interessiert, aber sie traf im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren auf Menschen, die ihr den katholischen Glauben beibrachten. Später trifft die hochintelligente Jugendliche auf den atheistischen Literaturkreis ihres Vaters. Sie übernimmt die atheistische Haltung und findet die Welt von Tag zu Tag absurder. „Sie ist der festen Überzeugung, Gott sei tot. Wird Gott aber geleugnet, dann mit ihm auch das ewige Leben, Glück und Liebe. So wird für sie jeder Einsatz für eine bessere Welt sinnlos“, so Pater Lau.

"Ich bin von Gott überwältigt worden und bin es immer noch“

Ausgerechnet aber durch den Leiter des väterlichen Literaturkreises lernt sie dessen Neffen Jean Maydieu kennen. Im Unterschied zu seinem Onkel ist er überzeugter Christ. Zunächst sieht es nach einer gemeinsamen Zukunft von Jean und Madeleine aus, dann aber tritt Jean in das Noviziat der Dominikaner ein. Die intellektuelle und atheistische Madeleine bleibt erschüttert zurück. Wie konnte sich ein Mensch ganz für Gott entscheiden, während ein anderer dessen Existenz leugnet?

„In dieser Zeit begegnen ihr in den Vorlesungen überzeugte Christinnen, für die Gott so unverzichtbar ist, wie die Luft zum Atmen“, fand Pater Lau heraus. „Durch ihr Zeugnis überprüft Madeleine schließlich ihren atheistischen Standpunkt, beginnt zu beten und entdeckt, dass Gott sie gefunden hat und dass er die lebendige Wahrheit ist, die man lieben kann, wie man eine Person liebt. Kurz vor ihren Tod schreibt sie über ihre Bekehrung: ,Ich bin von Gott überwältigt worden und bin es immer noch.’“

Pater Lau: „ Mich verbindet besonders die Suche nach einem gemeinschaftlichen Leben mit ihr. Ich wählte für mich persönlich das Ordensleben in der Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester, sie lebte ihr Zeugnis in der kleinen Equipe.“

Alle Vorstellungen, die sie vorher noch abgelehnt hatte: die Existenz Gottes, Glück, Leben, Liebe und Ewigkeit werden für sie nun durch ihre Begegnung mit Gott Realität. Sie erfährt Gott als jemand, der lebt, handelt, liebt und zwar intensiver als alles, was wir über Leben, Handeln, Lieben wissen.  So fällt sie schließlich die Entscheidung, mitten in der Welt die Gelübde von Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam zu leben. Sie beginnt, sich für andere einzusetzen. Erst in der Jugendarbeit bei den Pfadfindern, später in einem kommunistischen Arbeitermilieu. Sich für andere zu engagieren gehört für Madeleine untrennbar zu einem gelebten, authentischen Glauben.

„Madeleine für mich eine großartige und vorbildliche Frau. Sie lebte das Ineinander der beiden Brennpunkte des christlichen Lebens: Mystik und Politik. Das heißt, eine tiefe, lebendige Verbundenheit mit Christus und ein hellwaches Interesse an den sozialen Herausforderungen.“

Das Engagement für die Armen hat sie mit dem Papst gemeinsam

Genau das sei auch eine Gemeinsamkeit, die Madeleine mit Papst Franziskus habe: Das Engagement für die Armen, die ihm so am Herzen liegen. „Er führt ein tiefes geistliches Leben, verliert aber darüber nicht die Bedürftigen aus den Augen. Er erkennt die sozialen Missstände und handelt entsprechend. Bekehrung und Glaube muss sich im Einsatz für andere zeigen.  Nur so gelingt es, authentischer Zeuge des Evangeliums zu sein“, sagt Pater Lau.  Die Fastenzeit sei demnach eine Zeit, in der man durch ein einfacheres Leben seinen Blick wieder weiten könne für die Nöte der Mitmenschen. Um aus Gebet und einer lebendigen Beziehung zu Gott eine neue Liebe und Hilfsbereitschaft für die Menschen zu entwickeln, die meine Hilfe benötigen. Pater Lau: „Ich selbst nehme die sozialen, politischen und säkularen Herausforderungen mit ins Gebet. Und aus diesem Gebet wirke ich hinein in das öffentliche Geschehen.“

Peter Hummel | Mitarbeit: Regina Maria Schwarz


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