Montag, der 27. März 2017
SCJ zum Jahreswechsel 2013 | Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ, der Provinzial der deutschen Ordensprovinz, blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück.

„Die katholische Kirche ist der älteste Globalplayer der Welt"

Die Wahl von Papst Franziskus, ein neues Provinzialat, eine Diakonweihe und vieles mehr: Der Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester, Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ, blickt auf ein Jahr mit großen Veränderungen und Ereignissen zurück. Gleichzeitig erwartet er gespannt das neue Jahr. Im Interview spricht der Herz-Jesu-Priester über das vergangene Jahr, seine Sorgen, Hoffnungen und Wünsche. 

Der Jahresrückblick des Provinzials der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester (foto:scj.de)
Der Jahresrückblick des Provinzials der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester (foto:scj.de)

SCJ.de: Was waren die größten Veränderungen für den Orden in den vergangenen zwölf Monaten?
Pater Heiner Wilmer SCJ: Ein wichtiger Meilenstein war die Wahl von Papst Franziskus, der nun die Geschicke der Kirche leitet. Und zugleich die historische Größe von Papst Benedikt XVI., der angesichts abnehmender Kräfte zurückgetreten ist und sein Amt einem Nachfolger überlassen hat. 


Was beeindruckt Sie so an unserem neuen Papst? 
Neben seiner spürbaren Sorge für das Heil der Menschen und seinem symbolträchtigen Auftreten beeindruckt mich sein Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, das im Namen der Menschen wahren Reformgeist besitzt: Papst Franziskus schreibt von einer Kirche "im Aufbruch", die an die Randgebiete der Gesellschaft geht. In der Passage über den Umgang mit den Sakramenten deutet der Heilige Vater neue Wege an: Demnach sollte das Sakrament der Eucharistie "nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen" sein. Und Papst Franziskus schreibt unter der Nummer 49: "Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist". Das sind starke und richtungsweisende Sätze. Sie erinnern mich als Ordensmann daran, dass wir überprüfen müssen, wo wir zu behäbig geworden und in zu vielen sperrigen Strukturen verhaftet sind. Wir sollten unser Gespür schärfen und unseren Willen stärken, um im Sinne Jesu neu zu den Menschen aufzubrechen. Aber immer im Namen Gottes. Wie Franz von Assisi, so betont auch Papst Franziskus an erster Stelle die enge Verbundenheit mit Jesus Christus. 

Die Wahl des Papst Franziskus war ein Höhepunkt des vergangenen Jahres (foto:scj.de)
Die Wahl des Papst Franziskus war ein Höhepunkt des vergangenen Jahres (foto:scj.de)

Was hat sich in der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester getan?
Sehr vieles: Zum einen die weitere Umsetzung des "Provinzentwicklungsplans 2016". Wir haben im Januar 2012 entschieden, dass die deutsche Ordensprovinz neu strukturiert und frisch aufgestellt werden soll. Wir wollen nicht nur an der Form, sondern auch am Inhalt arbeiten. Wir haben in diesem Jahr gemerkt, dass diese Umsetzung bereits greift: Dazu zählt sicherlich die feierliche Einweihung der internationalen Kommunität in Berlin am 02. Februar 2013. Diese Niederlassung zeugt von der Internationalität des Ordens, da Berlin ein gemeinsames Projekt der brasilianischen und polnischen Provinzen, des österreichisch-kroatischen Distriktes sowie der deutschen Provinz ist. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde auf deutschem Gebiet eine Kommunität gegründet, die von Anfang an international ist.  

Die Zentralisierung der deutschen Ordensprovinz

Ein zweiter Punkt ist die Zentralisierung der Verwaltungsvorgänge. Damit wollen wir die Häuser der Provinz entlasten. So arbeiten wir verstärkt mit professioneller Hilfe. Ziel ist es, unsere eigenen Kräfte intensiver für die Begegnung mit den Menschen einzusetzen und die Arbeit mit den Menschen auf den unterschiedlichen Gebieten zu verstärken. In diesem Zusammenhang haben wir drei neue Mitarbeiter eingestellt: Frau Andrea Schumann unterstützt das Ökonomat in Neustadt, Frau Sabrina Becker die Öffentlichkeitsarbeit der deutschen Provinz und speziell die neue Niederlassung in Berlin, und Dr. Christoph Götz wird ab 1.1.2013 der erste weltliche Leiter des Exerzitien - und Bildungshauses in Neustadt. Zudem haben wir mit der Verlegung des Provinzialats von Bonn nach Neustadt in einigen Bereichen schon begonnen.

Die Verlegung des Provinzialats von Bonn nach Neustadt wird auch 2014 fortgeführt (foto:scj.de)
Die Verlegung des Provinzialats von Bonn nach Neustadt wird auch 2014 fortgeführt (foto:scj.de)

Internationalität nahm zu

Auch im Ausbildungshaus in Freiburg hat sich einiges getan: Wir haben eine Etage des Klosters an die Caritas vermietet, wodurch das Haus jetzt voll genutzt wird. Im vergangenen Jahr sind weitere Studenten aus Madagaskar, Kamerun, Kongo und Polen nach Freiburg gekommen, und wir haben einen neuen Novizenmeister, der ebenfalls nicht aus Deutschland, sondern aus Brasilien kommt: Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ. Damit haben wir unsere internationale Aufstellung verstärkt. Neu ist ebenfalls die Zusammenarbeit des Klosters Maria Martental mit der Hildegardis-Stiftung, in deren Trägerschaft das Pflegeheim St. Martin Düngenheim für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen liegt. Pater Christoph Kübler ist neben anderen Aufgaben hier als Seelsorger tätig. Die Übergabe des Jugendhofes an die Tagesförderstätte von St. Martin Düngenheim ist ein neuer Schritt. Nicht zuletzt hat der Strom der Beter und Gläubigen zum Pilgerort Maria Martental zugenommen.

Über welche Ereignisse haben Sie sich besonders gefreut?  
Über all jene Dinge, die ich gerade aufgezählt habe, aber besonders auch über die Feier der Gelübde in Freiburg und über die Diakonweihe von Frater Volker Kreutzmann SCJ. 

Frater Volker Kreutzmann SCJ wurde zum Diakon geweiht - die Priesterweihe folgt 2014 (foto:scj.de)
Frater Volker Kreutzmann SCJ wurde zum Diakon geweiht - die Priesterweihe folgt 2014 (foto:scj.de)

Welche Entwicklungen bereiten Ihnen die größten Sorgen?
Gesellschaftlich sehe ich, wie weltweit – aber auch in Deutschland – die Armen immer ärmer werden. Erschütternd finde ich, wie viele Kinder in Deutschland in einer immer größer werdenden sozialen Not aufwachsen. Angesichts des viel gepriesenen Booms der deutschen Wirtschaft ist das wie ein Schlag ins Gesicht. Wo liegen die Prioritäten unserer Gesellschaft und ihrer Verantwortlichen?  

"Das Allerbeste erwarten wir von Gott"

Innerhalb unserer Gemeinschaft ist die Frage der Berufung meine größte Sorge. Ich persönlich bin mit dem Geist, der in unserer Provinz herrscht, recht zufrieden. Sorgen allerdings mache ich mir, wie wir junge Männer gewinnen können, die großmutig sind, beherzt und mit einer Leidenschaft für die Menschen unterwegs, um den Auftrag unseres Gründers Pater Leo Dehon fortzusetzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir diesen Auftrag mit Mitbrüdern aus anderen Provinzen gemeinsam gestalten. Doch es wäre schon schön und sinnvoll, wenn in diesen Kommunitäten auch Mitbrüder leben, die in Deutschland aufgewachsen sind – bei allem Dank für den wunderbaren Einsatz der ausländischen Dehonianer bei uns.
Auf die Pastoral der geistlichen Berufe werden wir in den nächsten Jahren großen Wert legen. Jedoch muss uns immer klar sein, dass die geistliche Berufung zum Ordensleben ein Geschenk ist und ein Geschenk bleibt. Auch wenn die Ordensberufungen in dieser Zeit rar sind, ist dies für mich kein Grund, mutlos zu werden. Von solchen Höhen und Tiefen erzählt die Ordensgeschichte. Für uns gilt heute auf dem Gebiet der Berufungen immer noch die Jahrhunderte alte Regel: Wir haben unser Bestes zu geben; doch das Allerbeste erwarten wir von Gott.

Der Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester, Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ, im Interview (foto:scj.de)
Der Provinzial der deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester, Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ, im Interview (foto:scj.de)

Was hat sich für Sie persönlich durch die Wiederwahl zum Provinzial der deutschen Ordensprovinz verändert?
Ich weiß, dass es die letzten drei Jahre als Provinzial sind. Ich bin froh über die Mitbrüder in der neuen Provinzleitung. In der Vergangenheit waren wir ein gutes Team, wir sind es jetzt wieder. Die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr angenehm und äußerst effektiv. Bei aller Arbeit weiß ich mich von den andern Brüdern getragen. Auch deshalb geht es mir gut. Ich fühle mich frisch und gut drauf.

Was wird das Jahr 2014 bringen, was ist geplant, welche konkreten Veränderungen stehen an - sowohl in der deutschen Provinz als auch weltweit? 
Wir werden weiter an der Verlegung des Provinzialats nach Neustadt arbeiten und der Zusammenführung der eingetragenen Vereine. Personell wird sich auch etwas verändern: Wir werden alle Rektoren unserer Häuser in der deutschen Provinz neu wählen und ernennen. Außerdem freue ich mich sehr auf die Priesterweihe von Frater Volker Kreutzmann am 3. Mai in Handrup im Emsland.   Weltweit denke ich, dass der Beschluss des letzten Generalkapitels, nämlich noch enger unter den Provinzen in der gesamten Kongregation zusammenzuarbeiten, ausgebaut werden wird. Gemeinsam, das heißt: provinzübergreifend, wird man bestimmte Projekte ansteuern und gestalten. Das ist die richtige Antwort einer Ordensgemeinschaft auf eine globaler werdende Welt. Schließlich ist der älteste Globalplayer die katholische Kirche. Das dürfen wir nicht vergessen.

Zu guter Letzt: Was wünschen Sie ihren Mitbrüdern?
Humor und Gottvertrauen.    

Interview Matthias Biallowons


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