Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 19. Januar 2014 | Pater August Hülsmann SCJ im Interview zum Thema des Familiensonntags 2014: "Drahtseilakt Ehe"

„Es gibt dieses Geschenk“

Am 19. Januar 2014 feiert die katholische Kirche den Familiensonntag. Bereits seit 1976 wird am 2. Sonntag im Jahreskreis der Familiensonntag weltweit in allen Diözesen gefeiert. Immer unter einem anderen Motto. Das Thema 2014 lautet: „Drahtseilakt Ehe“. Pater August Hülsmann SCJ spricht im Interview über die Umfrage der  Weltbischofssynode im Oktober 2014 in Rom, die Wichtigkeit und Bedeutung des Ehesakramentes, die Pflichten der Ehepartner und den Handlungsbedarf bei geschiedenen Paaren.

Das Kloster der Herz-Jesu-Priester in Neustadt (foto: scj.de)
Das Kloster der Herz-Jesu-Priester in Neustadt (foto: scj.de)

SCJ.de: Seit 1976 begeht die katholische Kirche den Familiensonntag. Im Oktober 2014 findet in Rom die Weltbischofssynode zum Thema Familie statt. Dazu hat Papst Franziskus eine Familienumfrage in Auftrag gegeben, die wichtige Erkenntnis für die Synode in Rom einholen soll.
Wie wurde diese aufgenommen? 

Pater August Hülsmann SCJ: Familie ist derzeit ein sehr bedrängendes Thema. Daher hat der Familiensonntag durchaus seinen berechtigten Sinn. Er steht allerdings im Schatten vom Fest der „Heiligen Familie“, das erst kürzlich in der Weihnachtszeit  gefeiert wurde und ebenfalls den Blick auf die Familie richtet.  Allein in Deutschland sind aus den Bistümern und aus zahlreichen Verbänden und Institutionen über 1000 Seiten von der Umfrage des Vatikans zusammengekommen. Erstmals wurden Familien und einzelne Leute direkt von Rom aus befragt. Die Deutsche Bischofskonferenz wertet derzeit die Ergebnisse aus. Die Idee von Papst Franziskus wurde insbesondere von jungen Menschen sehr gut aufgegriffen. Damit konnten sie am Arbeitspapier für die Weltbischofssynode mitarbeiten. Die Menschen freuen sich, dass sie direkt und persönlich angesprochen wurden. Das ist ein Novum und hat in vielen Diözesen  anfangs auch zu Verwirrung geführt. Der Umfrage zufolge besteht laut katholisch.de „eine Diskrepanz zwischen der Lehre der Kirche zu Formen des Zusammenlebens und der Lebenswirklichkeit von Paaren“. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir eine weltweite Umfrage haben, die die Wirklichkeit richtig darzustellen versucht. Dadurch bekommt das Thema der Synode eine ganz besondere Brisanz und Aktualität.

Der Titel des Familiensonntags 2014 lautet „Drahtseilakt Ehe“. 
Wie interpretieren Sie dieses Bild?

Es ist ein großes Glück, wenn sich zwei Menschen gefunden haben und ihr Leben gemeinsam gestalten können. Aber auch wenn sich „die Richtigen“ gefunden haben, bleibt es schwierig diese Ehe für viele Jahre zu pflegen und aufrechtzuerhalten. 

Ein Restrisiko bleibt also.

Sicherlich. Es gibt aber auch „Drahtseilakte“ mit „doppeltem Boden“ und „Auffangnetzen“. Darunter könnte ich mir innerhalb der Kirche und Gesellschaft noch stärkere Hilfe und Unterstützung vorstellen. Zum Beispiel Gruppen in denen sich Ehepaaren über ihren Glauben und über Glück und Schwierigkeiten ihrer Ehe austauschen können, wenn sie es möchte.    

Pater August Hülsmann SCJ zum Thema des Familiensonntags 2014 (foto:scj.de)
Pater August Hülsmann SCJ zum Thema des Familiensonntags 2014 (foto:scj.de)

Die Ehe ist nach katholischem Verständnis unauflöslich. Wie sicher kann man sich da zur Zeit des Eheversprechens überhaupt sein?

Wir gehen von der Unauflöslichkeit des Ehebundes aus. Aber kann man in jungen Jahren wissen, ob die Ehe für immer hält? Man kann seinem Partner nur versprechen, dass man ihm immer treu sein will. Ob man das kann, ob das Leben so mitspielt und sich die Beziehung zwischen beiden so weiter entfaltet, weiß man nicht mit Sicherheit. Wir erleben immer wieder, dass Eheleute nach vielen Jahren Ehe wieder auseinandergehen.

Treue, Aufrichtigkeit und Annerkennung

Was ist das Besondere am Sakrament der Ehe?

Die Ehe ist eine vertraute Partnerschaft. Das Sakrament der Ehe deutet daraufhin, dass es bei der Eheschließung noch einen Dritten im Bunde gibt: Gott. Er segnet die Verbindung und begleitet das Ehepaar. Durch das Sakrament der Ehe erhält die Eheschließung einen besonderen göttlichen Segen. Die Eheleute dürfen darauf vertrauen und hoffen, dass Gott die Ehe führt, leitet und Versöhnung stiftet. Denn allein aus eigener Kraft eine solche Lebensgemeinschaft zu erhalten und zu gestalten, ist unglaublich schwierig. Aber es gibt dieses Geschenk der Gnade im Sakrament.

Worin liegt das Geheimnis einer guten Ehe?

Die richtige Partnerwahl ist das Eine. Es liegt aber auch am täglichen Üben und Arbeiten. Manchen glückliche Ehepaare erzählen, dass sie nie schlafen gegangen sind ohne noch ein Wort der Versöhnung gewechselt zu haben. Auch wenn es noch so schwierig gewesen ist. Jedes Ehepaar braucht eine eigene Lebenskultur. Ich persönlich verheirate niemanden bevor er nicht an einem Eheseminar teilgenommen hat. Beide Partner sollen sich Gedanken machen zur Ehe und ihren Rechten und zu ihren Pflichten in dieser Gemeinschaft.

"Auch diese bleiben Mitglieder unserer Kirche"

Welche Pflichten wären das?

Aufrichtigkeit, Treue und die Anerkennung, dass der Partner ein anderer ist als ich. Die Andersartigkeit des Partners muss man gelten lassen und nicht über ihn verfügen wollen. Jeder hat ja seine eigene Lebensberufung.

Stichwort Wiederverheiraten von Geschiedenen: Gibt es da innerhalb der katholischen Kirche Handlungsbedarf?

Auch diese bleiben Mitglieder unserer Kirche und wir dürfen sie nicht links liegen lassen. Mir scheint, dass sich der neue Papst diesen Menschen besonders zuwenden wird. Unsere Zuwendung muss aufrichtig und echt sein und darf nicht mit einer Verurteilung beginnen. Ein Sakrament für eine zweite Heirat geht nicht, aber solch eine Verbindung möchte auch unter einem Segen stehen. Man darf vor dieser Wirklichkeit nicht die Augen verschließen und man muss ihr mit Weitherzigkeit begegnen.

Interview Matthias Biallowons


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