Montag, der 27. März 2017
SCJ zum 100. Todestag von André Prévot | Pater André Prévot SCJ starb am 26. November 1913 - die Herz-Jesu-Priester erinnern sich.

"Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun."

Am 26. November 2013 ist der 100-jährige Todestag eines der wichtigsten Persönlichkeiten des Ordens der Herz-Jesu-Priester: Pater André Prévot SCJ. Um sein Leben, Wirken und seine Spiritualität ranken sich viele Geschichten und Legenden. Sein Image ist heute etwas getrübt. SCJ.de stellt die Person des langjährigen Novizenmeisters vor.

Pater André Prévot SCJ starb am 26. November 1913. Die Herz-Jesu-Priester gedenken seiner Person (foto:scj.de)
Pater André Prévot SCJ starb am 26. November 1913. Die Herz-Jesu-Priester gedenken seiner Person (foto:scj.de)

Ein Eigenbrötler. Ein Sonderling. Entrückt von der Erde. Übertrieben streng und zu sehr armutsbetont. Das Image von Pater André Prévot SCJ litt in den letzten Jahrzehnten unter zahlreichen Legenden und mangelnder wissenschaftlicher Literatur. "Nur wenige reden oder schreiben über ihn. Es gibt kaum wissenschaftliche Beiträge. Die Rede um seine Person ist in den letzten Jahrzehnten sehr ruhig geworden", weiß Pater Heiner Wilmer SCJ. Der Provinzial der deutschen Ordensprovinz möchte den Ruf des Ordensbruders in ein anderes, ein besseres Licht rücken: "Ich glaube, dass einige Geschichten über ihn stimmen. Aber dieser Ruf suggeriert, dass er jenseits der damaligen Zeit lebte, nicht bodenständig gewesen sei und sich in irgendeine Spiritualität vergeistig hätte. Aber das kann nicht sein".

"Seine Mutter wusste manchmal nicht, wie sie ihre Kinder am nächsten Tag ernähren solle"

Pater André Prévot wurde 1840 im Süden Frankreichs, in "Le Teil" geboren. Er war einer von sechzehn Kindern und war Sohn einer reichen Familie. Sein Vater verdiente ein Vermögen mit dem Handel für Viehfutter und landwirtschaftlichem Zubehör. Mit diesem Kapital hatte sich sein Vater zusammen mit einem Freund eine Ölmühle in Marseille gebaut und damit seinen Reichtum vermehrt. Auch seine Investition in Lastschiffe für den Transport von Waren auf der Rhône lohnte sich in den ersten Jahren. Doch mit der Erfindung der Eisenbahn erlitt sein Geschäft einen Einbruch. Sein Vater verlor sein Vermögen und die Familie geriet in eine tiefe Misere. "Seine Mutter wusste manchmal nicht, wie sie ihre Kinder am nächsten Tag ernähren solle", erzählt Pater Wilmer. Diese Armut erlebte auch André Prévot. Er wollte ursprünglich in einem kleinen Seminar in Viviers seine Ausbildung zum Diözesanpriester machen, welche er aber abbrach, um bei den Jesuiten in das Noviziat einzutreten. Dort blieb er knapp zwei Jahre, wurde dann aber des Noviziats verwiesen, weil er es mit dem Armutsgelübde und der Askese übertrieben hatte. "Er war völlig ausgemergelt und wurde zur Genesung nach Hause geschickt". Dort verdiente er sein Geld als Hauslehrer wohlhabender Familien, ehe er doch Philosophie und Theologie im Bistum Aix-en-Provence studierte. Dort erkannte der Bischof seine Begabung und ließ ihn eine Doktorarbeit über den großen mittelalterlichen Theologen, Richard von Sankt Viktor, schreiben. Über zwanzig Jahre Novizenmeister  Erst mit 45 Jahren trat er bei den Herz-Jesu-Priestern ein und wurde bereits nach einem halben Jahr, noch vor seinen ewigen Gelübden, von Pater Leo Dehon zum Novizenmeister ernannt. "Dehon hatte großes Vertrauen in Prévot", vermutet Pater Wilmer. Dieses Amt bekleidete Prévot von 1885 - das Jahr seines Ordenseintritts - bis 1907. In dieser Zeit kaufte der Herz-Jesu-Priester während der Wirren in Frankreich und der Angst um die Zukunft des Ordens Ländereien in den Niederlanden, baute eine große Schule, Werkstätten, warb Männer an und hatte guten Zugang zu wohlhabenden Leuten, die dem Orden viel Geld spendeten. "Das ist seine sehr zupackende und vorausschauende Seite", so der deutsche Provinzial. 

Pater André Prévot SCJ (foto: scj.de)
Pater André Prévot SCJ (foto: scj.de)

Prévot blieb auch in Krisenzeiten ruhig

Einer seiner größten Verdienste für die Kongregation der Herz-Jesu-Priester geschah im Jahr 1893, als der Orden drohte auseinanderzubrechen. Bischof Duval forderte den Rücktritt von Pater Leo Dehon, da er seine Kongregation nicht im Griff hätte. In dieser Krisenzeit blieb Prévot gelassen und gestaltete die Exerzitien in Vorbereitung eines "Sonder-Kapitels", wo er anstatt frommer Themen, praktische und handfeste Überlegungen ins Zentrum stellte: Ziel und Methode der Kongregation. "Hier mischte er sich behutsam, aber doch sehr erfolgreich in die Politik des Ordens und des Bistums von Soissons ein".
Mit Gelassenheit, Ruhe und politischem Kalkül überwand er die Krise. "Das haben wir hauptsächlich Prévot zu verdanken", betont Pater Wilmer. 1908 wurde André Prévot von Leo Dehon zum Provinzial der westlichen, französisch-sprachigen Provinz ernannt und unmittelbar darauf zum stellvertretenden Generaloberen. Am 26. November 1913 starb er an einer verschleppten Lungenentzündung. Nach seinem Tod beauftragte Pater Dehon einen jungen Mitbruder mit dem Schreiben einer Biographie über seinen langjährigen Novizenmeister. Das Ziel dieser Arbeit sollte die Seligsprechung von André Prévot sein, da er bereits vor dem Eintritt in den Orden im Ruf der Heiligkeit stand: "C'est notre saint" nannten ihn die Menschen in Südfrankreich. Auch Leo Dehon klagte "unser Heiliger ist gestorben".

"Der Schuss ging nach hinten los"

Die Biographie wurde nicht vollendet, da der junge Priester zwei Jahre später plötzlich verstarb. Beauftragt wurde daraufhin Georges Bertrand, der eine Biographie über Prévot schrieb, die 1920 erschien. Es handelt sich dabei jedoch eher um eine Hagiographie, also eine ins fromme überzeichnete Lebensbeschreibung, die den verstorbenen Mitbruder verherrlicht. "Der Schuss ging nach hinten los. Durch die Überhöhung entstand ein verzerrtes Bild von Prévot", erklärt der deutsche Provinzial. Nicht nur, aber auch deshalb konnte man sich in den 1950er Jahren und vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht mehr mit der Person Prévots identifizieren. Auch die in der Folge erschienenen Biographien haben den Charakter dieser ersten überfrommen Lebensbeschreibung beibehalten, weshalb noch heute ein teilweise verzerrtes Bild des wichtigen Ordensmannes besteht.

Pater André Prévot SCJ und seine Mitbrüder (foto:scj.de)
Pater André Prévot SCJ und seine Mitbrüder (foto:scj.de)

Armut als zentrales Gelübde

Doch in einer Zeit, in der sich die Kirche mit wichtigen dogmatischen Themen beschäftigte, so wie das Erste Vatikanische Konzil mit der Unfehlbarkeit des Papstes, ging Pater André Prévot der Frage nach, wie man das Evangelium leben muss, damit sich andere Menschen davon angezogen fühlen. Zentral war für ihn das Gelübde der Armut: Er vertrat die Ansicht, dass es kein authentisches Ordensleben geben kann, das nicht den Fokus auf die Armut legt. Eine Linie, die der derzeitige Papst Franziskus ebenfalls vorlebt. Vom Leben und Wirken des vor einhundert Jahren verstorbenen Herz-Jesu-Priesters kann man einen tiefen Zugang zu Jesus Christus lernen, bei dem die Frage zentral ist, wie man in und aus der Gegenwart Gottes leben kann. Deswegen ist auch eine der Lebensmaximen des Herz-Jesu-Priesters, jene Lebensgesinnung Jesu Christi, die im Hebräerbrief so wiedergegen wird: "Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun." (Hebr 10,7).

Matthias Biallowons  


Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer

Unterstützen Sie die Mess- intentionen

Täglich versammelt sich unsere Klostergemeinschaft zur Feier der Hl. Messe. Es ist eine gute, alte Tradition, dass Menschen uns ihre Gebetsanliegen anvertrauen und wir in ihrem Sinne die Hl. Messe feiern. Das wollen wir auch in Zukunft gern tun.

So können Sie uns unterstützen:

Messintentionen (PDF)
Aufnahme in den Messbund (PDF)