Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 23. Februar 2014 | Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ über "Evangelii Gaudium"

Abschied von einer Gesetzes-Pastoral

Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ über das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" (Foto: Ekkehard Winkler)
Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ über das Apostolische Schreiben "Evangelii Gaudium" (Foto: Ekkehard Winkler)

Papst Franziskus könnte ein echter Herz-Jesu-Priester sein. Durch sein apostolisches Schreiben "Evangelii Gaudium" zieht sich wie ein roter Faden ein geöffnetes Herz Gottes für Arme und Gescheiterte. Gedanken von Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ, dem Rektor des Herz-Jesu-Klosters Neustadt an der Weinstraße.

Eine Wohltat, seine Worte zu lesen auf dem Hintergrund eines Gottesbildes, das den rigorosen Gesetzesdenkern die Luft nimmt und allzu dogmatisch-apodiktischen Lehren nicht den ersten Platz einräumt. Er entkernt eine Pastoral, die von Strukturen verblendet, segensreiche Seelsorge eher verhindert als fördert.

Barmherzigkeit und Mildtätigkeit sind die Instrumente der liebenden Sorge Gottes um den Menschen. Papst Franziskus schöpft hier aus biblischen Quellen, wie zum Beispiel dem Jakobusbrief 2,13b „Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht“ oder Tobias 12,9 „ Barmherzigkeit rettet vor dem Tod und reinigt von jeder Sünde“ oder Jesus Sirach 3,30 „Wie Wasser loderndes Feuer löscht, so sühnt Mildtätigkeit Sünde“ oder 1. Petrusbrief 4,8 „Vor allem aber haltet fest an der Liebe zueinander, denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“

Vor allem geht es Papst Franziskus darum, Inhalte vor Strukturen und Beziehungen vor der Verkündigung zu platzieren.

Aus seinem Schreiben habe ich für unsere und meine Herz-Jesu-Spiritualität folgende Aspekte entdeckt:

• Verinnerlichung eines „Jesus-Biblischen“ Gottesbildes und eines personalen und existenziellen Glaubens.

• Sakramentenspendung nicht als Belohnung für die „Vollkommenen“, die es ja eigentlich gar nicht gibt, sondern „Heilmittel“ für Bedürftige.

• Förderung von Liebeswerken als die eigentliche Kraft der Sündenvergebung.

• Mehr in die „Orthopraxie“ (Begegnung, Beziehung) statt in die „Orthodoxie“ (Verordnungen in Glauben und Sittenlehre) einsteigen.

• Vermittlung einer heilenden, rettenden und befreienden Kraft unseres christlichen Glaubens.

• Bewahrung eines hörenden Herzens, damit der Geist Gottes ankommen und uns kreativ beleben kann für die Weitergabe des Evangeliums.

• Die „Predigtschule“ in „Evangelii Gaudium“ verinnerlichen

• Abschied vom Klerikalismus. Alle Getauften sind aktive Subjekte.

• Ein Plädoyer für mündiges Christsein.

Pater Hans-Ulrich Vivell SCJ

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