Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 05. Januar 2014 | Frater Maximiliano Delfino Candido über seinen Start in der deutschen Provinz
Während des Dreikönigtreffens erneuerten Max und sein brasilianischer Mitbruder Paulo ihre Gelübde. (Fotos: Becker)

„Ich werde hier gebraucht“

Auf dem Dreikönigstreffen, dem Jahrestreffen der deutschen Provinz der Herz-Jesu-Priester, haben in diesem Jahr junge Mitbrüder aus dem Ausland ihre Heimat vorgestellt. Einer von ihnen heißt Maximiliano Delfino Candido (25). Er ist vor einem Jahr in das Herz-Jesu-Kloster nach Freiburg gekommen, um dort zu studieren und später in Deutschland Priester zu werden. Im Interview erzählt er, warum er jetzt weniger umarmt und lieber Hände schüttelt.

Frater Max, im Rahmen des Dreikönigtreffens haben Sie Ihre Gelübde erneuert. Was bedeutet das für Sie? 
Das ist schon sehr wichtig für mich. Es zeigt, dass ich den Weg im Orden weitergehen darf und will. Solange, bis ich meine ewigen Gelübde ablege, erneuere ich jedes Jahr einmal die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams. Das gehört dazu. Und jedes Mal ist es ein besonderer Moment für mich, den ich nicht nur mit meinen Mitbrüdern teile, sondern auch mit der Gemeinde. Gott und ich, dazu sage ich in diesem Moment noch einmal ganz bewusst „ja“. Ich will Jesus nachfolgen und wie er für die Menschen da sein.

Sie stammen aus Brasilien. Was vermissen Sie am meisten?
Meine Familie fehlt mir schon. Das habe ich vor allem gemerkt, als meine Oma im Januar letztes Jahr gestorben ist. Sie war wie eine zweite Mama für mich. Und ich habe zwei Cousinen, die geboren wurden, seitdem ich in Deutschland bin und die ich noch nie gesehen habe. Ich vermisse einfach das Zusammensein mit meiner Familie und meinen Freunden – die lustigen Abende, an denen wir singen und tanzen und gemeinsam essen.

Viele erinnern sich noch an die Bilder vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro: der Papst an der Copacabana, Hunderttausende säumen den Strand. Wie sieht eigentlich „normale“ Kirche in Brasilien aus?
Die Kirche ist dieselbe wie in Deutschland – aber wie man Gottesdienste feiert, ist anders. Zum Beispiel die Musik: Wir haben keine Orgel. Meistens ist eine kleine Band da, die Musiker spielen Gitarre, Keyboard und Schlagzeug. Und auch die Stimmung ist anders. Der Priester oder eine Gruppe von Gemeindemitgliedern begrüßen die Besucher schon vor der Kirche mit einer Umarmung. Man singt laut und kräftig mit. Viele junge Leute, viele Kinder sind da.

In welchen Bereichen arbeiten Ihre Mitbrüder in Brasilien?
Ganz unterschiedlich. Viele Herz-Jesu-Priester in Brasilien arbeiten in sozialen Bereichen. Nicht nur in einer Pfarrei, sondern auch in der Ausbildung oder als Erzieher. In São Paulo gibt es zum Beispiel ein großes Kinder- und Jugendheim, das unser Orden unterhält. Andere Herz-Jesu-Priester machen Medienarbeit. Die Kongregation ist in Brasilien deshalb auch sehr bekannt. Nachwuchsprobleme haben wir nicht. 

Provinzial Pater Dr. Heiner Wilmer SCJ gratuliert.

Vor gut einem Jahr sind Sie nach Deutschland gekommen. Warum?
Einige meiner Mitbrüder aus Brasilien gehen in die Mission – so wie ich. Ich bin gekommen, um in Deutschland Theologie zu studieren und im Anschluss daran als Priester zu arbeiten. In Brasilien gibt es viele Berufungen, hier nicht. Ich werde hier also dringend gebraucht.

Haben Sie schon mit dem Studium begonnen?
Nein, zuerst musste ich Deutsch lernen. Bis das Studium im Herbst losgeht, pauke ich Latein. Im Moment bin ich in unserem Berliner Kloster und mache dort ein Praktikum. Gucke, wie die Gemeindearbeit hier aussieht, gebe Erstkommunion- und Religionsunterricht. Außerdem bringe ich Kindern bei, Gitarre zu spielen.

Woran mussten Sie sich in Deutschland erst gewöhnen?
Die Deutschen umarmen nicht so viel wie die Brasilianer. Als ich noch ganz neu hier war, stand einmal eine alte Frau neben mir in der Messe. Vor der Kommunion gibt man sich ja immer den Friedensgruß. Ich habe zur Ihr gesagt: „Friede sei mit Dir“ und sie dann ganz fest an mich gedrückt. Sie war total erschrocken und hat erklärt: „In Deutschland gibt man sich nur die Hand.“

 

Interview: Sabrina Becker

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