Montag, der 27. März 2017
SCJ am Sonntag, den 31. März 2013 | Das erste Osterfest von Papst Franziskus

„Geht an die Ränder!“

Papst Franziskus feiert sein erstes Osterfest als Stellvertreter Christi mit starken mutigen Worten und starken demütigen Gesten. Als Christ feiert man nachdenklich und beeindruckt mit – und Herz-Jesu-Priester fühlen sich besonders ermuntert

Papst Franziskus während des Kreizwegs am Karfreitag (Foto: picture-alliance)
Papst Franziskus während des Kreizwegs am Karfreitag (Foto: picture-alliance)

„Ich glaube, dass Franziskus große Veränderungen in der Kirche bewirken kann. Ich glaube jedoch auch, dass er dies auf seine Weise machen wird, in einem langsamen, aber sicheren Prozess“, sagt Bischof Virginio Bressanelli SCJ. „Er geht die Dinge mit starker Hand und Hartnäckigkeit an, der Glaube an Christus hält ihn aufrecht, er vermag die Wege des Geistes und den Plan Gottes in der Kirche und der heutigen Geschichte zu erkennen.“ Der frühere Generalobere der Herz-Jesu-Priester ist Bischof der argentinischen Diözese Neuquén. Er kennt Papst Franziskus gut, seit rund 30 Jahren. Das hat er einem Großteil von uns voraus.

Erstaunt und ergriffen beobachten wir, wie Papst Franziskus die Kirche tatsächlich zu verändern beginnt. Und ist nicht das eigentlich Überraschende, wie überrascht wir sind? Franziskus tut das, was ein Papst tun soll. Als Stellvertreter Christi verweist er in aller Konsequenz auf das Wesentliche unseres Glaubens, auf Jesus Christus. Folgerichtig nimmt er sich selbst zurück und reduziert das Erscheinungsbild der Kirche. Unerhört ist das und ungesehen. Papst Franziskus trifft uns, er begeistert oder beschämt, in dem, was er tut oder was er nicht tut. Es ist ein Glücksfall für die Kirche, dass er zu Beginn seines Pontifikats gleich Ostern feiern kann.

Papst Franziskus brennt Worte in unser Herz

Mit starken Worten und noch stärkeren Gesten betont Papst Franziskus das geheimnisvolle Geschehen um Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi. Er wäscht jugendlichen Strafgefangenen an Gründonnerstag die Füße und gedenkt des Kreuzestodes Jesu in einer Prostratio, niedergeworfen auf dem Boden des Petersdomes. Das sind die Bilder, die bleiben werden von einem Osterfest ohne päpstlichen Prunk und Glamour. Wo Papst Benedikt XVI. von der Verpflichtung zur Demut gesprochen hat, da zeigt sein Nachfolger, wie das geht: demütig sein. Und Papst Franziskus brennt Worte in unser Herz, die unser Verständnis von Christsein und Kirche herausfordern und neu justieren.

Bischof Virginio Bressanelli SCJ (Foto:scj)
Bischof Virginio Bressanelli SCJ (Foto:scj)

Es wird ein erstes Grundthema dieses Pontifikats deutlich: Papst Franziskus mahnt die Aufgabe der Kirche an, das Evangelium vor allem in den Randgebieten zu verkünden, nicht nur der Erde, sondern auch jenen des Lebens – wo Menschen leiden, arm und schwach sind. Das war das Thema im leidenschaftlichen Beitrag des Kardinals Bergoglio im Vorkonklave, in dem er die „selbstreferenzielle Kirche“ und „theologischen Narzissmus“ beklagte und den Kardinälen zurief: Die Kirche „ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen.“ Dieser Beitrag, der in der Karwoche mit Zustimmung von Papst Franziskus öffentlich wurde, bildete nur den Auftakt einer Reihe von Mahnungen, die die Kirche an ihren ureigenen Auftrag erinnert. Leidenschaftlich wandte sich Franziskus in der Chrisam-Messe an die Priester: „So müssen wir hinausgehen, um unsere Salbung zu erproben, ihre Macht und ihre erlösende Wirksamkeit: in den ,Randgebieten‘, wo Leiden herrscht, Blutvergießen; Blindheit, die sich danach sehnt zu sehen, wo es Gefangene so vieler schlechter Herren gibt.“ Und in der Karfreitagsliturgie zitiert der päpstliche Prediger, der Kapuziner Raniero Cantalamessa, den sterbenden Jesus nach dem Evangelisten Markus: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 6,15)

Und so erneuert und bekräftigt sich in diesen eindringlichen und mächtig-demütigen Osterfeierlichkeiten des Papstes Franziskus auch der Auftrag an die Herz-Jesu-Priester. „Geht zu den Menschen“, so hat es Ordensgründer Leo Dehon seinen Mitbrüdern und allen nachfolgenden Generationen mitgegeben, die bis heute das Evangelium überall hin tragen: zu obdachlosen Menschen in die „Pflasterstub“ in Freiburg und den urbanen Individualisten in Berlin; zu den verlorenen Mädchen auf den Philippinen, in die Aids-Stationen Südafrikas und an alle „Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends“ – so Papst Franziskus im Vorkonklave. Es wird klarer, warum Dehonianer-Bischof Bressanelli seinen früheren Amtsbruder „Ratgeber“ und „Meister“ nennt.

Als Christ entlässt dieser neue Papst einen nachdenklich, beeindruckt und schließlich ganz neu motiviert. So ist Ostern 2013.

André Lorenz ist der verantwortliche Redakteur von „Dein Reich komme“, der Zeitschrift der Herz-Jesu-Priester in der Deutschen Ordensprovinz, und Autor des E-Books „Papst Franziskus – Der erste Südamerikaner auf dem Stuhl Petri“. Es ist für 6,99 Euro hier erhältlich.

Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer