Montag, der 27. März 2017
SCJ am Sonntag, den 24. März 2013 | Pater Olav Hamelijnck SCJ im Interview über die Konferenz der europäischen Höheren Oberen

„Der Weg wird schon neu werden.“

Vom 04. – 08. März 2013 trafen sich die Höheren Oberen und die Delegierten der Herz-Jesu-Priester in Europa in Albino/Bergamo, um über „Das Herz Jesu in der Zukunft Europas“ zu diskutieren. Seit dem letzten Generalkapitel 2009 treffen sich jedes Jahr die Höheren Oberen und die Delegierten aus Europa, um wichtige Themen der Herz-Jesu-Priester in Europa zu besprechen. Insgesamt waren es 35 Dehonianer aus den europäischen Provinzen, Regionen und Distrikten, die sich in Albino mit der Frage nach der Präsenz der Herz-Jesu-Priester in Europa und der Herz-Jesu-Verehrung in Europa beschäftigten. Pater Olav Hamelijnck SCJ erläutert im Interview einige Passagen der Schlussbotschaft der Konferenz.

Die Teilnehmer bei der europäischen Konferenz (foto:dehon.it)
Die Teilnehmer bei der europäischen Konferenz (foto:dehon.it)

SCJ.de: Die Konferenz beschäftigte sich während der Tage damit, ob der Kontinent Europa die Herz-Jesu-Priester überhaupt noch braucht. Zu welchem Ergebnis sind die Teilnehmer gekommen?
Pater Olav Hamelijnck SCJ:
Wir sind keine beschlussgebende Versammlung. Daher haben wir nicht festgelegt, dass wir in Zukunft diese und jene Dinge verfolgen oder nicht mehr tun. Wir haben aber schon festgestellt, dass unsere Präsenz in Europa sinnvoll ist und dass unsere Herz-Jesu-Verehrung unterschiedliche Ausprägungen hat. Wir wollen sie nicht auf eine bestimmte Frömmigkeit festlegen. Wir merken, dass wir aus dieser Spiritualität heraus gut leben können und sie uns anhält uns für andere Menschen zu engagieren. Mit dem Zentrum unserer Verehrung – das Herz Jesu, die Herz Mitte – haben wir in einem divergierenden Europa mit vielen Strömungen und Bewegungen, die Gewissheit, dass das die Mitte von allem ist. Es ist etwas Verbindendes für uns. Zugleich möchte ich auf den Satz von J. Delors hinweisen, der forderte „Europa eine Seele zu geben“. Europa braucht eine eigene Seele, eine eigene Spiritualität, damit es sich nicht auflöst. Wir wollen Jesus Christus vorstellen. Wir geben auch einen affektiven Zugang zu ihm.

Welche Möglichkeiten und Wege haben die Herz-Jesu-Priester, dass sie der Gefahr entgehen, dass sich ihre Präsenz in Europa „auflöst“? Wie können Sie ihre Stellung festigen?
Es geht nicht darum, dass wir unsere Stellung festigen. Das wäre schön, aber das ist nicht unser Anliegen. Wir müssen uns fragen, ob unser Dasein sinnvoll ist und wie können wir uns sinnvoll einbringen. Da steht die soziale Frage im Mittelpunkt. Wir sind aber nicht nur aufgefordert, anderen zu helfen, sondern es ist auch eine Anfrage an unseren eigenen Lebensstil. Es geht um das äußere Wirken, aber auch um das innere Leben. Wir sind da von dem neuen Papst Franziskus eingeholt worden, der beide Bereiche ganz deutlich anspricht: Der eigene Lebensstil auf der einen Seite, ist ein Zeichen nach außen, aber auf der anderen Seite muss man auch „den Mut haben die Zärtlichkeit Gottes zu leben“. Das ist sehr nahe an dem, was die Herz-Jesu-Verehrung meint.

Pater Olav Hamelijnck SCJ (foto: dehon.it)
Pater Olav Hamelijnck SCJ (foto: dehon.it)

Das Evangelium muss verkündet werden

Welche Gründe gibt es, dass die Herz-Jesu-Priester in Europa notwendig sind? Die eine Notwendigkeit, die weniger jetzt von der Konferenz herkommt, die ich aber immer sehe, ist schlichtweg der Glaube daran, dass das Evangelium verkündet werden muss. Dafür stehen wir, das leben wir und das verkünden wir. Die missionarische Sendung ad gentes – also zu den Menschen -  ist natürlich wichtig, aber wir Herz-Jesu-Priester sehen noch mehr die Mission inter gentes. Das zeigt sich durch unsere internationale Konferenz, durch unsere internationalen Kommunitäten und dass wir feststellen, dass Europa insgesamt bunter und internationaler wird, und wir das als Orden modellhaft vorleben. Wir wollen in Kontakt kommen mit Menschen, die das anders leben und so können wir gegenseitig voneinander lernen. Zum zweiten haben wir während dieser Tage versucht, die neue Armut in Europa besser zu erkennen und nach Möglichkeiten gesucht ihr besser zu begegnen. Das hängt natürlich davon ab, wo wir leben und wie wir vor Ort selber leben.

Armut. Da wären Sie mit Papst Franziskus auf einer Linie.
Das wäre schön. Ich finde aber, dass es eher er ist, der uns auf eine Linie bringt, als dass wir sagen könnten, wir wären auf einer Linie. Es ist ein Stimulus und eine eigene Anfrage an uns, zu sehen, wo wir uns entwickeln oder bekehren müssen. Wir müssen das natürlich gemäß unserer Kräfte- und Größenverhältnissen angemessen sehen. Vielleicht macht uns eine Vereinfachung des eigenen Lebensstils agiler für unser Engagement.

Betrifft diese Sicht nur Europa?
Es war die Konferenz der europäischen Delegierten. Der Blick war bewusst auf Europa gelenkt. Wir haben aber auch festgestellt, dass wir von unseren Mitbrüdern in Afrika, Asien und Südamerika lernen können. Sie sind uns ein ganzes Stück voraus die Armut zu sehen und darauf zu reagieren. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch unsere Mitbrüder in Osteuropa diese Armut ganz konkret erleben und konkret reagieren. Sehr beeindruckend waren die Vorschläge der Mitbrüder aus Polen, die gezeigt haben, wie sie bereits jetzt konkret mit der Armut bei sich umgehen. Sie setzen zum Beispiel sehr darauf die Bildung der Kinder zu fördern. Neben den Dingen, die wir hier in Deutschland auch haben, so wie Suppenküchen.

Pater Stefan Tertünte SCJ und Pater Olav Hamelijnck SCJ (foto:dehon.it)
Pater Stefan Tertünte SCJ und Pater Olav Hamelijnck SCJ (foto:dehon.it)

Lassen wir uns über das zweite große Thema der Konferenz sprechen: Die Herz-Jesu-Spiritualität. Gibt es da Dinge, die die Dehonianer verändern müssen?
Ich finde, dass Veränderung geradezu Ausdruck unserer Spiritualität ist. Das biblische Bild der offenen Wunde Jesu ist nicht starres oder festes. Es geht darum, dass ich gucke, wie sich meine Beziehung zu Jesus gestaltet, und was ich davon auch anderen anbieten kann. Uns ist deutlicher geworden,  dass wir die sinnliche und affektive Dimension des Glaubens noch mehr sehen und kultivieren müssen. Außerdem müssen wir betrachten, wie Jesus in dieser Welt gelebt hat. Wir müssen von seinem Lebensstil her ausgehen. Das hat auch Pater Leo Dehon SCJ so gemacht. Er hat angemessen auf die Leute, die ihm begegnet sind, reagiert.

Wie sehr hat die derzeitig wichtigste Aufgabe der Kirche, die Neuevangelisierung, die Konferenz geprägt?
Ganz konkret durch den Ort der Tagung. Hier sind die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. groß geworden. Beide haben sich dieser Aufgabe der Kirche gewidmet. Besonders Paul VI. in seinem Schreiben Evangelii Nuntiandi. Wir waren in seinem Geburtsort. Dort wurde Kunst ausgestellt, die er geschenkt bekommen oder erworben hat. Neuevangelisierung könnte in dieser Sicht eine Allianz zwischen Kunst und Spiritualität sein. Im Sinne der Neuevangelisierung könnte das eine konkrete Form sein, Dinge des Glaubens zum Ausdruck zu bringen.

Müssen die Herz-Jesu-Priester in Fragen der Neuevangelisierung neue Wege gehen?

Ständig sprechen wir von neuen Wegen und Notwendigkeiten. Die Verkündigung des Evangeliums ist notwendig. Die Herz-Jesu-Spiritualität wäre ein Zugang zu ihr. Sie ist eine sinnvolle Möglichkeit einen affektiven Zugang zu Jesus Christus und seiner Botschaft zu verschaffen. Der Tiefe Sinn der Herz-Jesu-Spiritualität ist die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Wir dürfen aber nicht nur bei der Verehrung stehen bleiben, sondern sie ist ein Stimulus, der uns zum Handeln führt. Ich bin der Auffassung, dass wir dran bleiben müssen: dann wird der Weg schon neu werden.

Interview Matthias Biallowons


Gottesdienste

Alle Messfeiern in den Häusern der Dehonianer