Mittwoch, der 22. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 24. Februar 2013 | Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ erzählt über die Geschehnisse in Rom nach dem Rücktritt des Papstes

Wie Rom den Rücktritt erlebte

Die Nachricht vom Rücktritt von Papst Benedikt XVI. überraschte die Kurie. Vor allem aber die Gläubigen. Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ erzählt von den ersten Stunden in Rom, seiner Meinung zu der Entscheidung und den Tagen bis zum Konklave.

Papstrücktritt erschüttert Rom (foto:scj.de)
Papstrücktritt erschüttert Rom (foto:scj.de)

Vatikanstadt. Montagmorgen. Eigentlich sollte das Konsistorium wegen drei Heiligsprechungen zusammentreffen. Umso getroffener waren die Kardinäle, als der Heilige Vater verkündete, dass er „im Bewußtsein des Ernstes dieses Aktes erkläre“, dass seine „Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet“ seien, „in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“. Er werde am 28. Februar 2013 um 20.00 Uhr „das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri“ abgeben. Die anwesenden Kardinäle und wenig später die Weltöffentlichkeit und Presse waren vollkommen überrascht. So bezeichnend auch die ersten Worte des Kardinaldekans Angelo Sodano: „Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hat diese Versammlung Ihre bewegende Botschaft gehört. Wir haben sie mit Fassungslosigkeit und beinahe ungläubig gehört.“

SCJ.de: Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ. Wie haben Sie von dem Rücktritt erfahren? Was waren ihre ersten Gefühle?
Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ:
Ich war sprachlos. Ich konnte es kaum glauben: Papst Benedikt XVI. ist wirklich zurückgetreten. Ich kam gerade erst von einer Prüfung von der Universität nach Hause. Im ersten Moment dachte ich, dass es nur ein Gerücht ist, weil ich morgens in den Medien darüber nichts gehört hatte. Meine Mitbrüder hatten es mir dann erzählt. Sofort zog ich los und wollte in der Zeitung darüber lesen. Aber nicht nur in einem Blatt, sondern ich habe mir gleich mehrere Zeitungen gekauft, weil ich die verschiedenen Versionen hören wollte, warum der Papst zurückgetreten ist. Ich war sehr gespannt zu erfahren, welchen Beweggrund der Heilige Vater hatte, sein Amt als Oberhaupt der Kirche abzulegen. Für mich hatte Benedikt XVI. bis dahin immer einen sehr sicheren, souveränen und gelassenen Eindruck gemacht.

Wie erlebten Sie die Atmosphäre in der ewigen Stadt?
Es gab kein anderes Thema mehr. Jeder hat darüber geredet. In den Medien, auf der Straße und bei uns zu Hause. Wir diskutierten am Esstisch über das historische Ereignis. Es ist eine ganz neue Situation für uns. Für alle. Wir haben uns gefragt, wie das Prozedere während der Zeremonie am 28. Februar aussehen könnte. Wir haben die älteren Patres gefragt, wie die rechtliche Lage im Codex Iuri Canonici sei und welche neuen „Papabili“ es gibt.

Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ (foto:Daniel Biskup)
Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ (foto:Daniel Biskup)

Überwiegend Respekt und Hochachtung

Ein Paukenschlag in der mehr als 2000 Jahre alten Tradition der katholischen Kirche. Ein Heiliger Vater der aus freien Stücken, ohne Zwang sein Amt aufgibt, gab es bis dahin erst einmal. Mehr als 700 Jahre ist es her: 1294 verzichtete Coelestin V. auf den Stuhl Petri. Die Reaktionen auf die Nachricht waren überwiegend von Hochachtung und Verständnis für den Schritt Benedikts geprägt. Bundespräsident Joachim Gauck zollte ihm für die Entscheidung „außerordentlichen Respekt“, Frankreichs Staatschef Francois Hollande sprach von einem „höchst achtbaren Schritt“ und US-Präsident Barack Obama überlieferte „im Namen von allen Amerikanern“ und seiner Frau „Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. Wertschätzung und Gebete“. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch sprach von einer „großen menschlichen und religiösen Geste“. „Papst Benedikt gibt aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche“, so Zollitsch weiter. Auch Vertreter anderer Religionen und Konfessionen würdigten die Entscheidung von Benedikt XVI., der sich in seinem Pontifikat für den Dialog mit den Religionen einsetzte. So dankte ihm der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD-Präses Nikolaus Schneider „für alle theologischen Gespräche und Diskussionen“ und Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland betonte, dass „Papst Benedikt XVI. dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt“ habe.

Was halten Sie von dem Schritt des Heiligen Vaters?
Wir alle respektieren und schätzen die Entscheidung des Papstes in höchsten Maße. Sie hat in uns allen eine große Reflexion über den Dienst in der Kirche ausgelöst. Wir diskutieren darüber, wie die neue Rolle des Papstes aussehen wird. Man hat seine Person zu hoch „mythologisiert“. Man hat die Aufmerksamkeit nur auf ihn und seine Person konzentriert. Man vergisst oftmals, dass er ein nur Vertreter ist. Auf keinen Fall ist diese Entscheidung ein Versagen, Unmut oder gar Verzweiflung. Sie heißt vielmehr Vertrauen. Der Papst zeigt, dass er nicht der wichtigste Mann in der Leitung der Kirche ist, sondern Jesus. Der Papst ist nicht Gott, er ist sein Diener. Nicht er entscheidet die Wege der Menschheit, sondern Gott. Seine Entscheidung macht uns alle nachdenklich, wie wir unseren Dienst in der Kirche ausüben sollen. Damit hilft er uns auch, unsere eigenen Grenzen wahrzunehmen und den Weg frei zu machen für diejenigen, die in der Lage sind den Dienst besser auszuüben.

Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ (foto:scj.de)
Pater Levi dos Anjos Ferreira SCJ (foto:scj.de)

Spekulationen um Nachfolge

In den darauffolgenden Tagen gab es in den Medien kaum ein anderes Thema. Besonders über die möglichen Nachfolger wird in diesen Tagen heftig spekuliert. Auch ein mögliches Vorziehen des Konklaves wird im Vatikan diskutiert. Vatikansprecher Federico Lombardi kündigte an, dass das Konklave bereits vor dem 15. März beginnen könnte. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz dient normalerweise dazu, dass die wahlberechtigten Kardinäle genügend Zeit haben, um nach Rom zu reisen.

Wie erleben Sie die Tage nach seinem Rücktritt und wie begehen Sie die Zeit bis zur neuen Papstwahl?
Auf der Piazza San Pietro ist sehr viel los. Die Journalisten „wachen“ und achten genau darauf, was in der Umgebung des Vatikans geschieht. Viele Touristen kommen, um die Atmosphäre zu erleben. Die Polizei ist präsenter als sonst. Es gibt unheimlich viele Spekulationen, viele unwahre Dinge werden erzählt, Vermutungen unterschiedlichster Art werden laut verkündet. Nicht nur durch die Presse, sondern auch von Leuten, die das Geschehen nicht richtig verstanden haben oder nicht verstehen können. Wir im Collegio Internazionale sind ebenfalls sehr neugierig und gespannt. Wir versuchen uns dennoch nicht komplett davon stören zu lassen. Wir wollen - wie jedes Jahr - die Fastenzeit bewusst begehen und in besonderer Weise gestalten und erleben. Dazu gehört auch den Papst zu hören, weil er immer schöne und tiefsinnige Gedanken für die Fastenzeit auslegt.
In unserem Gebet der Fastenzeit schließen wir den Heiligen Vater in diesen Zeiten besonders ein.

Interview Matthias Biallowons


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