Montag, der 27. März 2017
SCJ am Sonntag, den 22. September 2013 | Ein Kommentar von Pater Ernst Sloot SCJ zum Konflikt in Syrien.

"Das wäre ein Projekt mit Zukunft"

In Syrien wütet ein Bürgerkrieg. Angefacht durch unterschiedlichste Interessenvertretungen. Die Frage, ob man in den Konflikt militärisch eingreifen soll, beschäftigt seit Wochen die Weltpolitik. Pater Ernst-Otto Sloot SCJ mit einem Kommentar über die Situation in Syrien.

Pater Ernst-Otto Sloot SCJ über den Krieg in Syrien (foto:scj.de)
Pater Ernst-Otto Sloot SCJ über den Krieg in Syrien (foto:scj.de)

Wem gehört der Krieg in Syrien?Seit 1963 regiert die Baath-Partei in Syrien. Sie vertritt einen arabischen Nationalismus in Kombination mit westlichen Ideen aus Kommunismus und Liberalismus. Für sie ist der Islam ein historischer Teil der arabischen Kultur, der mitverantwortlich ist für wirtschaftliche und kulturelle Rückständigkeit. Der Islam gehört nach ihrer Meinung notwendig zur arabischen Identität, hilft aber nicht, die gegenwärtige Gesellschaft zu modernisieren. Das sehen die orthodoxen Muslime natürlich ganz anders: Sie wollen den Islam als Staatsreligion durchsetzen. Der daraus resultierende Konflikt gärt seit Jahrzehnten in Syrien. Nun ist daraus ein Bürgerkrieg geworden. Ein Krieg liberaler Regimekritiker, islamistischer Kämpfer und der elitären Clique der Baath-Partei. Befeuert durch gegensätzliche Interessen von Nachbarländern und weit entfernter Weltmächte, geführt mit Waffen - auch aus der Bundesrepublik. Wer besitzt das Recht, dort mitzukämpfen? Und mit welchen Waffen? Soll man sich als Christ auf die Seite des Alleinherrschers Assad stellen, da er für viele Christen in Syrien den Islam als Staatsreligion verhindert, was ansonsten eine Vertreibung der Christen befürchten ließe? Soll man sich auf die Seite der sunnitischen Mehrheit von ca. 70% stellen, die nach westlichen Regeln das Recht hätten, ganz demokratisch einen muslimischen Gottesstaat zu errichten? Oder sollen wir uns etwa zwischen alle Fronten stellen, und um eine Lösung mitkämpfen, bei der allen Beteiligten recht geschieht? Wieder deutsche Blauhelmsoldaten schicken? Meine Meinung dazu ist: Nein! Auf gar keinen Fall! Es wird endlich Zeit, dass Regierungen mit dem Anspruch die Weltpolitik zu gestalten -und dazu gehört auch die BRD - lernen, echte Friedenspolitik zu betreiben. Bisher wird Außenpolitik mit Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik gleichgesetzt. Da geht es um Gewinne. Bei Kriegen geht es auch um das Gewinnen. Eine Friedenspolitik vertritt die Interessen der Verlierer und Verlorenen. Sie will Versöhnung und Barmherzigkeit, verschafft den Unterdrückten Recht, nennt das Unrecht beim Namen und verlangt Gerechtigkeit mit juristischen Mitteln. Dieser Krieg, und die vielen anderen Kriege, brauchen ein Gegengewicht: Ministerien für Frieden. Und diese brauchen weitreichende Kompetenzen. Diese Ministerien unterhalten Verbindungen zu den vielen Verlierern und Unterdrückten in den Ländern, um die wir uns Sorgen machen, statt mit den Mächtigen in Politik und Wirtschaft, wie es bisher politische Praxis ist. Diese Ministerien würden zusammenarbeiten mit Pax Christi, Amnesty International, und anderen NGOs. Das wäre ein Projekt mit Zukunft, und wir wüssten endlich, wem alle Kriege angehören: der Vergangenheit!!!! 

Pater Ernst Sloot SCJ


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