Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ am Sonntag, den 13.10.2013 | Berliner Herz-Jesu-Priester feiern ersten Haustiergottesdienst.

Und der Wellsittich zwitschert mit

Ein Kaninchen, ein Wellensittich, drei Guppys sowie jede Menge Plüschtiere: Ungewöhnliche Gäste haben die Berliner Herz-Jesu-Priester in ihrer Kirche Mater Dolorosa begrüßt. Zum ersten Mal veranstalteten sie dort einen Gottesdienst, zu dem Kinder ihre Haustiere mitbringen durften. Über 50 Menschen folgten ihrer Einladung – mit, aber auch ohne Tier.

Foto: otisthewolf/Fotolia
Foto: otisthewolf/Fotolia

Zum Schluss hockte er wieder im Käfig und knabberte am Heu: Für Schlomo war es eine Premiere, denn zum ersten Mal in seinem Leben saß er heute auf einer Kirchbank. Familie Harzdorf hatte das weiße Angora-Kaninchen von Berlin-Weißensee zum Haustiergottesdienst mitgebracht. Zuhause warteten noch zwei Wellensittiche und ein weiterer Hase, erzählte Mutter Regina. „Aber wir dachten wir nehmen Schlomo mit, weil der zahmer ist, falls er dann doch mal ausbüxt.“Turbulenzen gab es dann doch keine, und auch die Lautstärke blieb im normalen Bereich. Pater Marcio Auth SCJ, der den Gottesdienst leitete, lobte die Kinder und ihre Tiere für ihre Geduld und erzählte ihnen die Schöpfungsgeschichte. „Gott hat die ganze Welt geschaffen, also nicht nur uns, sondern auch die Tiere, die großen und kleinen, die Giraffe und den Elefanten, aber auch die Maus und die Ameise. Und was machte er am siebten Tag?“ „Er hat geschlafen“, rief ein Mädchen, in dessen Armen ein großer rosa Plüschhase klemmte. 

Die Herz-Jesu-Priester segnen die Haustiere während des Gottesdienstes (foto:scj.de)
Die Herz-Jesu-Priester segnen die Haustiere während des Gottesdienstes (foto:scj.de)

Segnung der Haustiere

Den sowie alle anderen Stofftiere, richtigen Tiere und Kinder segneten die Herz-Jesu-Priester im Anschluss. „Wir bitten Gott um seinen Segen, damit er Euch viel Kraft schenkt, damit Ihr Euch gut um Eure Tiere kümmern könnt“, erklärte Pater Auth, während in der ersten Bank Wellensittich Tschico im Käfig kräftig mitzwitscherte. Wie sie ihre Tiere transportieren sollten, darüber hatte sich auch Violanda Hempel Gedanken gemacht: „Das ganze Aquarium konnten wir ja schließlich nicht mitbringen.“ Nach dem Gottesdienst zeigte ihr Sohn Fabio (9) den anderen Besuchern seine blaue Brotbox, in der drei seiner Guppys schwammen.

Schlomo bei seinem ersten Gottesdienst (foto:scj.de)
Schlomo bei seinem ersten Gottesdienst (foto:scj.de)

"Ihm hat’s gefallen."

Auf dem Hof vor der Kirche bot sich für alle zweibeinigen Gäste die Gelegenheit, bei Kaffee und Keksen ins Gespräch zu kommen. Warum sie her gekommen sei? „Mein Sohn Louis soll Kirche mitbekommen, aber irgendwie sind immer alle Gottesdienste für ihn zu lang“, sagte Mama Loulou, die den Gottesdienst zusammen mit ihrer Freundin und ihrem anderthalb Jährigen Sohn verfolgt hatte. Der Haustiergottesdienst habe eine gute halbe Stunde gedauert. „Genau richtig für Kinder“, sagte die Berlinerin und außerdem „ist er nicht so langweilig für sie“. Das fand auch der zehnjährige Abel: „Es ist gut, wenn man sein Haustier mal woanders hin mitnehmen darf, auch in die Kirche.“ Sein Kaninchen Schlomo hatte den größten Teil des  Gottesdienstes auf Vater Harzdorfs Arm verbracht, auf dessen schwarzer Jacke danach lange weiße Haare klebten. „Am Anfang war er schon aufgeregt, deshalb brauchte er ein bisschen Handwärme. Dass er mit in die Kirche kommt, das kennt er ja gar nicht. Aber ich glaub ihm hat’s gefallen.“  

Sabrina Becker


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