Donnerstag, der 23. Februar 2017
SCJ Aktuell am 12. April 2015 | Auf dem Jakobsweg
Pilgerer: Bruder Josef Faath SCJ. Foto: scj.de

„Einen Fuß vor den anderen setzen“

Am Montag geht sein Flieger nach Pamplona: Bruder Josef Faath SCJ aus dem Herz-Jesu-Kloster Neustadt will auf dem Camino, dem Jakobsweg in Nordspanien, pilgern. In den nächsten sechs Wochen läuft er von Puente la Reina nach Santiago de Compostela - 672 Kilometer liegen zwischen Start und Ziel. Angst vor Blasen an den Füßen und vor dem Alleinsein hat er nicht, sagt der 56-Jährige.

Bruder Josef, wann hatten Sie das erste Mal die Idee, pilgern zu gehen?

Das war vor ein paar Jahren. Damals habe ich vom Pfälzer Jakobsweg gehört, der von Speyer zu unserem Kloster in Neustadt führt und dann weiter geht bis zum Kloster Hornbach. Diese rund 150 Kilometer bin ich dann gelaufen.

Warum muss es jetzt der lange Camino bis nach Santiago de Compostela sein?

Der Jakobsweg in Spanien ist einfach etwas richtig Großes. Außerdem ist er sehr geschichtsträchtig. Das ist ein Grund. Der andere ist, dass der Umzug des Provinzialates von Bonn nach Neustadt für unser Wohltäterbüro, das ich betreue, auch Hektik und Trubel bedeutet hat. Ich möchte jetzt diese Auszeit nutzen, um eine gewisse Zeit „raus aus dem Stall“ und wieder zur Ruhe zu kommen. Wenn ich für eine längere Zeit unterwegs bin, geht das besser.

Gibt es einen besonderen Grund, warum sie gerade dieses Jahr pilgern möchten?

Ich hatte im vergangenen Jahr Silberne Profess. Da habe ich die Provinzleitung gefragt, ob ich als Geschenk diese Auszeit bekommen könnte. Unser Provinzial, Pater Heiner Wilmer SCJ, fand es toll, dass ich mich dazu aufraffe.

Was packen Sie in Ihren Rucksack?

Pater Wilmer sagte, ich solle unbedingt einen Hut mitnehmen, weil dort die Sonne so brennt. Ansonsten: Wäsche zum Wechseln, Waschzeug, Regenschutz und meinen Schlafsack. Das, was ich unbedingt brauche. Alles andere bleibt daheim. Ich besitze kein Handy, also komme ich auch nicht in die Versuchung, eines mitzunehmen. Warum den Laptop mitschleppen? Dafür werde ich eh keine Muße unterwegs haben. Ich hatte noch überlegt, ob ich eine Bettlektüre mitnehme, mich dann aber dagegen entschieden. Das ist alles Ballast, den ich tragen muss. Ich nehme auch keine Essensvorräte mit. Das kaufe ich vor Ort, genau wie einen Wanderstock. Mein Rucksack wiegt jetzt 8 bis 9 Kilo, schwerer darf er auch nicht werden.

Noch fast unbenutzt: Bruder Josefs Wanderschuhe.

Sie wollen am Tag 20 bis 25 Kilometer laufen. Haben Sie im Vorfeld dafür trainiert?

Gar nicht so viel. Ich habe ein bisschen Fitnesstraining gemacht und dabei festgestellt, dass ich fit genug bin. In meiner Studentenzeit bin ich am Tag 40 Kilometer durch den Pfälzer Wald gewandert und viel Fahrrad gefahren. Ich habe auch jetzt keine Angst, dass ich schlapp mache oder mir Blasen an den Füßen hole. Außerdem habe ich zwischendurch Tage eingeplant, an denen ich Pausen einlegen kann.

Die Reise ist nicht nur eine physische, sondern auch eine psychische Herausforderung: Sie sind ganz allein unterwegs.

Stimmt. Eigentlich kann man Pilgern mit Exerzitien vergleichen. Man muss sich fühlen, als ob man auf einem anderen Planeten wäre. Was zuhause los ist, interessiert nicht. Vielleicht begegne ich Fremden, die auch unterwegs sind, mit denen ich mich dann unterhalten kann. Aber auf dem Weg zählt nur: einen Fuß vor den anderen setzen, mit mir selbst allein sein, den Kopf frei kriegen.

Der deutsche Entertainer Hape Kerkeling hat einen Bestseller über seinen Weg auf dem Jakobspfad geschrieben. Man treffe dort viele, schreibt er, die ebenso auf der Suche nach spirituellen Erfahrungen, nach Gott sind. Was erhoffen Sie sich von Ihrer Reise?

Auf der Suche nach Gott bin ich schon mein ganzes Leben. Ich glaube nicht, dass meine Suche jetzt zu einem Abschluss kommt. Es wäre aber toll, wenn ich dort auf dem Jakobsweg einen weiteren Schritt in seine Richtung gehen kann. Aber ich kann auch so sagen: Ich habe keine besonderen Erwartungen. Ich nehme die Erfahrungen an, die mir geschenkt werden.

 

Bruder Josef empfiehlt das Buch von Carmen Rohrbach: Jakobsweg. Wandern auf dem Himmelspfad, Piper 2009. 304 Seiten. ISBN 978-3492254908

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